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International: Die sportal.de-Europarangliste XV - März 2012

Fünf spanische Clubs stehen in den Viertelfinals der europäischen Wettbewerbe. Wie passend, dass fünf spanische Clubs in unserer aktuellen Europarangliste stehen. Ein Rückkehrer und ein Debütant sind neu dabei. Dafür musste unter anderem ein Bundesligist weichen. Hier sind Europas Top 20 im März.

Zum drittletzten Mal in dieser Saison erscheint unsere Europa-Rangliste. Wie immer im März ist sie von den Ergebnissen in der Champions League beeinflusst - aber nicht nur. APOEL Nikosia ist weiterhin nicht unter den Top 20 zu finden, während andererseits auch Clubs, die nicht (mehr) in der Königsklasse vertreten sind, Berücksichtigung finden, sofern sie in hochwertigen Ligen eine gute Rolle spielen oder uns durch innovative Taktiken überzeugt haben.

Da es immer wieder Diskussionen gibt, noch einmal die grundsätzlichen Kriterien für unser Ranking. Es geht darum, die Stärke und das Leistungsvermögen aller europäischen Clubs miteinander zu vergleichen. Angesichts unterschiedlicher Ligen und unterschiedlicher Gegner im Europacup ist das nicht immer einfach - aber das macht ja auch den Spaß des Ganzen aus.

Die tatsächlichen Ergebnisse und die aktuelle Form fließen durchaus in die Bewertung ein, aber im Großen und Ganzen geht es darum, die Klasse eines Kaders einzuschätzen. Je näher sich die Saison ihrem Ende neigt, desto mehr kommen aber die faktischen Resultate ins Spiel, denn ein Team, das sein Potenzial übers ganze Jahr nicht abruft, wäre nur rein virtuell ein Spitzenteam.

Aus dem aktuellen Ranking gefallen ist Zenit St Peterburg nach dem Champions League-Aus gegen Benfica, weil die Ergebnisse in der russischen Liga allein uns nicht für eine Top-Platzierung reichen - und in Europa hat Zenit sich letztlich nur gegen Porto und Shakhtar Donetsk durchgesetzt.

Daneben hat es noch einen deutschen Härtefall gegeben: Borussia Mönchengladbach ist sozusagen Platz 21 der Rangliste. Das liegt nicht nur an der leichten Schwächephase in den letzten Wochen (nur ein Sieg aus den letzten vier Spielen), sondern auch daran, dass unsere zwei Neueinsteiger den besseren Eindruck gemacht haben und sich zudem auch international eindrucksvoll zu bewähren wussten.

20. (12) Olympique de Marseille
Nach der aktuellen Form dürfte Bayerns CL-Gegner OM gar nicht mehr dabei sein in einer Europarangliste. Sage und schreibe sechs Niederlagen in Folge kassierte die Mannschaft von Didier Deschamps zuletzt. Das ist umso erstaunlicher, als die Marseillais vorher 16 Spiele in Serie ungeschlagen waren. Zudem setzte es die Niederlagen gegen Clubs wie Dijon, Ajaccio oder Evian. Aber: Immer noch kann Marseille drei Titel holen: die Champions League (Viertelfinale), den Coupe de France (Viertelfinale) und den französischen Ligapokal (Finale).

19. (18) Schalke 04
Fast möchte man annehmen, Schalke sei eigentlich nur Jermaine Jones. Seit die Sperre des Mittelfeldmannes abgelaufen ist, gewinnen die zuvor angeschlagenen Knappen wieder. Defensivpapst Huub Stevens darf sich oft über Offensivfußball freuen: bei den letzten neun Siegen der Schalker erzielte das Team immer mindestens drei Tore. Weiterhin bleiben aber Zweifel an der Klasse im Vergleich mit Spitzenteams, was die Chancenlosigkeit in München einmal mehr untermauerte. Viertelfinale in der Europa League ist schön und gut, aber die bisherigen internationalen Gegner hießen HJK Helsinki, Steaua Bukarest, Maccabi Haifa, AEK Larnaka, Viktoria Plzen und FC Twente, der erste ernst zu nehmende Kontrahent. So werden die anstehenden Spiele gegen Athletic Bilbao zur Standortbestimmung. 

