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Champions League: Ist Ballbesitz ein aussterbendes Phänomen?

Ist die Zeit des dominanten Fußballs schon wieder vorbei? Mit Barcelona und Bayern München haben Teams, die auf Ballbesitz setzen, in dieser Saison wenig zu Lachen gehabt. Ist das ein neuer Trend in Europa oder nur eine Momentaufnahme? Wir bewerten die wichtigen Titelentscheidungen und wagen einen Ausblick auf die EM: Droht ein neuer Rehakles?

"Ihr Fußball ist ja sehr erfolgreich", wurde Sepp Herberger nach dem WM-Finale von Bern von einem ungarischen Reporter gefragt. "Aber finden Sie ihn auch schön?". Der Sportdirektor des ungarischen Verbandes sprach von einer "Katastrophe für den Fußball". "Wir gratulieren Deutschland", so der Funktionär. "Aber wenn das reicht, um Weltmeister zu werden...".

Oh, warten Sie. Da haben wir uns im Spiel geirrt. Es war gar nicht das WM-Finale von 1954. Es war das Champions League-Finale 2012. Und der ungarische Reporter war in Wirklichkeit Sky-Mann Jan Henkel, der Roberto di Matteo interviewte, nicht Sepp Herberger. An Stelle eines ungarischen Offiziellen war es Matthias Sammer, der seine vermeintliche Gratulation an Chelsea zweimal unmittelbar mit der Feststellung verknüpfte, der Titelgewinn der Blues sei schlecht für den Fußball.

Ein absurder Vergleich? Nicht wirklich. Deutschland hat zwei seiner drei WM-Titel nicht gerade als spielerisch bessere Mannschaft gewonnen (1954 gegen Ungarn und 1974 gegen die Niederlande), aber warum sollte das von der Freude über diese Triumphe ablenken? Genau so wenig ist es angebracht, aus der Perspektive des schlechten Verlierers Chelseas Titelgewinn von München zu beklagen. Weder waren Fehlentscheidungen im Spiel noch sonstige Unregelmäßigkeiten. Es war einfach ein Fußballspiel.

Ballbesitz = Titel? Nicht 2012

Und ein Fußballspiel gewinnt die Mannschaft, die mehr Tore schießt. Nicht die, die mehr Ballbesitz hat. Diese eigentlich wieder zu Herberger und seinen Allgemeinplätzen zurückführende Feststellung hat in der Schlussphase der europäischen Saison sehr an Relevanz gewonnen. Die beiden dominantesten Teams Europas (im Sinne von Spielanteilen und Ballbesitz), Barcelona und Bayern München, sind bisher bei der Titelvergabe komplett leer ausgegangen (Barcelona kann allerdings am Freitag noch den Copa del Rey gewinnen).

Dagegen setzte sich in Deutschland dreimal Borussia Dortmund mit seinem starken Spiel gegen den Ball gegen den FC Bayern durch. Wie ein Mantra wiederholten die Bayern-Verantwortlichen und vor allem viele Fans der Münchner hernach stets, sie seien ja das bessere Team gewesen. Mag teilweise aus ästhetischen Gesichtspunkten sogar stimmen. Aber die sechs Pflichtspiele gegen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach in dieser Saison erbrachten aus Bayern-Sicht fünf Niederlagen und ein Unentschieden. Was heißt da schon "besser"?

Auch Chelsea konnten die Münchner (trotz allerdings streckenweise sehr guten Spiels, vor allem in den ersten 45 Minuten) nicht besiegen. Wer das allein für ein spezifisches Problem der Bayern und ihres möglicherweise doch nicht mit allen taktischen Wassern gewaschenen Trainers Jupp Heynckes hält, der sollte einen Blick über den deutschen Tellerrand hinauswerfen.

Das Ende der Ära Guardiola

Denn auch der FC Barcelona erlebte eine bislang recht erfolglose Saison, nach der zudem die Ära Josep Guardiola beendet werden wird. Innerhalb von nur sieben Tagen spielte Barcelona im April zweimal gegen Chelsea und dazwischen gegen Real Madrid. In allen drei Spielen hatten die Katalanen zwischen 70 und 80 Prozent Ballbesitz. Sie verloren aber zwei davon und holten nur ein Unentschieden im Rückspiel gegen die Blues.

Nachdem Diego Simeone Anfang Januar Trainer von Atlético Madrid wurde, verordnete der Argentinier den Colchoneros ein viel defensiveres Spielsystem als zuvor. Mit Erfolg: Atlético war im Jahr 2012 das drittbeste Team der Liga hinter den beiden Giganten und verpasste nur knapp den Einzug in die Champions League, gewann nebenbei aber auch noch die Europa League.

Schließlich England: Aus der Liga, die in der abgelaufenen Saison zahlreiche packende Torfestivals mit acht bis zehn Treffern hervorbrachte, holte ausgerechnet das einzige ultradefensive Team, Chelsea, zwei Titel - die Champions League und den FA Cup. Die Champions League-Teilnahme für die kommende Saison errangen die Blues dabei pikanterweise auf Kosten des Vierten Tottenham Hotspur - einer Mannschaft, die höchst attraktiven Tempofußball mit totaler Offensive verbindet, für ihre taktische Naivität aber nicht nur einmal bestraft wurde.

