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BUNDESLIGA: HSV vertrieb Abstiegsgespenst

Nach einem Zittersieg von 4:3 gegen St. Pauli ist jetzt die Not beim Kiez-Rivalen groß. Auch Bayern München patzte und verlor in Berlin mit 1:2 gegen Hertha.

Mit einem Zittersieg im 127. Stadt-Derby hat der Hamburger SV das Abstiegsgespenst vorerst vertrieben und die Not beim Rivalen FC St. Pauli drastisch verschärft. Vor 54.800 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften AOL-Arena gewann der HSV am Sonntagabend mit 4:3 (3:0) und verbesserte sich auf den 11. Platz in der Fußball-Bundesliga. Zwei Blitztore von Erik Meijer (4. Minute) und Milan Fukal (8.) sowie der Treffer von Collin Benyamin vor der Pause (45.) brachten den HSV bereits klar in Führung. Sergej Barbarez (52.) beantwortete den Anschlusstreffer von Thomas Meggle (47.) zudem mit dem 4:1, doch André Trulsen weckte mit einem Doppelpack (79./82./Foulelfmeter) noch einmal die Hoffnungen des Schlusslichts.

Leverkusen schrumpfte auf Normalmaß

Binnen drei Tagen ist die vermeintliche Übermannschaft aus Leverkusen auf Normalmaß geschrumpft. Wie schon bei der ernüchternden 0:4-Schlappe im Champions-League-Nachholspiel bei Juventus Turin ließ das Bayer-Team auch beim 1:2 gegen Werder Bremen die Souveränität vergangener Tage vermissen. Nicht nur die erste Bundesliga-Saisonniederlage, sondern auch die Rote Karte für Kapitän Jens Nowotny sorgte nach zuletzt sieben Punktspiel-Siegen für lange Gesichter. »Wir haben eine Klatsche bekommen, jetzt müssen wir damit fertig werden«, sagte Trainer Klaus Toppmöller voller Hoffnung auf eine Trotzreaktion seiner Mannschaft.

Bayern strauchelten

Gestrauchelt ist auch Titelverteidiger Bayern München, der bei Hertha BSC mit 1:2 verlor. Der Ungar Pal Dardai besiegelte die Niederlage der Isar-Truppe in der 84. Minute. Dagegen konnte Borussia Dortmund die Gunst der Stunde nutzen. Mit einem 2:0 beim 1. FC Köln verkürzte der Auswärtsschreck der Liga den Abstand zum Tabellenführer auf zwei Punkte. Berauscht von der beeindruckenden Rekord-Bilanz der Elf, die im achten Spiel in der Fremde den bereits siebten Sieg landete, gab BVB-Manager Michael Meier seine bisherige Zurückhaltung auf: »Die Mannschaft hat sich eine Position erarbeitet, in der mehr drin als Platz zwei oder drei. Sie darf sich jetzt mit der Verfolgerrolle nicht zufrieden geben.«

Funkel musste Hut nehmen

Nicht nur der Lapsus von Leverkusen und die Kaltschnauzigkeit des BVB-Torjägerduos Amoroso und Ewerthon sorgte am 15. Spieltag für Gesprächsstoff. So musste Friedhelm Funkel nach Frank Pagelsdorf (Hamburger SV) und Werner Lorant (TSV München 1860) als dritter Trainer in der laufenden Saison seinen Hut nehmen. Im Anschluss an die 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg beurlaubte die Rostocker Führung den Fußball-Lehrer mit sofortiger Wirkung. »Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir Friedhelm Funkel nicht mehr zutrauen, unsere sportliche Zielstellung für diese Saison zu erfüllen«, begründete Vorstandschef Manfred Wimmer die Trennung.

Referees im Rampenlicht

Darüber hinaus rückten die Schiedsrichter ins Rampenlicht: Mit drei Roten Karten für Nowotny, Vragel da Silva (Cottbus) und Marek Nikl (Nürnberg) und der Ampelkarte für Tomasz Klos (Nürnberg) sorgten sie für einen traurigen Saison-Rekord. Vor allem in Leverkusen und Nürnberg war man schlecht auf die Unparteiischen zu sprechen. »Wir waren für ihn wohl schon zu weit vorn in der Tabelle«, kritisierte Bayer-Coach Klaus Toppmöller nach der hektischen Partie in Bremen die Leistung von Jörg Keßler. Vor allem die Freistoß-Entscheidung vor dem 2:1-Siegtreffer durch Frank Verlaat (58.) brachte die Gäste auf die Palme. Werders Sportdirektor Klaus Allofs konnte sich angesichts der lamentierenden Bayer-Profis einen Seitenhieb nicht verkneifen: »Erst in der Niederlage zeigt sich die Größe.«

Umstrittene Entscheidungen

Auch in Nürnberg avancierte der Schiedsrichter zum Hauptdarsteller. Nach der umstrittenen Entscheidung von Hartmut Strampe (Handorf) in der 60. Minute, als er ein angeblich absichtliches Handspiel von Nikl mit der Roten Karte sowie einem Elfmeter für Schalke ahndete und damit die 0:3-Heimschlappe der Nürnberger einleitete, sprach Club-Präsident Michael A. Roth von »Betrug«. Trainer Klaus Augenthaler verstieg sich sogar zu einer Verschwörungstheorie: »Ich glaube, dass dieses Handspiel in München, wenn das ein Thomas Linke oder anderer Bayern-Spieler gemacht hätte, nicht angezeigt worden wäre.«

Lautern mit siebtem Heimsieg

Dem Spitzentrio aus Leverkusen, München und Dortmund auf den Fersen bleibt der 1. FC Kaiserslautern, der den Betzenberg wieder zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat. Mit dem souveränen 3:0 über »Angstgegner« SC Freiburg gelang der heimstärksten Bundesliga-Mannschaft der siebte Sieg vor eigener Kulisse. Damit eröffnen sich den Pfälzern glänzende Perspektiven: Immerhin müssen in der Rückrunde die drei derzeit führenden Mannschaften noch zum Team von Andreas Brehme reisen.

Cottbus hofft weiter

Von solch rosigen Zukunftsaussichten können die Spieler von Energie Cottbus derzeit nur träumen. Trotz der 0:1-Niederlage beim TSV 1860 München und dem bereits elften sieglosen Spiel in Folge glaubt Trainer Eduard Geyer jedoch noch immer an den Klassenverbleib: »Wenn ich keine Hoffnung hätte, könnte ich in den Ruhestand gehen.« Während mit Cottbus, Rostock, Köln, Nürnberg und St. Pauli vier »Kellerkinder« leer ausgingen, verschafften sich Borussia Mönchengladbach mit dem 1:1 beim VfB Stuttgart und der Hamburger SV mit dem 4:3 im Lokalderby gegen St. Pauli ein wenig Luft.

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