18. (neu) Athletic Bilbao
Zum ersten Mal überhaupt, seit wir 2010 unser Ranking ins Leben riefen, hat Athletic Bilbao es in die Rangliste geschafft. Das liegt natürlich nicht zuletzt an Marcelo Bielsa, der den baskischen Club seit dieser Saison trainiert. Unter ihm steht Athletic im Finale des Copa del Rey gegen Barcelona, im Viertelfinale der Europa League (nach zuletzt zwei Siegen gegen Manchester United) und spielt in der Liga um einen Champions League-Platz mit. Der Erfolg hat einen Preis: Die beiden Spiele gegen Schalke werden die Pflichtspiele Nummer 49 und 51 in einer anstrengenden Saison für Athletic.

17. (19) Atlético Madrid
Es sieht nicht so attraktiv aus wie der Fußball, den Athletic Bilbao spielt. Aber seit Diego Simeone Trainer bei Atlético ist, haben die Colchoneros eine selten gekannte defensive Stabilität gewonnen und sind nur noch äußerst schwer zu schlagen. Von den 28 Saisonspielen unter Gregorio Manzano verlor Atléti zehn, von den ersten 14 Spielen unter Simeone nur ein einziges, und das knapp gegen Barcelona.

16. (neu) Valencia
Ohne einen Trainerwechsel hat sich Valencia gefangen. Die Mannschaft von Unai Emery hat souverän das Viertelfinale der Europa League erreicht und in der Liga gerade durch ein beeindruckendes 3:0 in Bilbao seinen Champions League-Rang gefestigt.

15. (17) Benfica
Einen kuriosen Saisonverlauf legte Benfica bisher hin: In den ersten 34 Pflichtspielen der Saison blieb das Team von Jorge Jesus ungeschlagen. Von den nächsten vier Spielen verlor Benfica drei, und keineswegs unwichtigen Spiele: in der Champions League in St. Petersburg, zu Hause gegen Porto in der Liga. Doch im Rückspiel zogen die Adler verdient ins Viertelfinale der Champions League ein, wo Chelsea wartet. In der Primeira Liga gibt es aktuell einen Dreikampf an der Spitze mit Porto und Sporting Braga, den Benfica jedoch zumindest nach der Kaderstärke her für sich entscheiden sollte - wenn Europa nicht zu sehr ablenkt.

14. (14) Liverpool
Einen Europa League-Platz haben die Reds nach dem Gewinn des Ligapokals schon sicher. Die Champions League-Ränge scheinen zu weit entfernt, so dass es im restlichen Saisonverlauf vor allem um den Gewinn des FA Cups und damit eines Pokal-Doubles gehen wird. Hier steht Liverpool im Halbfinale gegen Everton oder Sunderland, hat also realistische Chancen auf den Finaleinzug. Mangels europäischer Spiele in dieser Saison fehlt der direkte Gradmesser der Leistungsstärke des Teams. Aber dass die Mannschaft von Kenny Dalglish seit Jahresbeginn schon in Spielen gegen Manchester United, Arsenal, Manchester City und Tottenham Hotspur ebenbürtig war, rechtfertigt die Einstufung in die Rangliste.

13. (15) Paris Saint-Germain
Wir hatten bereits im Vormonat auf Carlo Ancelottis hervorragende Bilanz seit seiner Amtsübernahme am Bois de Boulogne hingewiesen. An diesem Resümee hat sich nichts geändert. Seit 16 Spielen ist PSG nun ungeschlagen und nur die überraschend gute Saison des Provinzclubs Montpellier HSC verhindert, dass die Hauptstädter an der Tabellenspitze der Ligue 1 enteilt sind. In dieser Woche steht mit dem Pokalviertelfinalspiel gegen Lyon der nächste echte Gradmesser an, aber nach der jüngsten Form zu urteilen muss PSG kaum einen Gegner fürchten - zumindest in Frankreich nicht.