Mehr als Zufall

Wenn es also einen übergreifenden taktischen Trend in dieser Saison gab, dann sieht er momentan so aus, dass gegen die dominantesten Teams zumindest auf höchster Ebene Mittel und Wege gefunden worden sind, die funktionieren - nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Darauf hat Michael Cox im Taktikblog Zonal Marking hingewiesen. Das muss keinesfalls das Ende der Dominanz in dem Sinne bedeuten, dass ab sofort Ballbesitz nichts mehr wert wäre. Zumindest aber haben mehrere Trainer die richtigen Schlüsse daraus gezogen, was sie in den letzten Jahren beobachtet haben - auf europäischer und auf nationaler Ebene.

Ein Grund zum Lamentieren ist das nicht, denn das Tolle am Fußball ist ja das ständige Ringen um die besten taktischen Antworten, in dem jetzt vielleicht gerade die defensiveren Ansätze Boden gut gemacht haben. Das heißt noch lange nicht, dass nun die Dekade der Defensive anbrechen muss. Chelsea hat gegen Barcelona und gegen Bayern bei allem Glück, das auch dazu gehört haben mag (den dreifachen Erfolg gegen diese beiden Teams aber nicht allein erklären kann), demonstriert, dass man nicht unbedingt immer sofort den Ball erobern muss.

Man muss auch nicht verhindern, dass Schlüsselspieler des Gegners den Ball bekommen. Man muss dafür sorgen, dass diese Schlüsselspieler da den Ball haben, wo man weiß, wie man gegen sie verteidigen kann. Die Tendenz von Arjen Robben und Franck Ribéry, auf ihren jeweils starken Fuß nach innen zu ziehen, wurde von den Blues geradezu unterstützt, weil es der engen Aufstellung der eigenen Abwehr zugute kam, aus der heraus sich die zahlreichen Schussversuche von der Strafraumkante relativ gut handhaben ließen - oder haben Sie schon einmal so viele geblockte Schüsse in einem Champions League-Finale gesehen?

Was bringt die EM?

Diese Taktik hätte durchaus auch schief gehen können und so wäre es ja fast auch gekommen. Ob die mehr als 40 Schüsse der Bayern aber ein Anzeichen für das "einseitigste Finale der Champions League-Geschichte" waren, wie die Süddeutsche Zeitung glaubte? Mal davon abgesehen, dass uns da noch ein paar andere Spiele einfallen (Milan - Barcelona 4:0, 1994): Das Fazit der Kollegen, dass "unermessliche Unfassbarkeit" vorlag und noch nie so "viel Unglück" in einem Fußballspiel angetroffen worden sei, übersieht, dass die Bayern ja nun nicht gerade nur einmal in dieser Saison aus großer Dominanz keinen Sieg erringen konnten. Unerklärlich? Eigentlich nicht.

Werfen wir zum Abschluss noch einen Ausblick auf die anstehende EM. Wenn die beobachtete Entwicklung Rückschlüsse auf die zu erwartenden Trends in Polen und der Ukraine erlaubt (was nicht gesagt ist, da Auswahlteams nicht so intensiv das Spiel gegen den Ball erarbeiten können wie etwa Dortmund in den letzten Jahren), dann würde das vor allem klar gegen einen spanischen Titel sprechen. Deutschland könnte das entgegenkommen, da Joachim Löws Team sicher die konterstärkste Mannschaft Europas stellt.

Es könnte aber auch bedeuten, dass eine Mannschaft, der es eigentlich niemand zutraut, mit diszipliniertem Defensivfußball aufhorchen lässt. Hier wäre zum Beispiel an die eigentlich nicht zu den Favoriten zählenden Engländer zu denken, denen Roy Hodgson einen Schnellkurs in kompaktem Spiel verordnen will. Oder auch an Portugal, das bei der WM schon extrem defensivstark auftrat und in vier Spielen (darunter gegen Brasilien, Spanien und die Elfenbeinküste) nur ein Gegentor kassierte.

Iren = Griechen? Heute geht das nicht mehr so

Giovanni Trapattonis Iren hingegen, denen von der Spielanlage her die Rolle von Otto Rehhagels Griechen 2004 zukommen müsste, dürften dann doch zu limitiert sein, um ihre schwere Vorrundengruppe mit Spanien, Italien und Kroatien zu überleben. Denn das muss auch gesagt werden: Der relative Siegeszug des Defensivfußballs, den wir in den letzten Wochen erlebt haben, hat wenig mit dem gemein, was einst Traianos Dellas für die Griechen verkörperte.

Bezeichnenderweise schaffte Chelsea es in Barcelona und in München, ohne John Terry zu bestehen - einen Verteidiger der alten Schule, nicht der Schnellste zudem. Was immer man über Gary Cahill denken mag - der Winterneuzugang aus Bolton ist ein sehr intelligenter Innenverteidiger, der durch gutes Stellungsspiel statt durch Grätschen besticht. Ähnliches gilt selbstredend für die Defensive von Borussia Dortmund.

Was bedeutet: Taktikgeschichte wiederholt sich nicht. Sie bleibt aber auch nicht stehen. Es gibt kein Patentrezept, das man unvariiert jahrein, jahraus wieder abrufen kann. Ein wesentlicher Grund dafür, warum der Fußball, den wir lieben, nie langweilig wird.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(