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Stadtjubiläum: Wie aus Königsberg Kaliningrad wurde

Königsberg, das spätere Kaliningrad, hat eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Die ostpreußische Metropole entstand um eine 1255 vom Deutschen Orden errichtete Burg. Heute ist die Stadt eine russische Insel in der EU.

Kaliningrad, das frühere deutsche Königsberg, ist heute Hauptstadt der westlichsten russischen Provinz gleichen Namens. In dem Gebiet leben etwa 940.000 Menschen, die Hälfte davon in der Stadt Kaliningrad selbst. Die meisten sind Russen. 1939 hatte die Stadt noch über 370.000 deutsche Einwohner. Etwa 600 Kilometer von Berlin entfernt, war die Großstadt bis 1945 die östlichste deutsche Metropole. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der sowjetische Staats- und Parteichef Josef Stalin im Potsdamer Abkommen durchgesetzt, dass Königsberg und insgesamt 15.100 Quadratkilometer des nördlichen Ostpreußens zur damaligen Sowjetunion kommen und die noch verbliebene deutsche Bevölkerung vertrieben wird. Im Gegenzug wurden Menschen aus allen Teilen der Sowjetunion angesiedelt.

Russische Insel in der EU

Weil Stalin damals festlegte, das Areal direkt in die Russische Sowjetrepublik und nicht in das besetzte angrenzende Litauen einzugliedern, ist das Kaliningrader Gebiet heute eine Exklave Russlands in der Europäischen Union. Sie wird eingeschlossen von Polen und Litauen, das seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wieder unabhängig ist, sowie von der Ostsee.

Bis 1947 war die deutsche Bevölkerung von den Sowjets fast komplett vertrieben worden. Auf Weisung aus Moskau wurde die während der Kämpfe im April 1945 schwer zerstörte Königsberger Altstadt nicht wieder aufgebaut. Stattdessen entstand am Ufer des Pregel eine Stadt nach sowjetischem Muster, geprägt von Wohnblocks, breiten Straßen und riesigen Aufmarschplätzen. 1946 ließ Stalin Königsberg nach dem kurz zuvor verstorbenen, nominell ersten sowjetischen Staatsoberhaupt Michail Kalinin umbenennen. Um die Spuren der deutschen Vergangenheit zu verwischen, erhielten auch die Orte des Gebietes sowie Straßen und Plätze russische Namen.

Im selben Jahr wurde die Region als westlichster Vorposten der Sowjetunion zum militärischen Sperrgebiet erklärt. In der Ostsee-Hafenstadt Baltisk, dem früheren Pillau, entstand das Hauptquartier der baltischen Flotte. Bis 1991 war das Gebiet für Ausländer tabu. Für die vertriebenen Deutschen bedeutete dies, dass sie anders als etwa ehemalige Schlesier ihre alte Heimat nicht besuchen konnten.

Sonderwirtschaftszone mit Zollerleichterungen

Um die negativen Folgen der Exklavenlage zu mildern, wurde Kaliningrad nach dem Ende der Sowjetunion zur Sonderwirtschaftszone mit Zollerleichterungen erklärt - zunächst ohne nennenswerten Erfolg. Auch mit Sonderregelungen für Zölle und Steuern gelang es der Gebietsverwaltung kaum, ausländische Investitionen anzuziehen. Mit der EU-Erweiterung im Mai 2004 hat sich die Isolation der Region verschärft, die seitdem von Mitgliedstaaten der Europäischen Union umgeben sind. Erst jetzt stabilisiert sich die Lage allmählich.

Das 750-jährige Stadtjubiläum bezieht sich auf das Jahr 1255, als der Deutsche Orden am Ufer des Pregels eine Burg errichtete. Im Schutz der Feste entwickelten sich drei Städte, Altstadt Königsberg, Löbenicht und Kneiphof, die 1339 dem Bund der Hanse beitraten und 1724 zur Stadtgemeinde Königsberg vereint wurden. Bereits von 1457 bis 1525 hatte der Hochmeister des Deutschen Ordens hier seinen offiziellen Sitz, von 1525 bis 1618 war Königsberg Residenz der Herzöge von Preußen. An der 1544 von Herzog Albrecht gegründeten Universität, der Albertina, lehrte von 1755 bis 1796 der Philosoph Immanuel Kant. Am 18. Januar 1701 krönte sich der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. in der Königsberger Schlosskirche als Friedrich I. selbst zum ersten König in Preußen. Bis 1918 war dieser Tag in Königsberg ein öffentlicher Feiertag. Die Reste des im Krieg zerstörten Gebäudes wurden 1969 gesprengt.

DPA / DPA