12. (11) Napoli
Einen sehr guten Lauf hatte zwischenzeitlich die SSC Napoli. Sechs Siege in Folge brachten die Kampanier wieder nah an die Champions League-Plätze, im diesjährigen Wettbewerb stand man schon mit einem Bein im Viertelfinale - aber dann war Chelsea doch zu stark. Das Potenzial für eine große Saison ist aber weiterhin vorhanden, denn neben dem Kampf um Platz drei (nur ein Punkt Rückstand auf Lazio) bietet sich in dieser Woche im Pokalhalbfinalrückspiel gegen Siena die Chance auf den Finaleinzug im Coppa Italia.

11. (9) Tottenham Hotspur
Seit Harry Redknapp als englischer Nationaltrainer im Gespräch ist, sind die allerdings auch von Verletzungssorgen gebeutelten Spurs aus dem Tritt gekommen. Nur einen Sieg holten die Londoner aus den letzten fünf Spielen - und diesen im FA Cup-Replay gegen den Drittligisten Stevenage auch noch sehr mühsam. Immerhin bietet sich noch die Chance auf den ersten Pokalsieg seit über 20 Jahren. Noch wichtiger ist aber die Verteidigung von Platz drei in der Premier League gegen die beiden nachrückenden (und stärker einzuschätzenden) Lokalrivalen Arsenal und Chelsea.

10. (10) Borussia Dortmund
Eine klassische Europaranglistenfrage: Wäre der BVB in zwei Spielen gegen Tottenham Favorit aufs Weiterkommen? Wahrscheinlich nicht. Aber klar läge die Sache nicht. Den Ausschlag für die höhere Platzierung gab die überragende Form der Dortmunder mit neun Siegen und einem Unentschieden aus den letzten zehn Pflichtspielen, in denen Dortmund zudem nur drei Gegentore kassierte.

9. (13) Arsenal
Dass die Gunners nun definitiv auch im siebten Jahr in Folge ohne Titel bleiben, scheint die Mannschaft auf absurde Weise befreit zu haben. Nach dem Aus im FA Cup in Sunderland gewann Arsenal alle Spiele, gegen Tottenham im Derby gleich mit fünf Toren, in Liverpool, gegen Milan im CL-Rückspiel und gegen Newcastle United. So ist auch kein Titel mehr drin, aber Platz drei in der Premier League, der wegen der finanziellen Lage des Clubs immens wichtig wäre, sollte noch zu schaffen sein. 

8. (8) Chelsea
Wieder einmal verlor Roman Abramovich die Geduld mit einem Manager und feuerte André Villas-Boas. Die Zukunft der Blues steht einmal mehr in den Sternen. Aber kurzfristig ist es Roberto di Matteo als Interimstrainer gelungen, das Potenzial im starken Kader freizusetzen und das Viertelfinale der Champions League sowie das Halbfinale des FA Cups zu erreichen. Kommt Chelsea auch noch unter die ersten Vier der Premier League, dann war es am Ende doch noch eine sehr achtbare Saison.

7. (5) Manchester City
Seit dem glücklichen Sieg im Spitzenspiel gegen Tottenham im Januar hat City zwar eine Reihe von Spielen gewonnen, aber nur gegen mittelmäßige Gegner. Dazu kamen Niederlagen in Everton und Swansea sowie das Aus in der Europa League. Auch wenn diese sicher nicht der Maßstab für Citys Erfolg in dieser Saison sein wird (sondern einzig und allein der Meistertitel), so zeigte die Niederlage von Lissabon doch ein weiteres Mal, dass City die Konstanz fehlt, wenn es wirklich hart auf hart kommt. Der Verlust der Tabellenspitze an United tat sein Übriges, um den Eindruck einer leichten Krise beim Club zu verstärken.

