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Champions League: Bayern souverän - Bayer ohne Chance

Entspannter Auftakt in der Königsklasse für die Bayern, Lehrstunde für Leverkusen: Die München gewannen gegen ein schwaches ZSKA Moskau. Bayer hatte gegen Manchester United keine Chance.

Mit dem Selbstverständnis eines Champions hat der FC Bayern einen erfolgreichen Start auf dem langen Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung in der Königsklasse hingelegt. Ungeachtet des Wirbels um Matthias Sammer begnügten sich die Münchner beim 3:0 (2:0) gegen ZSKA Moskau am Dienstagabend damit, den Klassenunterschied nicht mit noch mehr Toren zu dokumentieren. #link;http://www.stern.de/2058567.html;David Alaba (4. Minute), Mario Mandzukic (41.) und Arjen Robben (68.)# sorgten vor 68 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena für den nie gefährdeten Heim-Erfolg über den russischen Fußball-Meister am ersten Spieltag der Champions-League.

115 Tage nach dem Triumph im Londoner Wembleystadion über Borussia Dortmund eröffnete der Titelverteidiger die neue Saison der europäischen Premiumliga direkt mit dem ersten Treffer. Einen Freistoß aus 27 Metern schlenzte Alaba über die wie versteinert stehende ZSKA-Mauer, Moskaus Keeper Igor Akinfejew rutschte der haltbare Ball unter den Händen durch.

Lahm spielt auf der Schweinsteiger-Position

Die Bayern zeigten alles andere als "Dienst nach Vorschrift", was Sammer nach dem 2:0 über Hannover 96 am vergangenen Samstag noch bemängelt hatte. Dafür kassierte der Sportvorstand nach der Kritik durch Uli Hoeneß den nächsten Rüffel vor dem Anpfiff. "Es gibt zwar den berühmten Satz: Wehret den Anfängen. Aber man kann auch mit solchen Aussagen mediale Steilpässe abschießen, die dann am Ende des Tages kontraproduktiv sind", befand Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und kündigte Gespräche mit Sammer an.

Auch mit der frühen Führung gaben sich die Münchner keineswegs zufrieden. Besser hätte sich der ehemalige Barcelona-Coach Pep Guardiola den Start bei seiner Rückkehr auf die große europäische Bühne kaum vorstellen können: Mit viel mehr Zug zum Tor als noch zuletzt bei den Pflichtauftritten in der Liga offenbarte sich von Beginn an eine eklatante Überlegenheit des Heimteams. Moskau fehlte hinten die Kompaktheit, die Münchner kombinierten über die Flügelzange Robben und Franck Ribéry immer wieder gefährlich in den gegnerischen Strafraum.

Nach maßgenauer Vorlage des emsigen Rechtsverteidigers Rafinha übersah Mandzukic allerdings den besser postierten Thomas Müller und vergab nach nur sieben Minuten freistehend gegen den diesmal starken Akinfejew das 2:0. Wie schon diese Saison erprobt sicherte Philipp Lahm als Vertreter des zuletzt angeschlagenen Bastian Schweinsteiger vor der Abwehr souverän alleine ab, einzig Ahmed Musas Schuss aus 17 Metern brachte das Tor von Manuel Neuer ansatzweise in Gefahr (12.).

Alaba lupft auf Robben

Auf der anderen Seite sorgte vor allem Mandzukic immer wieder für brenzlige Situationen. Zunächst prallte der Kopfball des Kroaten vom Innenpfosten zurück zu Akinfejew (37.), nur vier Minuten später war der russische Nationaltorhüter machtlos. Nach feiner Freistoßfinte von Ribéry und Robben verwandelte Mandzukic aus Abseitsposition die Flanke des Niederländers per Kopf. Ein deutliches Chancenplus und Ballbesitz von 71 Prozent waren zur Pause Ausdruck der Bayern-Dominanz.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit schalteten die Münchner zunächst noch nicht sofort in den Ligamodus. Die knallharte, aber etwas unplatzierte Direktabnahme von Robben wehrte Akinfejew zur Ecke ab (49.). Gegen körperlos agierende Moskauer konnte sich die Guardiola-Elf selbst vereinzelte Aussetzer wie Dantes Ballverlust nach gut einer Stunde leisten.

Nach kurzer Ruhephase verwöhnte Alaba die Bayern-Fans mit einem Kabinettstückchen: Per Lobpass über die ZSKA-Abwehr bediente der Österreicher Robben, der die Vorlage sicher verwertete. In den letzten 20 Minuten durfte auch Schweinsteiger nach überstandener Sprunggelenksverletzung noch ran. Nach dem zehnten Auftaktsieg hintereinander in der Königsklasse kann der deutsche Rekordmeister am 2. Oktober beim ebenfalls erfolgreichen Topteam von Manchester City einen großen Schritt Richtung K.o.-Runde machen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Leverkusen in Old Trafford Baden ging.

