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Collien Ulmen-Fernandes "Ich könnte kotzen, was mir so alles an Filmrollen angeboten wird!"

Sehen Sie im Video: Collien Ulmen-Fernandes über die Frauenquote und Frustration und Ungerechtigkeiten im Job als Frau.
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Ihre Moderationstexte werden zensiert, selbst denken soll sie nicht, aber bitte High Heels tragen - alles, weil sie eine Frau ist. Collien Ulmen-Fernandes spricht über frustrierende Situationen im Job.

Frau Ulmen-Fernandes, gab es denn eine Situation in Ihrem Berufsleben, in der sie eine Quotenfrau waren?

Ich war sogar zweimal eine Quotenfrau. Einmal hat es sich nicht gut angefühlt: Beim Computerspielpreis haben sie explizit eine Frau gesucht, weil sie die Jury paritätisch besetzen wollten. Meine Videospielkompetenz beschränkt sich aber auf Ipad- und Handyspiele, in allen anderen Bereichen kennen sich andere wesentlich besser aus. Grundsätzlich glaube ich aber, dass es sich lohnt, öfter zu überlegen, ob nicht auch eine Frau den Job machen könnte.

Und das zweite Mal?

Das war bei meiner Sendung "No more boys and girls", in der es um Vorurteile und Geschlechterklischees geht. Eigentlich war ein Mann als Moderator angedacht, bis das bewusst geändert wurde. Ich war durch die Arbeit an meinem Kinderbuch "Lotti und Otti" tief im Thema, kannte mich aus – und mittlerweile arbeite ich seit drei Jahren mit ZDFneo zusammen, dabei sollte es eigentlich nur ein einmaliges Projekt werden. Das heißt: Manchmal braucht es eben diesen Anstoß, bewusst eine Frau zu suchen und dann funktioniert es auch langfristig. Ohne diesen Anstoß läuft es oft leider nicht. 

Haben Sie beruflich auch Nachteile erfahren, weil Sie eine Frau sind?

Definitiv! Vor allem in der Moderation erlebe ich oft Diskriminierung. Meist läuft es so: Ich gebe Moderationstexte ab und mir werden zwei Drittel durchgestrichen mit der Begründung, das sei Männerhumor. Alleine dieses Wort! Ich hatte eine Situation mit einem männlichen Co-Moderator, da hieß es: Du kannst das leider so nicht sagen, denn wenn Frauen ironisch sind, kommt das zickig rüber. Der männliche Moderator könne doch meine Gags übernehmen. Die wollten die Sachen, die ich geschrieben hatte, ihm geben. Aber ich bin doch nicht seine Autorin! Ich möchte meine Gags gerne selbst machen. Und das wurde mir verdammt oft nicht erlaubt, weil ich eine Frau bin, noch dazu eine mit langen Haaren. Ich würde gern derbere Sprüche machen und es frustriert mich, wenn es immer wieder heißt: So kannst du als Frau nicht sein. Ich darf nicht, weil ich eine Frau bin. Das wird ganz klar auch so ausgesprochen. 

Wann setzte das Bewusstsein dafür ein? War Ihnen das schon zu Viva-Zeiten klar?

Ich hab lange Vieles als Einzelfall abgetan und erst spät gemerkt, dass Vieles mit Geschlechterstereotypen zu tun hat, in die man als Frau oft gedrängt wird. Ich erinnere mich an ein Treffen mit einem Produzenten für ein journalistisches TV-Format. Der sagte ernsthaft: "Du musst keine Moderationen schreiben, wir suchen hier einfach nur eine Frau, die gut aussieht in der Deko!" Das war für mich unfassbar. Ich sollte unterschreiben, dass ich immer Kleidung tragen würde, die farblich zur Deko passtund ansonsten kein Mitspracherecht habe. Ich war quasi die erweiterte Kulisse, die Optik war wichtiger als der Inhalt. 

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe abgelehnt, das mache ich mittlerweile oft. Solche Sendungen kann ich nicht mehr machen. Das Gleiche gilt für Schauspielrollen, die sich auf Rock und High Heels beschränken. Ich könnte kotzen, was mir so alles angeboten wird: Affäre vom Chef oder "Tussi" – die Rolle heißt dann auch so. Man hat die fiktionale Welt mal hinsichtlich der Geschlechterrollenuntersucht und festgestellt, dass 80 Prozent der Frauen als Hausfrauen dargestellt werden. Da hinkt die Filmwelt der realen Welt extrem hinterher.


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