6. (7) Manchester United
So sehen wir United momentan leicht vor dem Stadtrivalen - das Ausscheiden in der Europa League nach zwei Niederlagen gegen Athletic Bilbao verhindert jedoch eine noch bessere Einstufung - zumal der Fußball, den die Red Devils zeigen, weder attraktiv ist noch den Eindruck großer taktischer Reife vermittelt. Vielleicht braucht United einen grundsätzlichen Umbruch innerhalb der nächsten zwei Jahre. Obwohl schon viele Journalisten den Fehler gemacht haben, Sir Alex Ferguson abzuschreiben...  

5. (6) Milan
Eine Halbzeit lang desolat, dann eine Halbzeit lang stabil - das war das Bild, das Milan beim Champions League-Rückspiel in London bot. So konnte immerhin das historische Aus nach dem 4:0-Hinspielsieg vermieden werden. Jetzt wartet Barcelona im Viertelfinale. Immerhin aber sind die Rossoneri Tabellenführer der Serie A, werden sich aber dort wie auch im anstehenden Pokalrückspiel mit Juventus noch einen packenden Kampf liefern.

4. (3) Juventus
Die spannende Frage, ob Juve ungeschlagen den Meistertitel verspielen kann, schien nach vier Unentschieden in Folge immer akuter zu werden. Am Wochenende zeigte das Team von Antonio Conte jedoch sein anderes Gesicht und gewann gleich mit 5:0 beim Erzrivalen in Florenz. Ein gutes Signal vor dem Halbfinalrückspiel im Pokal und der Endphase der Serie A-Saison. Der Unterschied zwischen Juve und Milan: Die Rossoneri punkten sicherer gegen schwache Gegner, Juve aber ist stärker in den Topspielen. Während Milan von zehn Saisonpflichtspielen gegen Topgegner nur zwei gewinnen konnte, gewann Juve vier von fünf. Das spricht bis auf Weiteres für die Vecchia Signora.

3. (4) Bayern München
Nach drei Kantersiegen in Serie und 20 Toren in drei Spielen ist der FC Bayern auf einmal wieder obenauf. Wir haben die Treble-Chancen der Münchner zwar sehr skeptisch beurteilt, aber im anstehenden Champions League-Viertelfinale sehen wir außer Madrid und Barcelona keine Mannschaft, die besser ist als Bayern. Was nicht heißt, dass Jupp Heynckes mit seinem Team etwa gegen Chelsea oder Milan locker gewinnen würde. Aber wenn das Bayern-Spiel läuft, dann gehört die Mannschaft zu den besten ballbesitzorientierten Teams in Europa. 

2. (2) Real Madrid
Wie im Vorjahr wird der April der Monat der Wahrheit für Madrid. Neben dem Champions League-Halbfinale (von dem wir annehmenm, dass Real es gegen APOEL erreichen wird) stehen in diesem Monat Punktspiele gegen Valencia, bei Atlético und in Barcelona sowie in Sevilla an. Die Prognose, dass Madrid zumindest einen der beiden wichtigen Titel (Meisterschaft oder Champions League) holt, ist nicht allzu gewagt. Acht Punkte Vorsprung in der Liga sollten trotz des schweren Restprogramms reichen.

1. (1) Barcelona
Wir haben schon im Vormonat betont, dass es keinen Anlass gibt, Barcelona von Platz eins zu verbannen, solange die Katalanen noch in der Champions League sind und gegen Real Madrid kein wichtiges Spiel verloren haben. Nimmt man dazu die nochmalige Steigerung der Form von Lionel Messi mit allein 16 Toren für Barcelona und Argentinien in den letzten vier Wochen, so verbietet sich alles andere als Platz eins ohnehin.

Daniel Raecke

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