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Secondhand-Flugzeug: Der neue Regierungsflieger der Kanzlerin ist schon 18 Jahre alt

Reichen acht Flugzeuge für eine Kanzlerin, einen Bundespräsidenten und 15 Minister? Nicht immer. Jetzt bekommen die Vielflieger der Regierung aber Verstärkung: mit einem Airbus, der in Hamburg flott gemacht wird.

Im Hangar der Lufthansa Technik am Hamburger Flughafen: Hier wird die ehemalige "Neustadt an der Weinstraße" der Lufthansa generalüberholt und erhält eine komplett neue Kabinenausstattung.

Im Hangar der Lufthansa Technik am Hamburger Flughafen: Hier wird die ehemalige "Neustadt an der Weinstraße" der Lufthansa generalüberholt und erhält eine komplett neue Kabinenausstattung.

Die Startphase der neuen Bundesregierung war auch für die Flugbereitschaft der Bundeswehr eine Herausforderung. Alleine Außenminister Heiko Maas hat in seinen ersten 100 Tagen rekordverdächtige 118.000 Flugkilometer zurückgelegt - drei Mal um die Welt. Kanzlerin Angela Merkel hatte nach der Hängepartie bei der Regierungsbildung außenpolitischen Nachholbedarf und war unter anderem in China, den USA, Russland und beim G7-Gipfel in Kanada. Hinzu kam die ein oder andere Antrittsreise der Kabinettsneulinge Olaf Scholz (Finanzen) oder Peter Altmaier (Wirtschaft) sowie Truppenbesuche von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Da kommt die Luftwaffe mit ihren acht VIP-Maschinen für Regierungsflüge schon mal an ihre Grenzen. Das liegt auch daran, dass für Reisen der Kanzlerin oder des Bundespräsidenten Ersatz-Flieger bereitstehen müssen - für den Fall einer Panne. Und der tritt immer wieder ein: Zuletzt verzögerte sich Ende Juni eine Weißrussland-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, weil er wegen eines Hydraulikschadens kurz vor dem geplanten Abflug umsteigen musste.  

Es kann also vorkommen, dass die Bundeswehr den Reisebedarf der Regierung und des Bundespräsidenten nicht alleine decken kann. So musste Außenminister Maas ausgerechnet zu einem seiner wichtigsten Termine in den ersten Monaten seiner Amtszeit, zur Wahl Deutschlands in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Linie nach New York fliegen. 

Jetzt soll aber alles besser werden

Die Vielflieger der Regierung bekommen Verstärkung. In der Werft der Lufthansa Technik am Hamburger Flughafen wird seit eineinhalb Jahren ein Airbus A321 für die Regierung aufgemöbelt. Tests laufen gerade. Ende August soll die zivile Zulassung vorliegen, und im September wird die Maschine an die Bundeswehr übergeben.

Neue Premiumsitze mit versenkbaren Bildschirmen in der Kabine des Airbus A321: Im Herbst wird das Flugzeug in die Flugbereitschaft der Bundesregierung aufgenommen.

Neue Premiumsitze mit versenkbaren Bildschirmen in der Kabine des Airbus A321: Im Herbst wird das Flugzeug in die Flugbereitschaft der Bundesregierung aufgenommen.

DPA

Mit der A321 erhält die Kanzlerin einen Secondhand-Flieger. Die Maschine gehörte seit dem Jahr 2000 zur Flotte der Lufthansa, unter dem Städtenamen "Neustadt an der Weinstraße". Noch ist die neue Lackierung mit dem Schriftzug "Bundesrepublik Deutschland" und den Nationalfarben nicht aufgetragen, das ist einer der letzten Umbauschritte. 

Warum kauft die Regierung ein gebrauchtes Flugzeug? "Das ist kostengünstiger und damit besser für den Steuerzahler", sagt Hauptmann Dieter Brakonier, der das Projekt für das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr betreut. Genaue Zahlen werden nicht genannt, aber ein dreistelliger Millionenbetrag dürfte für die neue Regierungsmaschine allemal fällig werden.

Das Koblenzer Amt hat sich unter mehreren Flugzeugen für die A321 entschieden, weil sie top gepflegt war. "Wir hatten das Flugzeug durchgehend in der Wartung, und es ist wie bei einem Auto: Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Pflege", sagt Lufthansa-Projektleiter Harald Pries.