559 Tage nach dem Debakel von Barcelona hat Bayer Leverkusen bei der Rückkehr auf die große Bühne Champions League erneut Lehrgeld bezahlt. Im "Theater der Träume" kassierte die Werkself beim englischen Fußball-Rekordmeister Manchester United eine 2:4 (0:1)-Niederlage zum Auftakt der Gruppe A in der Königsklasse. Damit steht Bayer in den beiden nächsten Heimspielen gegen Real Sociedad San Sebastian (2. Oktober) und Schachtjor Donezk (23. Oktober) schon ein wenig unter Zugzwang, soll der Einzug ins Achtelfinale gelingen.

Die beiden Stürmerstars Wayne Rooney (22. und 70. Minute) und Robin van Persie (59.) sowie Antonio Valencia (79.) schossen den verdienten Sieg für den zweimaligen Champions-League-Sieger heraus. Den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte Bayer-Kapitän Simon Rolfes (54.), außerdem traf Ömer Toprak (88.). Eine Vorführung wie beim peinlichen 1:7 gegen Barcelona vor eineinhalb Jahren wurde es zwar nicht, dennoch waren die Leverkusener vor 75 811 Zuschauern in Old Trafford, dem sogenannten "Theatre of Dreams", gegen die individuelle Klasse des 20-maligen englischen Meisters letztlich chancenlos.

Auf jenem Rasen, wo Bayer vor elf Jahren mit dem Einzug ins Champions-League-Finale eine der größten Stunden in der Clubgeschichte erlebte, sahen sich die Rheinländer von Beginn an in die Defensive gedrängt. ManUnited erarbeitete sich gleich ein deutliches Übergewicht, viel zu selten konnten die Rheinländer mal Entlastungsangriffe starten. Dabei machte sich auch das Fehlen einiger Stammkräfte in der Elf von Liverpool-Legende Sami Hyypiä, der erstmals als Trainer in der Königsklasse an der Seitenlinie stand, bemerkbar. Für Nationalspieler Lars Bender kam ein Einsatz in der Startelf wegen seiner Hüftprobleme noch zu früh, Gonzalo Castro (Muskelfaserriss) war erst gar nicht mit nach England gereist. Dafür stand Neuzugang Emre Can erstmals von Beginn an in der Startelf.

Erste Torchance für Leverkusen in der zweiten Halbzeit

Strich der erste Warnschuss von van Persie in der elften Minute noch gut einen Meter am Tor von Bayer-Schlussmann Bernd Leno vorbei, wurde es kurz darauf bei einem Kopfball von Chris Smalling erstmals richtig gefährlich (20.). Zwei Minuten später war es aber doch passiert. Auf Flanke von Patrice Evra war Rooney zur Stelle, für den englischen Nationalstürmer war es der 32. Europapokal-Treffer.

Allerdings war es ein höchst fragwürdiger Treffer, Valencia in Abseitsposition auf der Torlinie Leno behindert. "Das ist ein Witz. Das muss der Torrichter sehen, aber ich weiß eh nicht, wofür die da sind", sagte der frühere Bayer-Nationalspieler Jens Nowotny beim TV-Sender Sky.

Verdient war die United-Führung aber allemal. Kurz vor der Pause hatten Rooney per Freistoß (43.) und Shinji Kagawa (44.) zwei weitere hochkarätige Chance, als sie den Ball nur knapp neben das Tor setzten. Der Ex-Dortmunder Kagawa war überraschend in die United-Elf gerückt, nachdem er in dieser Saison noch keine Minute gespielt hatte. Die 700 mitgereisten Leverkusener Fans warteten dagegen vergeblich auf eine Torchance im ersten Durchgang.

Das änderte sich in der zweiten Halbzeit, als Sidney Sam dem Manchester-Keeper David de Gea den Ball in die Arme schoss (51.). Im Gegenzug hatte Rooney die Vorentscheidung auf dem Fuß, als er Leno ausspielte, den Ball aber neben das leere Tor setzte (52.). Die Strafe folgte prompt, als ein abgefälschter Schuss von Rolfes im Tor der Gastgeber einschlug. Es war das erste Tor des früheren Nationalspielers in der Königsklasse. Doch es reichte nicht zur Überraschung. United schaltete unter den Augen des langjährigen Erfolgstrainers Sir Alex Ferguson, der im Sommer für seinen schottischen Landsmann David Moyes Platz gemacht hatte, einen Gang höher und kam nach Flanke von Valencia durch van Persie zur erneuten Führung. Rooney und Valencia sorgten dann für klare Verhältnisse.

tis/DPA / DPA

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