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Die Weltmeister in der Feier-Einzelkritik: Vom Partymuffel bis zum Feierbiest

Erst die Feier im Hotel in Rio, jetzt der rauschende Empfang in Berlin: Die deutschen Weltmeister haben kräftig gefeiert. Doch wer ist welcher Partytyp? Die Nationalspieler in der Feier-Einzelkritik.

Von Tim Schulze

Das Feierbiest

Das Feierbiest zeichnet sich durch maximalen Einsatz aus. Es trinkt, tanzt und explodiert vor positiver Energie. Das Feierbiest reißt andere mit und hat – zumindest auf der Party – ein so großes Ego wie der Ex-Bayern-Coach Louis van Gaal, der das schöne Wort im Deutschen einführte.

Thomas Müller

ist so ein Feierbiest, keine Frage. Der erfolgreichste deutsche Torschütze bei der WM feiert Partys wie in Berlin genauso wie er Fußball spielt: wild, anarchisch und immer mit einem Spruch auf den Lippen. Überraschenderweise hat sich auch

Per Mertesacker

bei den WM-Feiern in Rio und Berlin als fröhlich trinkende Stimmungskanone gezeigt. Vor allem seine abgedrehte Tanzperformance in der Nacht nach dem Finale wird in Erinnerung bleiben. Auf dem DFB-Video wirkte wie ein Hippie beim Trance-Festival. Und wer hätte gedacht, dass

Benedikt Höwedes, Christoph Kramer (trotz seiner Kopfschmerzen) und Shkodran Mustafi

ebenfalls echte Partylöwen sind?

Der Scherzkeks

Scherzkekse fallen dadurch auf, dass sie permanent Witze machen, kichern und nur glücklich sind, wenn die anderen mitlachen.

Von diesem Partytyp gibt es zwei in der Nationalelf. Einer von ihnen ist, logisch,

Lukas Podolski.

Der Angreifer von Arsenal London hatte schon vor dem Finale ein Dauergrinsen im Gesicht. Seit dem WM-Gewinn wirkt es wie festgefroren. Poldi postet fleißig, dreht kleine Filmchen von allem und jedem und ist immer in bester Stimmung. Etwas anders sieht es bei

Kevin Großkreutz

aus. Es ist nicht exaltiert, sondern der stille Witzbold. In Berlin bot er einer Polizistin einen Schluck aus seiner Bierflasche an. Außerdem ist sein Dönerwurf von Köln mittlerweile ein Running Gag unter den Teamkollegen. Der Schalker Julian Draxler sang vor Hunderttausend Fans in Berlin: "Großkreutz, rück‘ den Döner raus." (Melodie: "Ja, mir san mit'm Radl da")

Der Coole

Der coole Typ hat ein heißes Herz, nur zeigt er es nicht offen. Er macht seiner Umwelt deutlich, dass ihm keiner was kann. Er ist ein Meister der Pose, der auf seinen Stil achtet. Wichtigstes Accessoire ist die Sonnenbrille.

In dieser Kategorie tummeln sich die meisten Nationalspieler.

Mario Götze

zum Beispiel, aber auch

Sami Khedira, André Schürrle, Mesut Özil, Toni Kroos, Manuel Neuer und Jerome Boateng.Julian Draxler

wagte in Berlin die ersten Gehversuche als cooler Hund, wirkte jedoch schülerhaft. Da ist Götze weiter. Wie er auf der Bühne mit leicht vorgeschobener Sonnenbrille und tiefer Stimme lässig über sein Final-Tor plauderte, war große Kunst.

Der Vernünftige

Klar, der Vernünftige feiert schon, tanzt auch mal locker, aber Ekstase und Kontrollverlust kennen die Typen nicht. Nach dem dritten Bier ist Schluss. Der Vernünftige ist selbst am späten Abend in der Lage, ein konsistentes Gespräch zu führen.

In dieser Kategorie tummeln sich die die Oldies des Nationalteams.

Kapitän Philipp Lahm

ist in allem, was er tut, wahrscheinlich sehr vernünftig. Er feierte mit, deutete eine Luftgitarre an und trank auch ein bisserl. Doch irgendwie wirkte er dabei nicht anders als sonst.

Bastian Schweinsteiger

war mit seinem von argentinischen Fouls gepeinigten Körper gar nicht in der Lage, eine wilde Party zu feiern. Immerhin führte er die Polonaise an. Und

Miro Klose

ist mit 36 Jahren längst raus aus dem Partyalter. Klose angelt lieber.

Der Partymuffel

Der Partymuffel will oder kann nicht feiern. Er findet es lächerlich, wenn die Kollegen aus sich herausgehen. Der Partymuffel kommt schlicht nicht auf Betriebstemperatur.

Erster Kandidat für die Kategorie ist

Mats Hummels.

Der Dortmunder Beau ist in höchstem Maße emotional kontrolliert, ein Kopfmensch. Seine Äußerungen nach dem großen Finalsieg klangen, als würde ein Abteilungsleiter nüchtern eine erfolgreiche Bilanz verkünden. Und so feiert er auch. Wildes Party-Gehobse sah man bei Hummels nicht.

Roman Weidenfeller

kam nur bei Helene Fischer in Form. Ähnlich blass blieben

Ron-Robert Zieler, Matthias Ginter und Erik Durm.

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