HOME

Forsa-Umfrage: Deutsche setzen auf Filter-Zwang

Die überwältigende Mehrheit der Deutschen befürwortet ein Gesetz, dass die Auto-Hersteller verpflichtet, in jedes neue Diesel-Fahrzeug einen Rußfilter einzubauen. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern.

Die Deutschen befürworten harte Maßnahmen zur Bekämpfung des gefährlichen Feinstaubs. 89 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass die Autohersteller in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet werden sollten, alle neuen Diesel-Fahrzeuge mit Rußpartikelfiltern auszurüsten. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa in der vergangenen Woche im Auftrag des stern und des TV-Senders RTL durchführte. Forsa-Chef Manfred Güllner bewertet dieses Ergebnis mit Vorsicht. "Das ökologische Bewusstsein der Bundesbürger ist seit vielen Jahren sehr ausgeprägt," sagte Güllner stern.de. "Das bedeutet aber nicht, dass sich diese Haltung auch auf das Verhalten der Bundesbürger niederschlagen würde."

Regierung dringt auf steuerliche Anreize

Im Streit um die Diesel-Rußfilter zur Verminderung von Feinstaub stellen die Bürger sich auf die Seite jener, die den Druck auf die Autoindustrie erhöhen wollen. In Berlin bezichtigen vor allem die Grünen die Hersteller, den Einbau der Filter auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung bewusst verzögert zu haben. Die Bundesregierung hat bereits einen Plan zur steuerlichen Förderung der Filter eingelegt, nun appellieren die Minister - allen voran Umweltminister Jürgen Trittin - an die Länder, ihren Widerstand gegen diese Förderungsvariante aufzugeben. Die Länder sträuben sich, weil sie geringere Einnahmen fürchten. Hochgekocht war die Debatte, weil mehrere deutsche Städte - darunter München und Stuttgart - in den vergangenen Wochen die neue EU-Höchstgrenze für Feinstaubemissionen überschritten hatten. Wegen der Überschreitung des EU-Limits muss Deutschland mit rechtlichen Konsequenzen bis hin zu einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof rechnen. Einzelne Politiker hatten sich für Fahrverbote eingesetzt, ein gesetzlicher Zwang wurde aber allgemein abgelehnt.

Allzu großes Vertrauen in das ökologische Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung zeigte Forsa-Chef Güllner jedoch nicht. Sobald es um konkrete Belastungen für den Bürger gehen, sänken die Zustimmungsraten. "Wann immer man fragt, soll etwas ökologisch gekennzeichnet sein, dann erhält man immer Zustimmungsraten, die in dieser Höhe liegen. Nur wenn es dann wirklich darum geht, mehr Geld für ökologische Produkte zu zahlen, dann ist das anders", sagte Güllner.

Zwölf Prozent wollen Charles und Camilla sehen

Darüber hinaus fragte Forsa in der vergangenen Woche, ob die Bürger planen, die Hochzeit von Prinz Charles und Camilla Parker Bowles im Fernsehen zu verfolgen. 12 Prozent wollen sich die geplante Feier demnach nicht entgehen lassen, 86 Prozent zeigten wenig Interesse. "Wenn man das hochrechnet, ist das eine ganz schöne Quote", sagte Güllner. "Dabei sind die beiden nicht einmal so populär wie die Königin oder wie früher Lady Diana." Allerdings gingen die Befragten zum Zeitpunkt der Erhebung noch davon aus, dass die Trauung wie ursprünglich geplant am Freitag stattfinden würde. Nach dem Tod des Papstes und dem für Freitag angesetzten Beerdigungstermin in Rom haben Charles und Camilla ihre Trauung jedoch um einen Tag auf den Samstag verschoben. Die Quote könnte davon profitieren, denn im Wohnzimmer lässt sich eine Hochzeit allemal besser verfolgen als im Büro. Zu Diesel-Rußfiltern und der königlichen Hochzeit befragte Forsa zwischen dem 31. März und dem 1. April insgesamt 1002 Bundesbürger.

Vertrauen in das Können der Union steigt

Die politische Stimmung in der Bevölkerung hat sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Bei den Parteipräferenzen kamen alle Parteien auf das gleiche Ergebnis wie in der Vorwoche. So könnte Schwarz-Gelb mit einer satten Mehrheit rechnen, wenn am Sonntag ein neuer Bundestag gewählt werden würde. Die Union erhielte 46 Prozent der Stimmen, die FDP acht Prozent, die SPD 28 Prozent und die Grünen acht Prozent. Eine mögliche Koalition von Union und FDP könnte demnach mit 54 Prozent gegenüber 36 Prozent regieren. Die PDS erhält fünf Prozent der Stimmen. Kaum verändert hat sich auch die Kanzlerpräferenz der Bürger. 41 Prozent der Befragten (Vorwoche: ebenfalls 41 Prozent) würden sich für Gerhard Schröder als Bundeskanzler entscheiden, nur 31 Prozent (Vorwoche: 30 Prozent) für CDU-Chefin Angela Merkel. An den Ergebnissen der vergangenen Woche war einzig auffällig, dass offenbar immer mehr Menschen der Union zutrauen, der Misere des Landes erfolgreich zu begegnen. 25 Prozent der Befragten glauben, dass die Union jene Partei ist, die mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werden könnte - im Vergleich zur Vorwoche ist das ein Plus von 3 Prozentpunkten (22 Prozent), die SPD stagniert bei 11 Prozent. "Der größte Teil der Bevölkerung - 60 Prozent - sagt zwar nach wie vor, dass er keiner Partei zutraut, die Probleme des Landes zu lösen, aber es ist auffällig, dass die SPD weiter verliert und die Union weiter davonzieht", sagte Güllner. Nach ihren politischen Präferenzen befragte Forsa zwischen dem 29. März und dem 1. April insgesamt 2002 Bundesbürger

Florian Güßgen