Jürgen Ponto Die Mörder kamen mit Rosen


Die Tochter eines Schulfreundes lieferte Jürgen Ponto seinen Mördern aus: Mit Susanne Albrechts Hilfe gelangte ein RAF-Kommando am 30. Juli 1977 in die Villa des Dresdner-Bank-Chefs - und tötete ihn.

Jürgen Pontos Mörder kamen mit einem Strauß Rosen und zwei Pistolen. Mit dem Satz "Hier ist die Susanne" hatte Pontos Patentochter Susanne Albrecht vor 25 Jahren - am 30. Juli 1977 - die Türen seiner Villa in Oberursel für ein Kommando der "Rote Armee Fraktion" geöffnet. Albrecht, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar wollten den Vorstandssprecher der Dresdner Bank eigentlich entführen, wie eine Rekonstruktion des Bundeskriminalamtes ergeben hat. Als sich der Bankier wehrte, eröffnete Klar das Feuer auf den 53-Jährigen, Mohnhaupt hat ihn laut Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart erschossen.

Zwischenspiel im "Deutschen Herbst"

Im Nachhinein wirkt der Ponto-Mord nach dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter wie ein Zwischenspiel im "Deutschen Herbst". Die zweite RAF-Generation wollte um jeden Preis die in Stuttgart-Stammheim einsitzende alte RAF-Führungsriege um Andreas Baader freipressen: An Stelle Pontos entführten sie fünf Wochen später den Arbeitgeberpräsidenten Hanns- Martin Schleyer, im Oktober kidnappten Palästinenser die von Mallorca gestartete Lufthansa-Maschine "Landshut". Im Kampf gegen den zur Härte entschlossenen Staat konnten die Linksterroristen ihre Ziele jedoch nicht durchsetzen. Nach der GSG-9-Befreiungsaktion von Mogadischu und dem kollektiven Selbstmord Baaders, Gudrun Ensslins und Jan-Carl Raspes ermordeten sie ihre Geisel Schleyer.

Pontos Mörder Klar und Mohnhaupt wurden erst acht Jahre nach der Tat verurteilt. Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte die beiden zu lebenslangen Haftstrafen, neben dem Ponto-Mord wegen der Anschläge auf Buback, Schleyer, den US-General Kroesen und die Bundesanwaltschaft.

Klar sitzt in Bruchsal im Gefängnis, laut Beschluss des OLG Stuttgart mindestens noch bis zum Jahr 2009. Mohnhaupt ist im bayerischen Aichach inhaftiert. Verschiedene Mittäter wie Adelheid Schulz oder Peter-Jürgen Boock und Sieglinde Hoffmann sind hingegen nach verbüßten Strafen wieder auf freiem Fuß.

Deckname: Ingrid Jäger

Die Türöffnerin Susanne Becker, geborene Albrecht, hatte sich mit Hilfe der Stasi lange in der DDR vor den BKA-Fahndern verbergen können. Unter dem Decknamen Ingrid Jäger hatte sie geheiratet, ein Kind bekommen und als Chemielaborantin gearbeitet. Sie wurde erst im Juni 1990 in einem Plattenbau in Berlin-Marzahn verhaftet. Ihr umfassendes Geständnis verhalf der nie zur Kommando-Ebene gehörenden Rechtsanwaltstochter zum Status einer Kronzeugin, die sich in den Augen der Richter "eindrucksvoll" vom Terrorismus losgesagt hatte. Albrecht wurde 1996 nach der Hälfte ihrer zwölfjährigen Haftstrafe auf Bewährung entlassen.

Pontos Witwe Ignes ist bis heute nicht bereit, sich öffentlich über das Attentat zu äußern, das ihre Familie zerrissen hat. In der Dresdner Bank wird das Gedenken an den einflussreichen Vorstandssprecher hoch gehalten. So erinnern vor allem die Adresse des Geldhauses (Jürgen-Ponto-Platz 1) und die Jürgen-Ponto-Stiftung für junge Künstler an den ermordeten Bankmanager.

Christian Ebner DPA

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