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FC BAYERN: Sieglos, glücklos und am Ende auch noch sprachlos

Als der international schwer angeschlagene FC Bayern München statt des erhofften Erfolgserlebnisses vor dem nächsten Champions-League- »Endspiel« auch in der Bundesliga einen Rückschlag erlitt, hatten viele keine Lust auf Erklärungen.

Neuer Frust statt Champions-League-Aufbau

Als der international schwer angeschlagene FC Bayern München statt des erhofften Erfolgserlebnisses vor dem nächsten Champions-League- »Endspiel« auch in der Bundesliga einen Rückschlag erlitt, hatten viele keine Lust auf Erklärungen. Der Vorstand eilte ohne Kommentar davon, Kapitän Giovane Elber schwieg ebenfalls - das 3:3 (1:2) ausgerechnet gegen Aufsteiger Hannover 96 hat die Stimmung vor der entscheidenden Europacup-Partie gegen Deportivo La Coruna weiter getrübt. »Mir fällt gar nichts mehr ein, aber wir müssen uns was einfallen lassen, und zwar bald«, rang sich Präsident Franz Beckenbauer im Gehen noch eben ab. Und Mehmet Scholl schwante nichts Gutes: »Wir wissen, was uns erwartet, wenn wir am Dienstag nicht gewinnen. Das wird in München ein schönes Gewitter geben.«

Hitzfeld: »Wir haben Hannover drei Tore geschenkt«

Mit dem ersten Punktverlust vor heimischem Publikum in dieser Saison schrumpfte der Vorsprung des durch die 1:2-Niederlage in Mailand offenbar völlig verunsicherten Tabellenführers auf drei Punkte; Hannover holte den ersten Zähler in München seit 1966. Glücklich war mit dem Ergebnis vor 52 000 Zuschauern keiner. »Natürlich bin ich sauer über die Defensivleistung. Wir haben Hannover drei Tore geschenkt«, sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld über die wacklige Abwehr, beklagte »individuelle Fehler« und wollte von Krise nichts hören, »das überlassen wir der Boulevardpresse.« 96- Coach Ralf Rangnick meinte: »Das Ergebnis schmeichelt eher den Bayern.« Er habe das Gefühl, »dass wir zwei Punkte verloren haben«.

Hoeneß sagte nichts

Vielleicht sah die Bayern-Führung das ähnlich, behielt es aber für sich. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß sagten nichts. Hoeneß hatte sich ohnehin den Unmut der Niedersachsen zugezogen, als er im Vorfeld angesichts der Verletzung von Oliver Kahn gesagt hatte, gegen Hannover würde es »ja auch so« reichen. »Das zeugt von ein bisschen wenig Respekt«, monierte Fredi Bobic.

Elber ließ die wartenden Reporter einfach stehen

Giovane Elber, Ersatz-Kapitän für Kahn und mit den Saisontreffern neun (4.) und zehn (80.) zumindest persönlich erfolgreich, ließ die wartenden Reporter einfach stehen. Kollege Scholl, der beim ersten 90-Minuten-Einsatz dieser Saison der beste Bayer war und sein erstes Saisontor (75.) erzielte, stand Rede und Antwort. Der Erklärungsversuch klang bedenklich: »Ich glaube, dass wir unsere gesamte Mentalität verändern müssen.« Eine Art »Geilheit auf Erfolg« fehlt seiner Ansicht nach den Bayern momentan. Aber er habe in elf Jahren in München viele schwierige Situationen erlebt, man werde auch diese meistern. »Immer gibt?s an allen Ecken und Enden Brände, die man löschen muss. Das einfachste Mittel ist gewinnen.« Vor allem am Dienstag. Aber da sich Hasan Salihamidzic und Willy Sagnol verletzten, sind die Sorgen noch größer geworden.

»Das wurmt mich selbst « - »Das darf nicht passieren«

In dem turbulenten Spiel hatte es nach der schnellen Führung und später beim 3:2 durch Elber nach dem fünften Bayern-Heimsieg ausgesehen. Aber der offensive Aufsteiger war nach Treffern von Darius Zuraw (17.) und Daniel Stendel (44.) zur Halbzeit sogar in Führung gegangen und hatte weitere Chancen, auch wenn es schließlich Samuel Kuffour (82.) war, der das letzte 96-Tor erzielte. Erst patzte der Kahn-Ersatz Stefan Wessels (»Das wurmt mich selbst«), dann der eingewechselte Pablo Thiam (»Das darf nicht passieren«).

»Das war eine absolute Frechheit«

Aber nach Meinung der Niedersachsen hatten die Bayern auch von Entscheidungen des Schiedsrichters Torsten Koop (Lüttenmark) vor dem 2:2 und dem 3:2-Führungstreffer profitiert. »Das Unentschieden war hochverdient. Und wenn man sieht, wie die zwei Gegentore entstanden sind - das war eine absolute Frechheit«, schimpfte Bobic, der nach sechs Treffern in fünf Spielen erstmals ohne Tor blieb.

»Das Theater um die Aktien war im Endeffekt eigentlich mehr lächerlich«

Sein Team dümpelt trotz des Punkts weiter im Tabellenkeller. »Man haut dir zwar immer auf die Schulter und sagt, ihr spielt schönen Fußball. Aber du brauchst drei Punkte, du willst ja unten raus«, sagte Bobic, der nach der Aktien-Diskussion der letzten drei Tage zumindest dieses Thema abgehakt hat. »Das Theater um die Aktien war im Endeffekt eigentlich mehr lächerlich.«

Von Andrea Wimmer, dpa

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