Fußball-Nationalmannschaft Keine Chance für alte Säcke


Gegen Finnland im bedeutungslosen letzten WM-Qualifikationsspiel lässt Bundestrainer Löw rotieren. Seiner Philosophie bleibt er dabei treu. Klar ist: Für ältere Spieler wie Torsten Frings ist der WM-Zug fast schon abgefahren. Und auch ein Torwart muss zittern.
Von Klaus Bellstedt, Hamburg

Nach dem 1:0-Erfolg in Russland ist klar: Deutschland fährt nach Südafrika. Für die DFB-Auswahl hat das letzte, unbedeutende WM-Qualifikationsmatch am Mittwoch in Hamburg gegen Finnland (ab 18 Uhr im stern.de-Liveticker) insofern auch nur noch Testspielcharakter. Bundestrainer Löw wird die Mannschaft im Vergleich zu Moskau ordentlich durchmischen. Beck, Friedrich, Hitzlsperger, Trochowski, Cacau, sie alle werden gegen die bereits abgeschlagenen Finnen in die Startelf rücken. Hinter dem Einsatz von Kapitän Michael Ballack steht wegen seiner Sprunggelenksverletzung noch ein Fragezeichen. Für Ballack würde Christian Gentner vom VfL Wolfsburg als Backup fungieren.

Das alles sind keine Überraschungen. Löw hatte schon unmittelbar nach der Partie in Moskau angekündigt, in Hamburg rotieren zu wollen, um die Nationalmannschafts-Stammkräfte für das anstehende Bundesligawochenende zu schonen. Auch auf der Torwartposition war mit einem Wechsel zu rechnen. Aber daraus wird nun nichts. Und das ist die einzige Überraschung im Vorfeld der Partie gegen Finnland. Nicht Tim Wiese von Werder Bremen steht zwischen den Pfosten, sondern erneut Russland-Matchwinner René Adler. Der Bundestrainer hält strikt an seinem Torwart-Konzept fest. Ein Keeper, der vor wenigen Wochen noch die Nummer Eins im deutschen Tor war, gerät dabei immer mehr ins Hintertreffen: Robert Enke.

Härtetest wohl gegen Argentinien

Der 32-Jährige wird nach der Genesung von seiner bakteriellen Infektion 2009 kein Länderspiel mehr bestreiten. "In diesem Jahr ist das nicht geplant", sagte Joachim Löw am Dienstagmittag auf der DFB-Pressekonferenz in Hamburg. Der Bundestrainer wird, wie angekündigt, in den verbleibenden Testspielen am 14. November in Köln gegen Chile Tim Wiese und vier Tage später in Gelsenkirchen gegen Ägypten den Schalker Manuel Neuer einsetzen.

Enke könnte also frühestens am 3. März im ersten Testspiel des WM-Jahres in den Vierkampf um die drei WM-Torwarttickets eingreifen. Aber auch das scheint nach dem famosen Auftritt von René Adler in Moskau gegen Russland fraglich. Weil dann aller Voraussicht nach Argentinien der Gegner heißen wird. Experimente in diesem einzigen echten Härtetest im Vorfeld der WM sind nicht zu erwarten. Wenn alles glatt läuft, wird Löw gegen die "Gauchos" naturgemäß wieder Adler aufbieten. In den Wochen direkt vor der WM sind einschließlich eines Benefizspiels in Aachen (Gegner ist möglicherweise Malta) noch zwei weitere Spiele gegen unterklassige Teams geplant. Zu diesem Zeitpunkt wird die T-Frage aber schon längst geklärt sein.

"Ich schätze Torsten sehr"

Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Weltmeisterschafts-Zug vielleicht schon heute ohne Robert Enke abgefahren ist. Oder anderes ausgedrückt: Sollte der Hannoveraner überhaupt mit ans Kap mitfahren, dann nur als Ersatzmann. Bundestrainer Joachim Löw, das haben die letzten zehn Tage bewiesen, hat eine Philosophie. Und er wird nicht müde, diese Philosophie - wenn nötig auch zum zehnten Mal hintereinander - zu erklären. "Wir wollten einen Prozess einleiten. Wir wollten die Mannschaft Stück für Stück verjüngen. Stand heute ist uns das auch gelungen. Das macht mir Hoffnung für die WM im nächsten Jahr." Enke wird nächstes Jahr 33, Adler erst 25.

Man merkt Löw an, wie gerne er über junge, ambitionierte Spieler spricht. Dann hebt sich seine Stimme. "Özil (20), Beck (22), Khedira (22), Marin (20), sie alle sind auf dem Sprung." Oder auch über Bayerns Shootingstar Thomas Müller (20): "Er könnte schon im November eingeladen werden, wenn er die Leistung weiter bringt. Müller ist jung, schnell und technisch gut." Über Jerome Boateng (21) sagt Löw: "Er ist der kommende Mann." Nicht so gerne spricht Löw in diesen Herbsttagen von den alten Recken. Hinsichtlich der WM-Chancen von Torsten Frings antwortet Löw: "Ich schätze Torsten sehr. Er hat Großes geleistet, aber im Moment stehen andere vor ihm. "Abgeschrieben" habe er Frings aber noch nicht. Das ist aber wohl nur die halbe Wahrheit. Frings wird im nächsten Jahr 34.


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