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DFB: Klinsmann soll Bundestrainer werden

Jürgen Klinsmann soll nach Medienberichten neuer Trainer der Fußballnationalmannschaft werden. Oliver Bierhoff übernimmt demnach den neu zu schaffenden Posten des Teammanagers.

Klinsmann hat das Angebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angenommen, künftig eine bedeutende Rolle bei der Führung der Nationalmannschaft zu spielen, hieß es gestern noch offiziell. Allgemein wird davon ausgegangen, dass das die Übernahme des Bundestrainer-Jobs bedeutet. "Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich dem DFB helfe, unabhängig von der Funktion", sagte der Ex-Nationalspieler in einer Stellungnahme am Mittwoch. "Ich habe der Nationalmannschaft und dem DFB viel zu verdanken, die Nationalmannschaft war für mich immer wie eine zweite Familie. Vor allem in der Zeit, in der ich im Ausland gespielt habe."

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) plant der DFB eine Dreier-Lösung. Klinsmann soll demnach die Nachfolge von Rudi Völler als Teamchef antreten. Sein früherer Nationalmannschafts-Kollege Oliver Bierhoff (36) ist als Teammanager vorgesehen. Und Holger Osieck (56), unter Franz Beckenbauer Co-Trainer der Weltmeister-Mannschaft von 1990, soll als Klinsmann- Assistent fungieren. Zu diesem Plan soll Klinsmann bereits seine Einwilligung gegeben haben, berichtet das Blatt weiter.

Ein konstruktives und offenes Gespräch

Klinsmann hatte sich am Dienstag in New York mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt getroffen. "Wir hatten fünf Stunden lang ein konstruktives und offenes Gespräch, in dem die Situation der deutschen Nationalmannschaft analysiert wurde. Ich habe dabei nochmals meine Bereitschaft erklärt, aktiv bei der Gestaltung und der Umsetzung neuer Strukturen mitzuarbeiten", sagte Klinsmann. "Wir haben vereinbart, die Gespräche fortzusetzen."

Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff an der Spitze der DFB-Elf - Trauen Sie den beiden den Job zu?

Offen ließen Klinsmann und der DFB, welche Rolle der 108-malige Nationalspieler und Weltmeister künftig beim DFB übernehmen soll. Denkbar wäre auch die Übernahme des Manager-Postens. Klinsmann hatte 2000 mit Matthias Sammer und anderen "verdienten Nationalspielern" die Prüfung als Fußball-Lehrer erfolgreich abgelegt. Die bevorstehende WM 2006 bezeichnete er als "die wichtigste Sportveranstaltung in den nächsten 40 Jahren in Deutschland".

Treffen in Frankfurt

Am Mittwoch war die vierköpfige Trainerfindungs-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Mayer-Vorfelder, Schmidt, Franz Beckenbauer und DFL-Chef Werner Hackmann zum dritten Mal in Frankfurt/Main zusammengetroffen. Man wolle "die Verhandlungen zur Nachfolge von Völler und Bundestrainer Michael Skibbe zügig zu einem Ende bringen", ließ DFB-Presssprecher Harald Stenger lediglich verlauten. Bis zum Mittwoch galten nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel die Ausländer Guus Hiddink (Niederlande) und Morten Olsen (Dänemark) als aussichtsreichste Trainer-Kandidaten.

Die Übernahme des Cheftrainer-Postens durch Klinsmann wäre eine Parallele zu Rudi Völler. Der populäre Ex-Nationalspieler und Torjäger wurde 2000 als damalige Verlegenheitslösung zum Verantwortlichen der Nationalelf berufen und gewann bis zu seinem freiwilligen Rückzug nach der Portugal-EM Anerkennung und Profil. Bierhoff, der Golden Goal-Schütze im EM-Finale 1996 gegen Tschechien, hatte seine Karriere in der Saison 2002/2003 bei Chievo Verona beendet. In Interviews hatte der Torjäger sein Interesse an dem Manager-Posten beim DFB zum Ausdruck gebracht. "Wenn der Jürgen als Trainer mitmachen würde, dann könnte ich mir vorstellen, dass der Job richtig Spaß macht. Das wäre ein gutes Modell", hatte er gesagt.

Harsche Kritik am DFB

Der in Los Angeles lebende Klinsmann hatte sich nach dem Scheitern der deutschen Nationalmannschaft bei der EM in Portugal und Völlers Rücktritt als heftigster Kritiker des DFB hervorgetan. "Das Bild, das der DFB abgibt, ist einfach jämmerlich", hatte der 39-Jährige geäußert - und die Schaffung eines Manager-Postens gefordert. "Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen."

Angesprochen auf seine eigenen Ambitionen, hatte er ausweichend geantwortet. "Der ein oder andere Querdenker von außen, DFB- Verantwortliche und die besten Leute der Liga sollten sich an einen Tisch setzen und die Dinge knallhart durchdiskutieren." Erst danach "baut man die Strukturen, für die man sich die passenden Leute sucht". Dieser Aufforderung ist die DFB-Spitze offenbar nachgekommen.

