HOME

Testspiel gegen Dänemark: Larifari-Spiel oder echter Härtetest?

Bundestrainer Jogi Löw gönnt seinen Stars mit Rücksicht auf die Gesamtbelastung am Mittwoch im Test gegen Dänemark eine Pause. Während Ballack, Frings und Co. nicht mal auf der Bank sitzen, kommt ausgerechnet dem Matchwinner vom Tschechien-Spiel eine Schlüsselrolle zu.

Nach der Prager Qualifikations-Gala nützt Joachim Löw trotz kritischer Einwände das Test-Länderspiel gegen Dänemark zur großen Sichtung der Perspektivspieler für die Fußball-EM 2008. Beim Debütantenball am Mittwoch (20.00 Uhr) in Duisburg wird nicht nur der Hannoveraner Robert Enke erstmals im Tor der deutschen Nationalmannschaft stehen, sondern in seiner auf den ersten Blick zusammengewürfelten "U 30"-Elf will der nach dem 2:1-Sieg in Tschechien hochgelobte Bundestrainer auch den fünf weiteren Neulingen um den Kölner Zweitliga-Torjäger Patrick Helmes eine Bewährungschance für die mittelfristige (EM) und langfristige Zukunft (WM 2010) geben.

"Es ist nicht die komplette Nationalmannschaft, aber es ist die Nationalmannschaft. Hier von einer A2 zu sprechen, wäre verkehrt", entgegnete Teammanager Oliver Bierhoff am Montag namhaften Kritikern wie "Bild"-Kolumnist Franz Beckenbauer, der nach der Freistellung von gleich acht gefeierten Tschechien-Gewinnern das Freundschaftsspiel gegen die Dänen als "einfach nur überflüssig" abqualifizierte. Die Sportliche Leitung um Löw verwies dagegen auf den nötigen Weitblick, mit dem sie für die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz planen müsse. "Bei der EM stehen 23 Mann im Kader. Wenn wir acht abziehen, bleiben 15 übrig. Wir können nicht nur immer auf die ersten Elf setzen, sie müde machen und die anderen Spieler haben keine Chance zu zeigen, was sie können", erläuterte Bierhoff.

"Dann kann man die Tonne zumachen"

Der Team-Manager hatte sogar extra eine Statistik als Beweisstück zur Hand, um die Pause der Leistungsträger wie Ballack, Frings oder Schneider zu rechtfertigen. "Die haben seit der WM über 4000 Minuten in der Nationalmannschaft oder ihren Vereinen gespielt", so Bierhoff. Den noch international aktiven Vereinen Bayern München, Werder Bremen und Bayer Leverkusen tat Löw einen Gefallen, der wiederum besonders die am Samstag im Bundesliga-Topspiel gegen Bayern antretenden Schalker auf den Plan rief. Denn Kuranyi muss - vermutlich sogar als Kapitän - gegen die Dänen ran. Auch Christoph Metzelder sitzt zumindest auf der Bank, obwohl er schon am Freitagabend wieder mit Borussia Dortmund im Abstiegskampf bei Arminia Bielefeld antritt.

Löw nimmt "Rücksicht auf die Gesamtbelastung", aber er könne auch nicht alle Wünsche erfüllen, stellte Bierhoff energisch klar: "Das ist schwachsinnig. Dann kann man als Bundestrainer die Tonne zumachen und es geht nur noch um Vereinsinteressen", polterte der DFB-Manager. Die Kooperation mit den Clubs geht ohnehin schon so weit, dass in Duisburg wohl eine Startelf auf dem Platz stehen wird, die zusammen lediglich 87 Länderspiele vorweisen kann. Dass die 30 500 Zuschauer in der ausverkauften MSV-Arena enttäuscht sein könnten, nicht ihre WM-Lieblinge zu sehen, könnte Bierhoff dennoch verstehen: "Natürlich kommen viele, um Michael Ballack zu sehen. Aber in Duisburg präsentieren sich Spieler, die sich für die EM zeigen wollen."

Enke mit acht Jahren Anlauf

Beim öffentlichen Training am Montagnachmittag durften ebenfalls 30 500 meist jugendliche Fans in der voll besetzten MSV-Arena schon einmal proberätseln, wer da statt Schweini oder Poldi über den Rasen rannte. Aus der Startelf von Prag werden gegen Dänemark nur Kuranyi und Marcell Jansen übrig bleiben. Für den 21-Jährigen kam ein Verzicht auf sein 14. Länderspiel überhaupt nicht in Frage: "Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, nach Gladbach zurückzugehen", sagte der vom deutschen Meister FC Bayern umworbene Linksfuß.

Hochmotiviert werden jedenfalls alle Akteure sein, die sich gegen die Dänen vor einem Millionen-TV-Publikum präsentieren dürfen. Am Montag zeichnete sich allerdings ab, dass für den Bremer Christian Schulz, der gerade erst von einem Muskelfaserriss genesen ist, wohl noch ein Akteur nachnominiert werden muss. Der erst am Sonntag berufene Leverkusener Simon Rolfes darf dagegen hoffen, nach nur drei Tagen im Kreise des Nationalteams gleich im defensiven Mittelfeld in der Startelf zu stehen. Ein Unterfangen, für das Team-Senior Enke immerhin einen Anlauf von acht Jahren benötigte.

Spannender Kampf um die Nummer 2

"Ich freue mich absolut", sagte der 29-Jährige, der schon beim Confederations Cup 1999 in Mexiko unter Teamchef Erich Ribbeck erstmals dabei gewesen war, aber nicht zum Einsatz kam. Danach verschwand er lange Zeit in der Versenkung. "Vor drei, vier Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich noch einmal ein Länderspiel machen würde", verriet Enke. Jetzt bekommt er die Chance, 90 Minuten lang im Kampf um die Nummer 2 hinter Jens Lehmann seine Position gegenüber dem Stuttgarter Timo Hildebrand zu verbessern. Allerdings ist auch Enke gespannt, wie die deutsche Verlegenheits-Elf sich präsentieren wird: "Es wird eine sehr spannende Geschichte."

DPA/kbe

Die voraussichtliche Aufstellung:

Enke - Castro, Madlung, Manuel Friedrich, Jansen - Rolfes - Fritz, Hitzlsperger - Trochowski - Kuranyi, Schlaudraff

Wissenscommunity