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Kommentar

AfD-Chef: Jubelarie auf Trump - Wie Jörg Meuthen sich selbst als Heuchler entlarvt

Donald Trump gewinnt die US-Präsidentschaftswahl und Jörg Meuthen jubelt. Damit zeigt der vermeintlich so zurückhaltende AfD-Chef sein wahres Gesicht.

AfD-Vorsitzender Prof. Dr. Jörg Meuthen

Ein Mann mit zwei Gesichtern: der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen.

Jörg Meuthen gibt sich gern bürgerlich-gemäßigt. Als im Mai die Grünen-Abgeordnete Muhterem Aras zur ersten muslimischen Präsidentin des baden-württembergischen Landtags gewählt wurde, reichte er ihr als einziger AfD-Abgeordneter zur Gratulation die Hand. Als wenig später Antisemitismusvorwürfe gegen seinen Fraktionskollegen Wolfgang Gedeon erhoben wurden, verließ Meuthen die Fraktion, weil diese Gedeon nicht ausschließen wollte, und gründete eine neue. Als sein Parteikollege Dubravko Mandic US-Präsident Barack Obama als "Quotenneger" schmähte, wollte er ihm wegen der "restlos indiskutablen" Aussage "ein Parteiausschlussverfahren an die Backe hängen".

Jörg Meuthen sagt Sätze wie:

"Zu Deutschland gehören sehr wohl Millionen Menschen islamischen Glaubens, die bei uns leben, friedlich integriert."

"Ich bin kein Brandstifter."

"Manche in meiner Partei halten mir vor, ich sei zu zurückhaltend und müsse mehr reinkeulen. Aber ich tue das nicht, denn in dem Moment bin ich nicht mehr ich selbst."

"Ich beobachte mit großer Sorge, dass sich die politischen Debatten in unserem Land stark vereinfacht und auch radikalisiert haben."

Jörg Meuthen wirft den etablierten Parteien und "arroganten, abgehobenen Politikern" vor, sich völlig von den Menschen entfernt zu haben, sich selbst genug zu sein und als einziges Ziel den Machterhalt anzustreben. Im Gegensatz zu ihm selbst. Und im Gegensatz zur AfD, deren Chef und Sprecher er ist.

Was für ein Heuchler! Was für eine heuchlerische Partei. Und ausgerechnet Donald Trumps Wahlsieg hat sie entlarvt.

Meuthen gratuliert Trump zu "grandiosem Wahlsieg"

Nachdem klar war, dass Trump der 45. Präsident der USA wird, stimmte Meuthen ein Loblied auf den Republikaner an, das klang, als hätte es der Milliardär selbst geschrieben. "Wir gratulieren Donald Trump zu seinem grandiosen Wahlsieg", ließ der AfD-Vorsitzende in einer Pressemeldung verbreiten. "Sein Sieg ist ein gutes Signal für die Welt und markiert eine Zeitenwende." Trump sei zurecht für seinen Mut belohnt worden, sich gegen das System aufzulehnen und unbequeme Wahrheiten anzusprechen.

Unbequeme Wahrheiten ansprechen, so nennt Jörg Meuthen die Aussagen von Donald Trump im Wahlkampf.

Donald Trump sagt Sätze wie:

"Wenn Du ein Star bist, dann lassen sie Dich ran. Du kannst alles machen (...) Sie an der Muschi packen. Du kannst alles machen."

"Ich würde Waterboarding wieder einführen, und ich würde eine höllische Anzahl von Schlimmerem als Waterboarding wieder einführen."

"Der IS verehrt Präsident Obama. Er ist der Gründer des IS. (...) Und ich würde sagen, die Co-Gründerin ist die korrupte Hillary Clinton."

"Wenn Mexiko seine Leute schickt, schickt es nicht seine Besten. (...) Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Leute."

“Faulheit ist eine Eigenschaft der Schwarzen. … Schwarze, die mein Geld zählen! Ich hasse es.“

"Ich könnte jemanden mitten auf der 5th Avenue in New York erschießen und die Leute würden mich trotzdem wählen."

Jeder einzelne dieser Sätze von Donald Trump ist ein Skandal. Alle zusammen sind die manifestierte Charakterlosigkeit - nicht zu entschuldigen, nicht zu verharmlosen und auf keinen Fall zu tolerieren. Donald Trump hat im Wahlkampf die Menschen aufeinandergehetzt und belogen, er hat sich über Behinderte lustig gemacht, zu Gewalt aufgerufen und seiner Gegnerin Gefängnis angedroht, er hat Frauen, Muslime, Veteranen, Journalisten und die eigene Demokratie verächtlich gemacht - alles nur, um an die Macht zu kommen.

Jörg Meuthen schwärmt von Donald Trump.

AfD will von Trumps Erfolg profitieren

Der Grund dafür ist offensichtlich: Meuthen hofft, mit der AfD auf der Erfolgswelle des Republikaners mitzuschwimmen. Geradezu peinlich anbiedernd schrieb der Parteichef in seiner Presseerklärung: "Genauso wie die AfD in Deutschland hat Trump es im US-Wahlkampf verstanden, die Sorgen und Nöte der Menschen aufzugreifen und klar und mutig die Missstände im Establishment anzuprangern."

Tatsächlich ist der völlig kritiklose Lobgesang des AfD-Chefs auf Trump der Gipfel der Bigotterie, denn er lässt nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder Jörg Meuthen findet Trumps Skrupellosigkeit und Menschenverachtung tatsächlich gut und er spielt seine Bürgerlichkeit nur vor, weil er auch bei gemäßigten Wählern ankommen will. Oder er verleugnet sich bei seinem Jubel selbst.

Wer Meuthens Facebookseite beobachtet, weiß schon länger, dass hinter der Fassade des vernunftgesteuerten Wirtschaftsprofessors ein Politiker mit hoher Toleranz gegenüber Radikalismus und Hetze steckt. So durften Kommentatoren auf seinem Profil unwidersprochen die Medien mit Begriffen wie "zerlumpte Medien", "Reichspropaganda" oder "Linksfaschisten" titulieren. Vergangenen Januar teilte der AfD-Chef ein Video des AfD-Kreisverbandes Freiburg über einen bewaffneten Angriff auf einen ihrer Plakatierer mit dem Kommentar: "Heiko Maas hat hier 'mitgeschossen'!" Und während Meuthen in Interviews erklärte, er fühle sich von den Medien in 90 Prozent der Fälle ordentlich behandelt, beklagte er auf Facebook eine Verschwörung von Medien und Politik gegen die AfD, "die vor keinen Verdrehungen und Verleumdungen mehr zurückschreckt".

Trumps Wahlsieg hat Meuthens dunkle Seite nun endgültig offengelegt. Und dabei ist es egal, welche der beiden Schlussfolgerungen aus der Reaktion des bekennenden Katholiken richtig ist. Beide belegen, dass Jörg Meuthen und die AfD genau das ausmacht, was sie allen anderen Parteien vorwerfen: Ihr einziges Ziel ist die Macht. Und dafür scheint ihr jedes Mittel erlaubt.