Die "Neustadt" für die Kanzlerin

Die Spezialisten bei der Lufthansa Technik haben den Airbus vollständig überholt und modernisiert, das zulässige Startgewicht um vier Tonnen erhöht und den Innenraum komplett neu ausgestattet. "Die Maschine enthält rund 180 Modifikationen, die zum Teil einzeln zugelassen werden müssen", erläutert Pries. Das erklärt auch die lange Liegezeit in der Werft.

Für die Lufthansa Technik ist ein Regierungsflieger nicht gerade Routine - aber auch keine neue Herausforderung. Die Hamburger Werft ist führend bei der Ausstattung von VIP-Flugzeugen für reiche Geschäftsleute, Unternehmen und Regierungen und betreut seit jeher die Maschinen der Flugbereitschaft. Allein in Hamburg arbeiten mehr als 1000 Fachkräfte in diesem Bereich, weitere 450 an anderen Standorten.

Der Regierungsflieger wird künftig bis zu 84 Passagiere befördern, davon 14 im vorderen VIP-Bereich, wo Kanzlerin oder Minister mit ihren engsten Mitarbeitern sitzen. 70 Plätze sind für die offizielle Delegation, Sicherheitsbeamte vom Bundeskriminalamt, Journalisten und Gäste aus Wirtschaft, Kultur oder anderen gesellschaftlichen Bereichen vorgesehen.

Mehrere Vorhänge zur Verdunklung der Sitzreihen sind im Innenraum des Airbus A321 "Neustadt a.d. Weinstraße" bereits angebracht.

Mehrere Vorhänge zur Verdunklung der Sitzreihen sind im Innenraum des Airbus A321 "Neustadt a.d. Weinstraße" bereits angebracht.

DPA

Damit ist die Platzaufteilung recht geräumig. Als reguläre Linienmaschine befördert eine A321 in der Regel rund 200 Fluggäste. Luxus aber gibt es nicht; die Bestuhlung im Delegationsbereich entspricht der Klasse Economy plus. Es gibt - im Gegensatz zu anderen Regierungsfliegern - noch nicht einmal eine Dusche. Gedacht ist die Maschine mit einer Reichweite von rund 5000 Kilometern vor allem für den Einsatz auf der Mittelstrecke im europäischen Raum, doch auch Nordamerika wäre noch erreichbar.

Zwei A340 für Langstreckenflüge

Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums hält bislang an den Standorten Köln-Wahn und Berlin-Tegel insgesamt 16 Flugzeuge und Hubschrauber bereit. Acht davon werden in der Regel für Regierungsreisen genutzt: Zwei Airbus A340 für Langstreckenflüge bis 15 000 Kilometer mit 143 Plätzen; zwei Mittelstreckenflieger Airbus A319 mit 44 Plätzen und einer Reichweite von 7600 Kilometern; vier kleine Bombardier Global 5000 mit 13 Plätzen und einer Reichweite von 9000 Kilometern. Hinzu kommen drei Cougar-Hubschrauber für kurze Strecken innerhalb Deutschlands und fünf ältere Airbus A310, die für Regierungsflüge aber kaum noch genutzt werden, sondern eher als Truppentransporter. 

Zusammen leisten die Flieger durchschnittlich 2500 Flüge im Jahr. Zum Schutz der obersten Repräsentanten des Staates sind in den Maschinen auch militärische Komponenten installiert, Abwehrsysteme und Kommunikationstechnik. Die Einzelheiten bleiben geheim.

In einigen Wochen wird der neue Regierungsflieger seine militärische Zulassung erhalten und dann wohl im November seinen Dienst aufnehmen. Eine Idee für einen Namen gibt es auch schon: Hans Dietrich Genscher, der in seinen 18 Jahren als Außenminister besonders viel unterwegs war. Es ist aber noch nicht klar, ob der Vorschlag realisiert wird. Bisher tragen nur die Großraum-Flieger Namen. Die beiden A340 sind nach dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss und dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer benannt.

+++ Lesen Sie auch: "Ju52 - Besuch bei der alten Dame auf der Intensivstation, bei der Lufthansa Technik in Hamburg" +++

Air Force One im Porträt
Eckart Gienke und Michael Fischer/DPA

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.