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Fußball-Bundesliga: Tests, Verhaltensregeln und keine VIP-Gäste – so will die Bundesliga die Geisterspiele durchziehen

Die medizinische Taskforce der DFL hat ein umfassendes Konzept vorgestellt, wie man Geisterspiele durchführen kann. Das sind die wichtigsten Punkte - und die größten Risiken.

Bonjour tristesse am 11. März: Vielleicht ist das Bild vom bislang einzigen Geisterspiel zwischen Gladbach und Köln bald der Standard, an den sich die Fußball-Fans gewöhnen müssen

Bonjour tristesse am 11. März: Vielleicht ist das Bild vom bislang einzigen Geisterspiel zwischen Gladbach und Köln bald der Standard, an den sich die Fußball-Fans gewöhnen müssen

DPA

Es waren die lang ersehnten Sätze, die die Hoffnung unter den 36 Fußballprofi-Klubs wieder aufleben ließen: "Nach dem Hygienekonzept, das die Liga vorgelegt hat, denke ich schon, dass es eine gute Chance gibt, dass wir Geisterspiele wagen können", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in einer Video-Schalte mit der "Bild"-Zeitung: "Deshalb wäre denkbar, dass wir vielleicht, vielleicht frühestens ab 9. Mai, an dem Wochenende, überlegen, eine solche Geisterrunde zu spielen." Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, pflichtete Söder bei: "Der 9. Mai ist ein denkbarer Termin."

Die Politik reicht dem großen Fußball die Hand und will nicht als Spielverderber dastehen, der durch restriktive Maßnahmen verantwortlich für die Pleite zahlreicher Fußball-Klubs ist. Doch ob es tatsächlich zu einer Fortsetzung der Bundesliga kommt, ist längst nicht sicher. Beide Ministerpräsidenten äußerten sich optimistisch, aber auch sehr vorsichtig. Ihre Sätze enthielten viele Konjunktive.

Eine der Grundvoraussetzungen für die Fortsetzung der Saison ist das Hygienekonzept, das eine Taskforce der Deutschen Fußball Liga der Politik vorgelegt hat – und offenbar ist es für Söder und Laschet überzeugend.

Die wichtigsten Bausteine des Konzepts, um Geisterspiele durchzuziehen, sind:  

Tests

Die Frage der Tests ist die bedeutendste. Die DFL betont, dass Spiele nur stattfinden können, wenn ausreichend Testkapazitäten vorhanden sind. Boss Christian Seifert betonte nun, dass "die Testvolumen in Deutschland ausreichend" verfügbar seien. Im Gespräch ist, dass die Bundesligaprofis regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Die DFL erwägt offenbar Spieler, Trainer und Mitglieder der Funktionsteams alle drei Tage mit einem Schnelltest auf Sars-Cov-2 zu untersuchen, um die Sicherheit bei den möglichen Geisterspielen zu garantieren. Bis zum Saisonende würden so wohl etwa 20.000 Tests fällig. Schalkes Aufsichtsratschef und Fleischfabrikant Clemens Tönnies hat bereits angeboten, in seinem Firmenlabor Coronatests durchführen zu lassen.

Personal

Wie viele Menschen sich im Stadion aufhalten werden, ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung: Beim bislang einzigen Geisterspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am 11. März 2020 waren etwa 600 Personen im Stadion, von Spielern bis zu den Journalisten und Ordern. Aber es gab tatsächlich VIP-Gäste auf den Tribünen. Das neue Konzept sieht offenbar eine Halbierung der Zahl vor. Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge sind im Innenraum nur 126 Personen zugelassen: die Mannschaften, Schiedsrichter, Sanitäter, TV-Leute etc. Auf der Tribüne und auf dem Außengelände kommen noch mal 200 Personen wie etwa Journalisten, Ordner und Feuerwehrleute hinzu. Wichtig ist zudem, dass sich keine Fans vor dem Stadion sammeln, so wie es beim Spiel zwischen Gladbach und Köln der Fall war. 

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Verhaltensregeln für die Profis

Laschet hat angekündigt, dass das Konzept strenge Verhaltensvorgaben für die Spieler vorsieht. Dabei geht es nicht nur um die Hygienestandards während des Trainings und des Spieltags, sondern auch um das private Verhalten: "Die Leute müssen sehen, dass sich die Spieler strikter an die Regeln halten als andere", sagte Laschet. Die Profis dürften also während er Geisterspiel-Phase kaum ausgehen und müssten sich strikt an den Kontaktbeschränkungen orientieren. Eine Disziplinlosigkeit wie die des Schalkers Profis Amine Harit, der trotz Ausgangsbeschränkung nachts in einer illegal geöffneten Shisha-Bar erwischst wurde, sind undenkbar.

Es bleiben Risiko-Faktoren

Organisatorisch und logistisch ist das sicherlich alles machbar. Dennoch: Es bleiben einige Risikofaktoren und unbeantwortete Fragen. Ob es in nicht mal drei Wochen ausreichend viele Tests geben wird, ist dabei nur eine. Eine andere: Was passiert, wenn sich Spieler oder Klub-Mitarbeiter infizieren? Es ist kaum vorstellbar, dass die Saison dann zu Ende gespielt werden könnte, wenn ein Team in Quarantäne müsste. Es würde das endgültige Ende der Spielzeit bedeuten. Zudem müssen alle Länder und Behörden zustimmen. Noch ist längst nicht klar, ob das der Fall sein wird. Vom Robert-Koch-Institut aus Berlin kamen bereits kritische Worte hinsichtlich der Testkapazitäten und das Bundesinnenministerium sprach sich gegen einen festen Starttermin aus. Das letzte Wort in der Angelegenheit ist längst nicht gesprochen.

Quellen: "Bild", "Süddeutsche Zeitung", DPA

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