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Mord an Jürgen Ponto: Die Mörder hatten Blumen dabei

Am 30. Juli 1977 klingelten die RAF-Terroristen Susanne Albrecht, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar mit Blumen vor der Tür des Bankiers Jürgen Ponto. Kurz darauf streckten sie ihn mit fünf Schüssen nieder. Auch 30 Jahre später ist die Tat noch immer nicht vollständig aufgeklärt.

Die Mörder waren gut angezogen, brachten Blumen mit und klingelten wie normale Besucher. Susanne Albrecht, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar haben an diesem 30. Juli 1977 keine Probleme, auf das Grundstück von Bankier Jürgen Ponto in Oberursel bei Frankfurt am Main zu kommen. Immerhin ist Albrecht eine Freundin der Familie. Doch der vermeintlich harmlose Besuch am Nachmittag endet für Ponto tödlich: Der 53-Jährige wird mit fünf Pistolenschüssen niedergestreckt.

Die Bluttat gehört zu einer beispiellosen Anschlagserie der Roten-Armee-Fraktion (RAF) auf führende Vertreter von Justiz und Wirtschaft. Später wird diese Zeit der "Deutsche Herbst" genannt. Sie ist der Höhepunkt des RAF-Terrorismus in der Bundesrepublik.

Nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback zu Ostern und dem Anschlag auf Ponto folgt im Herbst die Entführung und Ermordung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer. Nach dem misslungenen Versuch einer Palästinensergruppe, mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" RAF-Terroristen freizupressen, begehen die Inhaftierten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord.

Der Schock, der nach dem Ponto-Mord Westdeutschland erfasst, ist immens - vergleichbar mit der weltweiten Erschütterung vom 11. September 2001. Die Trauerfeier am 5. August 1977 in der Frankfurter Paulskirche gleicht einem Staatsakt, zu der die gesamte Staatsspitze erscheint. Mitarbeiter ziehen in einem Schweigemarsch durch die Stadt.

Für einen Mann, der als 19-Jähriger Wehrmachts-Panzerjäger in Stalingrad schwer verwundet wurde. Zur Dresdner Bank kam er 1950 während seines Rechtsreferendariates. Bis 1959 brachte er es bereits zum Chefsyndikus in Hamburg, ab 1966 war er Vorstandsmitglied. Schon ein Jahr später wurde er mit 44 Jahren Vorstandssprecher. 1950 heiratete Ponto die Pianistin Ignes von Huelsen. Aus der Ehe gingen Sohn Stephan und Tochter Corinna hervor. Der Mord an ihrem Vater lässt sie bis heute nicht los: Im April warf Corinna Ponto im stern den ehemaligen Terroristen vor, mit ihrem Schweigen dazu beizutragen, "dass wir in diesem Aufklärungsnebel stecken". Der nächsten Generation müsse die Wahrheit über die Zeit des Terrors in Deutschland gesagt werden.

Ganz aufgeklärt wurde der Mord an Ponto wie viele RAF-Taten tatsächlich nicht: Anfangs gingen die Ermittler davon aus, dass es sich um einen Entführungsversuch handelte. Später sagte Albrecht aus, dass Klar absichtlich auf Ponto im Speisezimmer geschossen und es kein Gerangel gegeben habe. Von den drei direkt beteiligten Tätern sitzt nur noch einer bis heute in Haft: Klar muss mindestens bis Anfang 2009 hinter Gittern bleiben. Ende April setzte er vor dem Landgericht Karlsruhe Hafterleichterungen durch, die ihn auf die Freilassung vorbereiten sollen. Mohnhaupt wurde bereits im März nach 24 Jahren in Haft entlassen. Wo sie jetzt wohnt, ist unbekannt.

Empörung über Susanne Albrechts Lehrerjob

Über Albrecht entbrannte erst kürzlich eine Diskussion in Bremen: Sie wurde 1991 zu zwölf Jahren Haft verurteilt und 1996 auf Bewährung entlassen. Schon seit den 1990ern gibt die Pädagogin in der Hansestadt Sprachunterricht für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen. Die Beschäftigung wurde aber erst Anfang Mai bekannt, worauf aus der CDU heftige Kritik kam. Doch der Elternbeirat sprach sich trotz ihrer Vergangenheit einstimmig für Albrecht aus. Für Bildungssenator Willi Lemke ist der Fall damit erledigt.

Thomas Seythal/DPA / DPA