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Nationalelf-Testspiel: Dänen-Trainer geht auf Jogi Löw los

Weil Bundestrainer Löw seine Stars am Mittwoch im Test gegen Dänemark schont, geht der Trainer der Nordeuropäer jetzt auf die Barrikaden. Morten Olsen bezeichnet die Deutschen als "egoistisch" und wirft ihnen Wortbruch vor.

Morten Olsen ließ mächtig Dampf ab. Aus seiner Verärgerung über die Entscheidung des DFB im Länderspiel am Mittwoch in Duisburg (20 Uhr) auf viele Stammkräfte zu verzichten, machte der dänische Fußball-Lehrer keinen Hehl. "Deutschland war bei der WM ein großartiger Gastgeber. Aber das ist respektlos vom DFB und sehr, sehr egoistisch", klagte er. Einmal in Fahrt warf er dem Gegner Wortbruch vor: "Die Absprache vor einigen Monaten war die, dass Deutschland mit der stärksten Mannschaft antritt. Und es sah beim DFB-Sieg am Samstag in Prag nicht so aus, als ob sich acht Spieler verletzt hätten."

Die Vorfreude auf das vermeintlich schwere Testspiel ist dem ehemaligen Profi und Trainer des 1. FC Köln deshalb gründlich vergangen. "Dass ich davon aus der Zeitung erfahren muss, ist nicht korrekt. Da hätte mich mein deutscher Kollege anrufen müssen. Auch ich habe Spieler, die in internationalen Topclubs und in der Champions League spielen. Wie soll ich diesen Spielern das erklären", klagte Olsen über die Personalpolitik von DFB-Coach Joachim Löw, der beim Test eine B-Mannschaft ins Rennen schickt.

Dänemark mit der stärksten Elf

"Für meine Mannschaft ist das eine schwierige Situation, sie hätte lieber gegen die erste deutsche Elf gespielt", befand Olsen. Leidtragende dieser Maßnahme seien nicht nur die Profis, sondern auch die Zuschauer. "Unsere Fans wollten ein Spiel gegen eine der besten Mannschaften in Europa sehen." Olsen steht mit seiner Kritik nicht allein da. Auch Mittelfeldspieler Daniel Jensen (Werder Bremen) stieß ins gleiche Horn: "So etwas darf man nicht machen und hätte es vorher sagen müssen."

Um die Laune der Dänen war es schon vor der Anreise nach Deutschland nicht allzu gut bestellt. Zu groß ist der Ärger über die 1:2-Niederlage am Samstag in der EM-Qualifikation gegen Spanien. Ein Sieg über die hoch gelobte DFB-Elf sollte zur Frustbewältigung beitragen. "Die Mannschaft hat einen mentalen Knacks, den wir reparieren müssen. Wir wollen das Spiel nutzen, um Selbstvertrauen zu tanken", sagte Olsen. Anders als sein Gegenüber Löw wird er deshalb wohl auf den Großteil seiner Stammkräfte zurückgreifen.

Olsen sucht Zettel von Lippi

Von der komfortablen Ausgangsposition des WM-Dritten in der EM- Qualifikation kann Olsen derzeit nur träumen. Nach dem 1:2 in Spanien sind die Dänen in der Gruppe F auf Rang drei zurückgefallen. Der kommenden Partie gegen Spitzenreiter Schweden am 2. Juni kommt deshalb schon eine besondere Bedeutung zu. Für den ehemaligen Schalker Christian Poulsen (FC Sevilla) ist dies ein Grund mehr, den Test gegen die DFB-Auswahl ernst zu nehmen: "Das Spiel in Duisburg dient uns als Vorbereitung auf das Duell mit Schweden."

Zumindest die Unterkunft taugt als gutes Omen. Im selben Zimmer, in dem sein italienischer Kollege Marcello Lippi während der WM im vorigen Sommer die Pläne für den späteren Triumph seiner Mannschaft schmiedete, stimmte sich Olsen auf die Partie gegen Deutschland ein. Der Aufenthalt im Hotel des ehemaligen Gewichthebers Rolf Milser unweit der ausverkauften MSV-Arena tröstete ein Stück weit über den Ärger mit dem DFB hinweg. Am Ende seines Monologs war Olsen sogar schon wieder zu Scherzen aufgelegt: "Ich habe im Zimmer überall nach einem Zettel mit wichtigen Tipps von Lippi gesucht. Leider habe ich keinen gefunden."

Bierhoff wehrt sich

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hat derweil die Kritik von Dänemarks Trainer Morten Olsen am Fehlen von gleich acht deutschen Top-Spielern beim energisch zurückgewiesen. "Die Äußerungen der Dänen zeugen nicht von großem Respekt vor unseren jungen Spielern, die auch in der Bundesliga gute Leistungen bringen", sagte Bierhoff am Dienstag.

Der DFB-Teammanager bezeichnete zugleich die von Olsen geäußerte Darstellung zurück, wonach vereinbart gewesen sei, dass man bei dem Freundschaftsspiel gegen die stärkste deutsche Mannschaft antreten werde. "Von einer Absprache, dass beide mit der besten Mannschaft antreten, ist bei den Verhandlungen beider Verbände nie die Rede gewesen", erklärte Bierhoff.

DPA/kbe

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