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EM 2021 im stern-Check EM in Fahrt: Außenseiter, die keine sind, ein "dummer" Bondscoach und eine innige Umarmung

Tschechische Jubeltraube im EM-Spiel gegen die Niederlande
Jubel nach dem 2:0 von Patrik Schick: Die Tschechen warfen Mitfavorit Niederlande sensationell aus dem Turnier.
© Robert Michael / DPA
Die EM hat mit dem Aus der Niederlande ihre erste Sensation. Geredet wird auch über Cristiano Ronaldo, Frank de Boer und die allzu offene deutsche Abwehr. Das und mehr im EM-Check des stern.

So lief der EM-Spieltag

Alle Ergebnisse, Torschützen und Tabellen des EM-Spieltags zum Nachlesen im stern-Ticker.

Darüber spricht die EM

Italien gegen Österreich? 3:0, locker. Tschechien gegen Holland? Keine Chance. Doch Pustekuchen! Die EM hat mit Beginn der K.o.-Runde Fahrt aufgenommen und der erste Titelfavorit ist auf der Strecke geblieben. Die Art und Weise wie die Tschechen die Himmelsstürmer in Orange mit Grundtugenden des Fußballspiels in die Schranken verwiesen haben, war beeindruckend. Und der Verdacht ist berechtigt, dass die Elftal womöglich auch mit elf Mann gescheitert wäre, hatte Oranje doch auch vor dem Feldverweis von Matthijs de Ligt Probleme mit der kämpferischen Art von Toptorjäger Patrik Schick und Co. Die Tschechen machten mit ihrem Sieg ein Viertelfinale der Underdogs komplett – nächster Gegner ist das vom Willen für den kollabierten Christian Eriksen zu spielen getragene Dänemark. Damit ist schon klar: Ein Außenseiter steht auf jeden Fall unter den besten Vier. Doch kann ein Halbfinalist überhaupt noch Außenseiter sein? Erfahrungsgemäß liefert spätestens das Finale die Antwort.

Ob wir Cristiano Ronaldo in drei Jahren nochmal auf einer EM erleben werden, diese Frage ist (noch) unbeantwortet. Das 0:1 Portugals gegen Belgien könnte tatsächlich sein letztes EM-Spiel gewesen sein. Gründe für diese Spekulationen gibt es reichlich: sein Alter und seine Ankündigung, die WM 2022 werde seine letzte sein, zum Beispiel. Auf jeden Fall lieferte CR7 mit seiner Schauspieleinlage auf dem Feld wieder reichlich Gesprächsstoff. Das wird uns irgendwie fehlen – irgendwann auf jeden Fall.

Depp des Tages

Es gibt sicherlich keinen EM-Spieler, der sich elender fühlt als Matthijs de Ligt. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen, und so hieß es nach dem Aus der Holländer, das durch de Ligts rote Karte maßgeblich eingeleitet wurde, auf Twitter "der Letzte macht de Ligt aus". Doch der Abwehrstar von Juventus Turin ist in den Niederlanden nicht einmal der Hauptschuldige. "De Boer sollte am Montag besser nicht Zeitung lesen", empfahl Ex-Nationalspieler Nigel de Jong (u.a. Manchester City, AC Mailand, Hamburger SV) Bondscoach Frank de Boer im britischen Fernsehen. De Boer war schon vor dem Turnier – wie eigentlich jeder Nationaltrainer in den Niederlanden – anhaltend kritisiert worden. Sein 5-3-2-System kam bei den Fans einfach nicht an. In Holland ist das 4-3-3 heilig – obwohl die Taktik der fliegenden Fahnen praktisch nie zum Titel führt. De Boer kennt aber natürlich die Oranje-Mechanismen: "Wir haben alle einen großen Kater und müssen gemeinsam darüber nachdenken", beantwortete er Fragen nach seiner Zukunft. "De Telegraaf", eines der großen Blätter des Landes, ist da schon weiter und betitelte seine Spiel-Analyse: "Oranje zahlt Höchstpreis für De Boers Dummheit".

