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Annegret Kramp-Karrenbauer "Natürlich wurde ich mit dem Vorwurf konfrontiert, eine Rabenmutter zu sein"

Die Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, über die Frauen in der Union und die Rollenverteilung mit ihrem Mann.

Frau Kramp-Karrenbauer, wichtige Schritte ihrer politischen Karriere haben Sie der Quote zu verdanken?

Ja, ich bin eine Quotenfrau. Es gab zwei konkrete Chancen, die ich der Quote zu verdanken habe: Zum einen, als ich erstmals für den Bundestag kandidiert habe. Es wurde explizit eine Frau gesucht, das war ein klassischer Frauenplatz auf der Liste. Das zweite Mal als ich Innenministerin vom Saarland geworden bin. Der damalige Ministerpräsident Peter Müller wollte ein politisches Signal setzen mit der Ernennung einer Frau im Amt der Innenministerin, zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Quote hat mir also Chancen eröffnet. Aber am Ende zählt, dass ich mit meiner Arbeit erfolgreich überzeugt habe.

Insgesamt ist der Frauenanteil in der CDU gering.

Ich mache mich in der CDU schon sehr lange für die Quote stark. Und ich habe mir vor einigen Jahren auch schon mal den Unmut der Kanzlerin zugezogen, als ich als Ministerpräsidentin im Bundesrat einer Initiative des Bundeslandes Hamburg zur Einführung von Quoten im Aufsichtsrat zugestimmt habe. 

© Carolin Windel / stern

Unser Frauenanteil in der CDU ist zu gering. Das liegt auch daran, dass unsere Parteiarbeit nach wie vor oft zu wenig familienfreundlich ist. Aber wir haben in der Corona-Zeit dazugelernt. Eine entscheidende Frage ist: Wie viel Präsenz muss sein und wann finden Veranstaltungen statt? Viele haben zurückgemeldet, dass wir die digitalen Sitzungen auch nach Corona stärker beibehalten sollen. Die Digitalisierung bietet also große Chancen mit Blick auf Familienfreundlichkeit. 

Was hat ihnen persönlich die Stärke gegeben durchzuhalten auf dem Weg nach oben, nicht aufzugeben?

Das war ganz sicher die Unterstützung in meinem persönlichen Umfeld, aber auch ein Netzwerk von Frauen aus der FrauenUnion und auch von Männern, die mich getragen haben. Und es ist der Mut, Themenbereiche anzunehmen, die Frauen vielleicht nicht klassischerweise zugesprochen werden. Das ist auch mein Rat, den ich jungen Frauen gebe. Sich nicht auf typische Frauenthemen festlegen, sondern ganz bewusst auch mal in andere Bereiche hineinzugucken.

Woher kam dieser Mut? 

Ich komme aus einer Familie mit traditionellen Rollenbildern. Meine Geschwister und ich wurden aber immer darin bestärkt, dass wir alle Chancen, alle Unterstützung haben, um persönlich zu wachsen und das zu werden, was wir wollten. Und ich glaube, dieses Urvertrauen hat meinen weiteren Lebensweg geprägt.

Sie selber haben nicht das traditionelle Rollenbild gewählt, als ihre Kinder zur Welt kamen. Sondern, sie sind arbeiten gegangen und ihr Mann, ein Bergbau-Ingenieur, ist zuhause geblieben.

Ja, das stimmt. Wir haben das sehr pragmatisch gehandhabt: Wer mehr verdient geht arbeiten und der andere kümmert sich um die Kinder. Ich wurde natürlich auch mit dem Klassiker-Vorwurf konfrontiert: Eine Rabenmutter zu sein. Ich hatte das Gefühl mich häufig rechtfertigen zu müssen. Eine Erfahrung ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Als mein jüngster Sohn noch sehr klein war, bewarb ich mich um das Direktmandat für den Deutschen Bundestag. Bei Abendveranstaltungen zu meiner Kandidatur bin ich eigentlich nur eins gefragt worden: Wie es den Kindern geht und wer sich um sie gerade kümmert. Als ich später nach Hause kam, habe ich zu meinem Mann gesagt: Weißt, du, wenn die sich genauso viele Sorgen um ihre eigenen Kinder machen, wie um unsere, dann ist alles gut. Und umgekehrt war mein Mann, als einziger Vater unter lauter Müttern in der Krabbelgruppe, der absolute Held.

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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