Portugal - Niederlande Sturm über den Windmühlen


Van Nistelrooy und van Bommel sollen aus der Start-Elf der Niederländer fliegen. Das sorgt vor dem Achtelfinal-Spiel gegen Portugal für mächtig Zoff. Figo & Co sehen sich dagegen als Favoriten.

Marco van Basten geht konsequent seinen Weg und nimmt dabei keine Rücksicht auf große Namen. Im Achtelfinale an diesem Sonntag (21.00 Uhr auf RTL) in Nürnberg gegen Portugal wird der Bondscoach wahrscheinlich seinen Stürmerstar Ruud van Nistelrooy (Manchester United) und Champions-League-Sieger Mark van Bommel (FC Barcelona) aus der Startelf verbannen. Beide durften beim Geheimtraining am Freitag in Freiburg nicht das orangefarbene Leibchen der "A"-Mannschaft überstreifen. Damit dürften die beiden das Spiel zunächst von der Ersatzbank aus verfolgen. Das ist besonders schmerzlich, weil es in diesem Spiel auch um eine "Revanche" geht für das Halbfinal-Aus der Niederländer bei der EURO 2004.

Angeblich soll es deswegen hinter verschlossenen Türen Streit und verbale Auseinandersetzungen zwischen dem Duo und van Basten gegeben haben. Der formschwache van Nistelrooy war erbost, weil der Trainer ihn einen Tag nach dem.0:0 gegen Argentinien öffentlich kritisierte und bessere Leistungen einforderte, ohne zuvor mit ihm zu sprechen. "Ruud ist ein Top-Stürmer. Deshalb kann man mehr von ihm verlangen, als er bisher gebracht hat", so van Basten, der schon am Donnerstag andeutete, dem quirligen Feyenoord-Stürmer Dirk Kuyt eine Chance zu geben: "Wir haben gute Einwechselspieler. Die Möglichkeit, dass Dirk spielt, ist größer geworden."

Ausbootung schon geahnt

Seine Ausbootung für die erste K.o.-Partie hatte der in allen drei Vorrundenspielen vorzeitig ausgewechselte van Nistelrooy schon geahnt. "Ich will jetzt nicht darüber nachdenken, ob ich am Sonntag noch zur ersten Elf gehöre", sagte der 29-Jährige, der sich nach dem Streit mit ManU-Teammanager Alex Ferguson bei der WM für einen neuen Arbeitgeber empfehlen will. Bayern München hatte bereits Interesse bekundet. Sein einziger WM-Treffer gelang dem Oranje-Angreifer (54 Spiele/28 Treffer) beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste. Ansonsten blieb er blass. Auch wenn ihm van Basten "gute Trainingsleistungen" bescheinigte und ihm nach dessen indiskutabler Leistung im Auftaktspiel gegen Serbien-Montenegro weiter das Vertrauen schenkte.

Trotz einer starken Partie gegen Argentinien muss auch HSV-Verteidiger Khalid Boulahrouz um seinen Platz bangen, den wieder Johnny Heitinga einnehmen könnte. Auch Teamkollege Rafael van der Vaart, ebenfalls in Diensten des HSV, stand gegen Argentinien 90 Minuten auf dem Feld, soll aber wieder den physisch stärkeren van Bommel im rechten Mittelfeld ersetzen und für die zuletzt vermissten Ideen gegen die spielstarke Elf von Luiz Felipe Scolari sorgen. "Deco, Cristiano Ronaldo und Figo sind herausragende Spieler. Aber wir haben mit Portugal noch zwei Rechnungen offen und viel Selbstvertrauen", sagte van der Vaart. Die Portugiesen verwehrten Oranje bei der EM nicht nur den Weg ins Finale, sondern verbauten ihnen auch die Qualifikation für die WM 2002 in Japan/Südkorea.

Portugal leicht favorisiert

Die Elf von Portugals Coach Scolari geht nach drei Vorrundensiegen leicht favorisiert in die Partie. Dennoch ist der Respekt groß. "Holland ist ein sehr schwieriger Gegner, der sehr gut organisiert ist und ein konsequentes Flügelspiel betreibt", sagte Scolari, der wieder auf seine beste Formation setzt. Der Brasilianer erwartet ein enges Match und ließ im Geheimtraining in Marienfeld für alle Fälle wie sein Kollege van Basten Elfmeter üben. "Wir können sie in 90 Minuten schlagen. Aber wenn wir ins Elfmeterschießen müssen, haben wir die richtigen Leute parat", sagte Mittelfeldakteur Maniche.

Beide Trainer können glänzende Serien vorweisen. Unter Scolari ist der Vize-Europameister seit 17 Spielen unbesiegt. Holland verlor in van Bastens Amtszeit von 24 Partien nur eine, im vorigen November gegen Italien. Der 57-jährige Scolari, der vor vier Jahren Brasilien zum Titel führte, schätzt den mit 41 Jahren jüngsten Trainer bei der WM: "Van Basten verrichtet ausgezeichnete Arbeit."

Ulli Brünger und Morten Ritter, DPA DPA

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