Ein Fußballer in orangem Dress greift im Fallen mit links nach dem Ball

Gewinner des Tages

In Deutschland kennt man ihn nach Jahren in Gladbach und Dortmund bestens, doch international steht er meist im Schatten seines Bruders Eden. Thorgan Hazard war  daher das Grinsen nach seinem entscheidenden Flatterball gegen Portugal nicht mehr aus dem Gesicht zu zaubern. Diesmal stand er im Mittelpunkt. Die Fluglinie sei ein bisschen komisch für den Torwart der Portugiesen gewesen, so Hazard zu seinem entscheidenden Schuss. Erst nach links, dann nach rechts. "Ich habe einfach mein Glück versucht, es könnte traumhafter nicht sein", kommentierte er den Treffer, der Belgien ins Viertelfinale bugsierte. Es seien starke Gefühle, für sein Land zu treffen. Wenn er sich die Nachrichten auf seinem Telefon anschaue, "ist es das wichtigste Tor meiner Karriere". Aber wer weiß, vielleicht kommt da ja sogar noch mehr.

Der EM-Moment

Romelu Lukaku und Cristiano Ronaldo
Trost für den großen Verlierer oder doch ein Abschied für länger? Die innige Umarmung von Belgiens Stümerstar Romelu Lukaku und Cristiano Ronaldo nährte die Spekulationen, der portugiesische Superstar könnte sein letztes EM-Spiel gespielt haben. Die WM 2022, soviel hat CR7 bereits angekündigt, werde seine letzte sein. Abschiedsstimmung liegt in der Luft.
© Lluis Gene / AFP

Und die Deutschen? 

"Die Mannschaft" gibt sich weiter dem Glauben hin, "dass uns Wembley liegt", wie Manuel Neuer es gleich nach dem Ungarn-Spiel sagte. Bevor der DFB-Tross heute nach London aufbricht, wo morgen, Dienstag, ab 18 Uhr (live in der ARD, auf Magenta TV und im stern-Ticker) der Klassiker gegen England steigt, bangt Nationalcoach Jogi Löw um die Fitness von Antonio Rüdiger und Ilkay Gündogan. Während für Gündogan ohnehin Leon Goretzka im Gespräch ist, wäre ein Ausfall von Champions-League-Sieger Rüdiger in der sowieso wackeligen Abwehr sicherlich ein größeres Problem. Das sieht auch Thomas Müller so, der die Defensive als "zu offen" kritisierte. Der Münchner wird gegen England voraussichtlich in die Startelf zurückkehren, nachdem Leroy Sané gegen Ungarn nicht überzeugte. Der bekam nun zudem Druck von seinem Verein. "Jetzt erwarten wir, dass er Leistungsträger wird und die Mannschaft auch trägt", sagte  FC-Bayern-Sportvorstand Hasan "Brazzo" Salihamidzic dem "Kicker". Musste er unbedingt vor den entscheidenden EM-Spielen loswerden. Glänzend gewählter Zeitpunkt, Brazzo!

Das steht heute an

Wieder zwei Achtelfinals, wieder werden zwei Turnierfavoriten versuchen, nicht zu straucheln. Das engere Match dürfte Kroatien gegen Spanien (18 Uhr/live im ZDF, auf Magenta TV und im stern-Ticker) sein. Kurios: Bei Vize-Weltmeister Kroatien stehen dank Luka Modric mehr Spieler von Real Madrid im Kader als bei Spanien, das erstmals seit gefühlten Ewigkeiten ohne einen einzigen "Königlichen" an einem großen Turnier teilnimmt. Nicht auszudenken, sollte ausgerechnet Modric die Spanier rauskicken. Toptorjäger Ivan Perisic muss wegen eines positiven Coronatests passen. Am Abend ist die Schweiz klarer Außenseiter gegen Weltmeister Frankreich (21 Uhr/live im ZDF, auf Magenta TV und im stern-Ticker). Sicherlich eine klare Sache für Les Blues. Oder ...?!?


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