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DFB-Elf: Kopf hoch, Ihr seid eine geile Truppe!

Das Aus bei der EM 2016 gegen Frankreich vermiest Spielern und Fans die Stimmung. Dabei reichen ein Blick auf das Turnier und vor allem ein Blick nach vorn, um zu sehen, wie viel Spaß diese DFB-Elf macht.

Bastian Schweinsteiger, Joshua Kimmich und Jérôme Boateng zeigen sich im Halbfinale der EM 2016 niedergeschlagen

Kein Grund, lange zu trauern: Bastian Schweinsteiger, Joshua Kimmich und Jérôme Boateng sind Teil eines DFB-Teams, dass den Fans noch viel Freude machen wird

Klar, am Tag danach fällt es noch schwer den Kopf zu heben und nach vorn zu blicken. Das EM aus gegen Frankreich schmerzt zu sehr. Da geht es den Fans nicht anders als den Spielern. Der Weltmeister wird doch nicht Europameister. Dabei hat das Team ein super Turnier gespielt - wieder einmal. Und es hat allen Unkenrufen zum Trotz gezeigt, dass es sehr wohl Typen hat.

Mario Gomez

Wer hätte vor der EM noch einen Pfifferling auf Mario Gomez gesetzt? Bei der WM 2014 war er nicht einmal dabei. Schon mit seiner Nominierung für die EM 2016 lieferte Bundestrainer Jogi Löw eine handfeste Überraschung. Und dann macht ausgerechnet der Totgesagte das Siegtor gegen Nordirland und gegen die Slowakei das vorentscheidende 2:0. Er hat allen Zweiflern gezeigt: Wenn man auf ihn setzt, zahlt er das Vertrauen zurück. Seine Muskelverletzung im Viertelfinale gegen Italien setzte seinem Comeback-Märchen ein schmerzhaftes Ende. Aber bis zur WM 2018 ist Gomez längst wieder fit - und dann immernoch jung genug, um wieder auf Torejagd zu gehen. Es wäre ihm, der durch so viele Täler gegangen ist zuletzt, so zu gönnen. 

Bastian Schweinsteiger

Sein Handspiel im Halbfinale trübt seine EM-Bilanz vielleicht. Aber über die Dauer der Europameisterschaft gesehen hat er mal wieder bewiesen, wie wertvoll er für das DFB-Team ist. Wie nahe ihm das Ausscheiden geht, zeigt sein trauriger und fairer Facebook-Post vom Tag nach dem Frankreich-Spiel. Auf die Frage nach seiner Zukunft im Nationaltrikot sagte Schweinsteiger: "Ich habe da nicht drüber nachgedacht. Ich habe die ganze Energie in das Turnier gelegt. Nach den zwei Verletzungen war das nicht so einfach." Und fügte dann noch hinzu: "Im ersten Halbjahr hatte ich eine schwierige Zeit mit Verletzungen. Ich war froh, hier überhaupt dabei zu sein. Man wird sehen." Wenn der Frust verdaut ist und Schweinsteiger meint, dass er den Belastungen von Premier League, Champions League und Länderspielen weiterhin standhält, wird er als Führungsspieler auch das nächste große Ziel angehen: Die Titelverteidigung bei der WM 2018.

Manuel Neuer

Genau ein Tor kassierte Manuel Neuer bei der EM aus dem Spiel heraus: das 2:0 im Halbfinale. Dass ausgerechnet diesem Treffer ein leichter Torwartfehler vorausging, mindert seine Leistung nur wenig. Andere Nationalmannschaften würden sich nach einem Keeper wie Neuer die Finger lecken - allen voran England. Die Franzosen fürchteten sich vor dem Halbfinale vor dem "Monster" Neuer. Seine 30 Jahre sind für einen Torwart noch kein Alter - fünf Jahre kann er locker noch auf Top-Niveau spielen. Bei der WM 2018 und der EM 2020 können wir uns also über ihn als DFB-Torwart freuen - mindestens.

Jérôme Boateng

Seine Rettungsaktion auf der Linie im Spiel gegen die Ukraine ist eine der Szenen der EM. Dass Manuel Neuer so wenig zu tun bekam, ist auch sein Verdienst. Und auch sonst ist kaum ein DFB-Kicker auf und neben Platz so cool wie er: Jérôme Boateng. Der Mann ist mit nicht einmal 28 Jahren abgezockt wie ein ganz alter Hase. Als er gegen Frankreich mit einer Muskelverletzung vom Platz musste, verlor die DFB-Elf an Stabilität. Bestätigt sich die Diagnose einer Adduktorenverletzung, muss Boateng einen Monat pausieren. Wenn es für die DFB-Elf Anfang September um die WM-Quali, kann sie sich auf die coolste Sau auf dem Platz schon wieder voll verlassen.

Joshua Kimmich

Der Mann ist gerade einmal 21. EINUNDZWANZIG. Das hat man ihm nicht wirklich angemerkt, so routiniert, wie er seine EM-Einsätze runtergespielt hat. Nur dieser einer Fehler, der im Halbfinale dem 2:0 für Frankreich vorausging ... Nach Abpfiff saß Kimmich mit leerem Blick auf der Ersatzbank. Dann feuerte er seine Plastikflasche weg, stand auf und verschwand schnurstracks in den Katakomben. Man kann nur hoffen, dass dieser eine Fehler in seiner Erinnerung nicht seine guten Spiele bei der EM überschattet. Denn sonst gab es höchstens an ihm zu kriteln, dass er mehr Flanken an den eigenen Mann bringen müsste. Aber wie gesagt: Kimmich ist er 21. Ein großartiges Versprechen an die Zukunft.

Und dann wären da noch Toni Kroos, Sami Khedira, Jonas Hector, Thomas Müller, Mesut Özil, Leroy Sané. Sie alle sind Spitzenspieler, die den Fans noch viel Spaß machen werden. So bitter das Ausscheiden jetzt noch sein mag: Die DFB-Elf ist eine geile Truppe. Und das wird auch in Zukunft so bleiben.

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