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Europas Fußball vor der Spaltung Es drohen schmutzige Kämpfe um die Super League - die wichtigsten Antworten

Liverpool-Fans protestieren vor dem Spiel ihrer Mannschaft gegen Leeds United gegen die Pläne für einer Super League
Liverpool-Fans protestierten vor dem Spiel ihrer Mannschaft gegen Leeds United gegen die Pläne für einer Super League, die ihr Klub unterstützt
© Christopher Furlong / Getty Images
Die Plan für eine Super League spaltet den europäischen Fußball. Die Ablehnung war europaweit fast einhellig. Dennoch wollen die abtrünnigen Vereine ihr Vorhaben durchziehen - die wichtigsten Antworten.

Im europäischen Fußball ist nichts mehr, wie es war. Die Ankündigung einer Super League in einem nahezu geschlossenen System mit 20 Klubs hat eine Wutwelle verursacht, die sich durch ganz Europa zieht. Im England haben die sechs Vereine, die an der Gründung des neuen Wettbewerbs beteiligt sind, schon einen Spitznamen weg: Sie werden abfällig "das dreckige Dutzend" genannt.

Ob die Super League kommt und und in welcher Gestalt, ist offen. Es gilt als sicher, dass Gerichte und Prozesse einen große Rolle spielen werden. Auch die Konsequenzen für die zwölf Gründungmitglieder stehen nicht fest - mehr als wüste Drohungen in Richtung Real Madrid oder Manchester City gab es bislang nicht. Nur eines ist klar: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wird eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den Konflikt zu befrieden. Es gibt zahlreiche offene Fragen, hier sind die wichtigsten Antworten:

Wie ist der Stand der Dinge?

Es ist völlig unklar, wie und wann die Super League startet. Nur eines steht fest: Die Anfangsfinanzierung ist gesichert. Die US-amerikanische Investmentbank JPMorgan steht als Geldgeber bereit. Das bestätigte das Unternehmen mit Sitz in New York am Montag. Laut Gründungserklärung erhalten die Teilnehmer "einen Betrag von 3,5 Milliarden Euro, der ausschließlich für die Entwicklung ihrer Infrastruktur und zur Abfederung der Auswirkungen der COVID-Pandemie vorgesehen ist". Das Geld ist also schon mal sicher. In den Planungen sind 20 Klubs vorgesehen. Bislang sind aber nur zwölf Klub fest dabei, fehlen also noch acht.

Wie ernst ist die Uefa-Drohung eines EM-Ausschlusses für Topstars der Super-Leauge-Klubs und dem sofortigen Ausschluss aus der Champions League?

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin machte am Montag mit scharfer Kritik deutlich, dass er die abtrünnigen Klubs und deren Spieler am liebsten sofort aus allen Uefa- und Fifa-Wettbewerben verbannen will. Aber eine EM ohne Cristiano Ronaldo, ohne Toni Kroos, ohne Sergio Ramos? Und ein Champions-League-Triumph für Paris Saint-Germain am Grünen Tisch nach einem Ausschluss von Real Madrid, Manchester City und dem FC Chelsea? Dieses Szenario ist eher unwahrscheinlich.

So einfach ist es ohnehin nicht. Die Gründerklubs berichteten bereits von rechtlichen Schritten zur Absicherung. Die Frage, wer wo mitspielen darf, geht tief ins EU-Recht. Für Dienstag werden weitere Uefa-Beratungen zu dem Thema erwartet, am Freitag tagt das Exekutivkomitee in einer Videokonferenz.

Die Uefa würde sich mit drastischen Strafmaßnahmen mitten in der Corona-Krise nur massiv selbst beschädigen, ideell wie vor allem ökonomisch. In der aufgewühlten Stimmung scheint aber auch vieles möglich. Zumindest wird die Uefa die maximale Drohkulisse noch eine Weile aufrechterhalten.

Was ist die Position der deutschen Klubs?

Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München und Borussia Dortmund haben sich klar positioniert. "Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Super League nicht beteiligt", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte am Montag, die Meinungen des BVB und der Bayern seien in dieser Sache deckungsgleich mit jener der Klub-Vereinigung ECA, die deutliche Kritik geübt hatte.

Verdichten sich aber die Anzeichen, dass die Gründerklubs stark um die beiden langjährigen deutschen Vorzeigevereine (und womöglich auch um RB Leipzig) werben, wären weitere Positionierungen auch für die Zukunft vonnöten, um die Fanbasis zu beruhigen. RB Leipzigs Vorstandsvorsitzender Oliver Mintzlaff sagte, der Klub lehne die Super League ab.

Welche Auswirkungen hat die Super League auf den Transfermarkt?

Seit mehr als einem Jahr muss der Klub-Fußball mit düsteren Prognosen und Geschäftszahlen wegen der Corona-Pandemie leben. Für die Klubs der Super League würde das nicht mehr gelten, an die 15 Gründungsmitglieder sollen insgesamt 3,5 Milliarden Euro ausgeschüttet werden. Startet der Wettbewerb in absehbarer Zeit, würde die Übermacht der Spitzenvereine wachsen und sie könnten Profis mit noch höheren Summen locken. Die Folgen sind nicht absehbar.

Welche Rolle spielt Rummenigge?

Karl-Heinz Rummenigge ist beim Uefa-Kongress in Montreux in das Exekutivkomitee gewählt worden, und war als Vertreter der European Klub Association (ECA), aus deren Mitgliedern sich auch die Gründer der Super League rekrutieren. Die ECA ist eine einflussreiche Größe im europäischen Fußball. Rummenigge war von 2008 bis 2017 Vorsitzender. Sein Nachfolger ist Andrea Agnelli, der jetzt als Boss von Juventus Turin zu den größten Befürwortern der Super League gehört - und deswegen bei der Uefa quasi zur Persona non grata erklärt wurde und aus dem Exekutivkomotee flog. "Ich habe noch nie eine Person getroffen, die so viel gelogen hat wie er es tat" sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin über Agnelli. Rummenigge kommt jetzt eine Schlüsselrolle in dem Konflikt zu. Rummenigge genießt international hohes Ansehen und war einst als Chef der Klub-Vereinigung schon einmal Exko-Mitglied.

tis / Arne Richter, Jan Mies und Florian Lütticke DPA

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