Bisher lebt er in Kalifornien

Für ein Engagement Klinsmanns spricht auch, dass er als Adidas- Repräsentant tätig ist. Der Sportartikel-Hersteller aus Herzogenaurach ist seit Jahrzehnten erster Sponsor der DFB-Auswahl. Seit Ende seiner Karriere 1998 lebt der gebürtige Schwabe mit seiner Familie in Los Angeles und hatte sich seitdem vom deutschen Fußball weit entfernt. Er kümmerte sich in einer von ihm 1995 gegründeten Stiftung um benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Höhepunkt seiner Laufbahn waren die Titelgewinne bei der WM 1990 in Italien und bei der EM 1996 in England, wo er das Team als Kapitän anführte. In der Bundesliga spielte er für den VfB Stuttgart (1984- 89) und Bayern München (1995-97). Im Ausland war der polyglotte Schwabe für Inter Mailand (1998-92), den AS Monaco (1992-94), Tottenham Hotspurs (1994-95, 1998) und Sampdoria Genua (1997) aktiv.

Bayern finden Klinsmann-Lösung gut

Beim FC Bayern München ist eine Bundestrainer- Lösung mit Jürgen Klinsmann an der Spitze auf Zustimmung gestoßen. "Ich kenne den Jürgen gut. Er ist ein sehr intelligenter, sehr erfahrener Mann, der sich im internationalen Fußball sehr gut auskennt", sagte Oliver Kahn am Donnerstag in Sat 1 vor der Abreise der Bayern in die USA. Die Pläne mit einem Führungstrio Klinsmann, Oliver Bierhoff und Holger Osieck nannte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen "Schritt in eine andere Richtung, aber mit sehr, sehr erfahrenden Leuten".

Bayern-Manager Uli Hoeneß sprach von einer "Lösung, die ich sehr mutig und gut finde". Die Situation habe danach gerufen, einen Schritt zu machen, der gewisse Risiken bringe, meinte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht gut geht", so Hoeneß.

Den früheren Bayern-Profi Klinsmann bezeichnete der Manager als "Mann, der integrationsfähig ist, der wie Rudi Völler damals everybody’s darling ist". Osieck sei ein erfahrener Mann, Bierhoff als Manager Hoeneß' Ansicht nach sehr gut. "Ich habe das Gefühl, als hätten sich die älteren Herren in der TFK richtig ins Zeug gelegt", lobte er die Verantwortlichen in der Trainerfindungskommission des Deutschen Fußball-Bundes.

Lothar Matthäus machte gute Miene zum bösen Spiel

"Ich kann nicht sauer sein, weil ich nie zur Diskussion stand", sagte Ungarns Nationaltrainer. Der Fußball-Weltmeister von 1990 wünschte der neuen Troika "viel Glück und eine gute WM 2006." Der 43-Jährige versprach Jürgen Klinsmann, Holger Osieck und Oliver Bierhoff seine Rückendeckung. "Nun muss man diese Entscheidung unterstützen. Auch wenn es nicht nur für mich, sondern für viele überraschend kam."

Für den Rekord-Nationalspieler hat "der Jürgen Klinsmann viel Erfahrung, der Oliver Bierhoff auch". Beide seien Sympathieträger im deutschen Fußball. "Und der Holger Osieck hat 1990 neben Franz Beckenbauer gestanden - was will man mehr?", fragte Matthäus. Von der eigenen Initiativbewerbung um das Bundestraineramt wollte er am Mittwochabend in Mannheim beim "Spiel des Herzens" von Formel-1- Weltmeister Michael Schumacher nichts mehr wissen. "Das ist alles über die Medien gekommen. Ich habe immer gesagt, dass ich mir über dieses Thema keine Gedanken machen muss, weil sich diese Frage nie gestellt hat."

Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief

Seinen Frust lief sich Matthäus von der Seele. "Es macht Spaß, wieder auf dem grünen Rasen zu stehen. Aber ich bin ein bisschen außer Puste. Denn als Nationaltrainer bist du nicht täglich mit deiner Mannschaft zusammen", sagte er. Der Fußball-Star ging bei dem Benefizspiel für die Unesco vor 25.000 Zuschauern im Carl-Benz-Stadion voll engagiert zur Sache. Der Ex-Bayern-Profi holte "Schumi" sogar von den Beinen und wurde deshalb ausgepfiffen. In der Pause schimpfte er sogar über Schiedsrichter Markus Merk und das hatte nicht den Anschein, als ob er nur einen Spaß machen würde.

"Ich glaube, man sollte mal Franz Beckenbauer fragen, wie die ganze Sache in den letzten zwei Wochen gelaufen ist. Ich nehme an, dass er auch ein bisschen den Mut verloren hat. Es ist einfach zu viel passiert. Ich habe aus internen Kreisen gehört, dass viel diskutiert worden ist und doch einige verzweifelt sind an dieser Situation", sagte Matthäus dem Fernsehsender DSF.

"Ich habe gesagt, wenn Interesse besteht, mit mir zu verhandeln, dann kann man mich anrufen", blickte Matthäus zurück. Doch das Telefon blieb stumm. "Mich interessiert das eigentlich schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Es ist eigentlich nur schädlich für den deutschen Fußall gewesen, was in den letzten Wochen abgelaufen ist", meinte er. "Aber die Verantwortlichen sind schlau genug, um zu wissen, was sie machen. Ich hoffe, dass sie das Richtige gemacht haben."

DPA / DPA

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