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Kampf gegen Klimawandel Umstrittener Klimagipfel: Was bringen die bisherigen Ergebnisse der COP26?

Klima-Demonstranten fordern mehr Taten vom COP26-Klimagipfel
Klima-Demonstranten fordern mehr Taten vom COP26-Klimagipfel. Doch was bringen die bisherigen Gipfel-Ergebnisse?
© Christopher Furlong / Getty Images
Seit einer Woche läuft der Klimagipfel COP26 in Glasgow. Klimaschützer fordern mehr Einsatz, obwohl einige Erfolge schon verbucht wurden. Doch was bringen sie?

Die erste Woche der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow ist gelaufen. Die Verhandlungen haben eine Reihe von Absichtserklärungen teilnehmender Staaten etwa zum Methan-Ausstoß, zum Schutz der Wälder und zu den CO2-Emissionen ergeben. Noch sind Experten zurückhaltend mit Einschätzungen dazu, was dies konkret für das Weltklima bedeuten könnte, manche gehen nun aber bereits von einer Erderwärmung unter zwei Grad aus.

Stand der Dinge des Klimagipfels

Das Klimaschutzabkommen von Paris von 2015 besagt, dass die Klimaerwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad und nach Möglichkeit auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden soll. Nach UN-Angaben befand sich die Erde mit den bisherigen Verpflichtungen der Länder zur Verringerung der Treibhausgase jedoch auf dem Kurs zu einer "katastrophalen" Erwärmung um 2,2 bis 2,7 Grad.

Wichtigste Ankündigungen von COP26

Seit Beginn der COP26 haben die für den Klimawandel bedeutenden Länder Indien, Brasilien und Argentinien Verschärfungen ihrer bisherigen Klimaziele verkündet. Besonders Indien, das wegen seiner Bevölkerungsgröße zu den größten Emittenten von Treibhausgasen gehört, enttäuschte allerdings die Klimaschützer: Das Land strebt nun offiziell Klimaneutralität an, allerdings erst bis 2070.

Rund hundert Länder haben außerdem zugesagt, den Ausstoß des bedeutenden Treibhausgases Methan bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Nicht von der Partie sind hier bedeutende Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien. Einer Erklärung zum Stopp der Entwaldung bis 2030 traten immerhin die in diesem Bereich wichtigen Länder Brasilien und Russland bei.

Erste Einschätzungen sehen Erwärmung unter zwei Grad

UN-Klimaexperten haben die bisherigen Zusagen der Staaten – nachgebessert oder auch nicht – analysiert und kommen zu dem vorläufigen Schluss, dass bei ihrer Umsetzung die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre bis 2030 immer noch 13,7 Prozent betragen würde. Zuvor gingen sie noch von einem Wachstum um 16 Prozent im Vergleich zu 2010 aus. Allerdings liegt die Zielmarke im Lichte des 1,5-Grad-Ziels bei einer Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 45 Prozent.

Das UN-Umweltprogramm UNEP unterstrich zudem, dass diese vorläufigen Analysen keinesfalls eine Berechnung der Auswirkungen auf den tatsächlichen Temperaturanstieg seien. "Es ist noch zu früh", sagte UNEP-Chefin Inger Andersen der Nachrichtenagentur AFP. "Wir machen keine Berechnungen auf der Rückseite eines Briefumschlags". Wissenschaftliche Schätzungen und Modellierungen bräuchten Zeit.

Andere Wissenschaftler wagen dennoch bereits erste Prognosen. Nach einer Einschätzung der Universität Melbourne könnte "zum ersten Mal in der Geschichte der Gesamteffekt der Verpflichtungen der 194 Länder die Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen" – mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Wenn alle kurz-, mittel-, und langfristigen Versprechen gehalten werden, wäre demnach eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,9 Grad möglich.

Der Chef der internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagte, sein Team habe ähnliche Berechnungen angestellt und gehe in bislang unveröffentlichten Analysen von einer möglichen Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,8 Grad aus. Allerdings müssten dafür nun auf Worte sofort Taten folgen, betonte Birol. "Es ist wichtig, dass die Regierungen ihre Versprechen jetzt in klare und glaubwürdige Politiken und Strategien umsetzen."

Klimaschützer verweisen darauf, dass die Zielmarke von Paris von 1,5 Grad weiterhin überschritten werde. Bei einem Temperaturanstieg ab 1,5 Grad "werden einige Länder einfach von der Landkarte verschwinden", betont Juan Pablo Osornio von Greenpeace. Einig sind sich daher die Klimaaktivisten mit Politikern wie dem US-Klimabeauftragten John Kerry: Es muss noch viel mehr getan werden.

rw AFP

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