HOME

Stern Logo Olympia 2014

Unfall von Felix Neureuther: Staatsanwalt ermittelt wegen Unfallflucht

Slalom-Ass Felix Neureuther ist auf dem Weg nach Sotschi mit dem Auto verunglückt. Er prallte gemeinsam mit Freundin Miriam Gössner bei Blitzeis an die Leitplanke. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Skirennläufer Felix Neureuther ist auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen durch einen Autounfall gestoppt worden. Statt nach Sotschi zu fliegen, musste die deutsche Medaillenhoffnung am Freitag zur Untersuchung zum Arzt. Der 29-Jährige war am frühen Morgen auf dem Weg zum Münchner Flughafen mit seinem Wagen auf der Autobahn ins Rutschen gekommen und gegen eine Leitplanke geprallt. Sohn Felix habe selbst weiterfahren können, berichtete Vater Christian Neureuther. Auch daraus zog der frühere Skirennfahrer die Hoffnung, dass sein Sohn körperlich einigermaßen glimpflich davon gekommen ist.

Der WM-Zweite im Slalom erlitt nach erster Diagnose ein Schleudertrauma und eine Zerrung des Bandapparates. Schnell suchte er die Praxis von FC-Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt auf. "Er will alle therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten abklären", erklärte der deutsche Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel. "Wir können froh sein, dass wir drüber diskutieren, ob er einen Tag später kommt", betonte der Coach in der ARD. Neureuther wurde geröntgt und unterzog sich einer Kernspintomographie. "Es geht mir den Umständen entsprechend gut", sagte Neureuther. "Ich fliege morgen nach Sotschi."

Ebenfalls mit im Unfallauto war seine Freundin, die Biathletin Miriam Gössner. "Uns ist Gott sei Dank nichts Schlimmes passiert", sagte sie der Tageszeitung "tz". Gössner, die wegen ihrer Rückenverletzung in Sotschi nicht starten kann, rief die Polizei in Garmisch-Partenkirchen an, um den Unfall zu melden. "Das Glatteis kam aus dem Nichts" sagte sie. "Das war nicht vorherzusehen. Zum Glück war es noch so früh und keine weiteren Autos waren unterwegs."

Staatsanwalt hat Ermittlungen aufgenommen

Nun könnten dennoch juristische Folgen auf Neureuter zukommen. Die Staatsanwaltschaft München II hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Unfallflucht eingeleitet. Dies teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd mit. Das Ermittlungsverfahren richte sich gegen den Fahrer des Unfallwagens. Es müsse geklärt werden, in welchem zeitlichen Abstand zum Unfall die Polizei in Garmisch-Partenkirchen darüber informiert wurde.

Auf der Autobahn 95 zwischen Wolfratshausen und Schäftlarn habe die Polizei den mutmaßlichen Unfallort gefunden, sagte der Polizeisprecher. An der Mittelleitplanke sei ein geringer Sachschaden von höchstens 500 Euro entstanden. Kleinere Fahrzeugteile wurden sichergestellt. Sie sollen nun in München mit dem Auto von Felix Neureuther abgeglichen werden.

Einer Anreise nach Sotschi steht aber nichts im Wege. "Natürlich darf er nach Sotschi reisen", sagte der Sprecher. "Wir haben die besten Wünsche für ihn, dass er seinen Traum erfüllen kann." An dem Verkehrsunfall sei ja kein anderes Fahrzeug beteiligt gewesen und niemand verletzt worden.

Twitter-Aufmunterung von Freund Hirscher

Anteil an den Geschehnissen nahm auch der große Slalom-Konkurrent aus Österreich. "Felix Neureuther, was machst du für Sachen?! Sieh zu, dass du rasch fit wirst. Ich drücke dir die Daumen!!! Alles Beste, freue mich auf dich", postete Weltmeister Marcel Hirscher. Daumen drückte auch WM-Torschützenkönig Thomas Müller. "Hoffentlich ist es nicht so schlimm und es klappt mit der Medaille in Sochi. Der Herminator hat`s damals auch geschafft... Kopf hoch, Felix und GUTE BESSERUNG!", schrieb der Fußball-Nationalspieler auf seiner Facebook-Seite.

Unfall auf der A 95 bei Starnberg

Der Unfall geschah auf der Autobahn 95 bei Starnberg auf dem Weg zum Münchner Flughafen. Von dort wollte der Skirennfahrer zu seinen dritten Winterspielen starten. "Er ist auf schneeglatter Autobahn in der Nähe von Starnberg gegen die Leitplanke gefahren. Er konnte die Fahrt selbst fortsetzen und ist jetzt in Behandlung", bestätigte Klaue.

Neben Maria Höfl-Riesch, die Gold in der Super-Kombination gewann, ist Neureuther die größte Medaillenhoffnung der deutschen Alpinen bei den Wettbewerben im "Rosa Chutor"-Alpinzentrum. Dort soll er in der kommenden Woche Mittwoch im Riesenslalom und nächsten Freitag im Slalom an den Start gehen. Drei Weltcupsiege und insgesamt fünf Podestplätze stehen beim Technik-Ass in dieser Saison zu Buche. Der Amerikaner Ted Ligety zählte seinen Kumpel aus Bayern ers am Donnerstag zu den "Siegfavoriten im Slalom" und bescheinigte "eine sehr gute Chance im Riesenslalom".

Viel Pech in der Olympia-Saison

In der Olympia-Saison hatte Neureuther schon viel Pech. Nach einer Operation Anfang Juni am linken Sprunggelenk hatte er große Probleme mit der Wundheilung. Statt zwei Wochen dauerte der Genesungsprozess mehr als vier Monate. Das obligatorische Trainingslager in Neuseeland musste er daher absagen. Erst im September kehrte er wieder ins Schneetraining zurück. Beim Konditionstraining Anfang Oktober knickte Neureuther um und erlitt einen Bänderanriss im rechten Sprunggelenk. Diese Blessur handicapte ihn jedoch nicht weiter.

Weiter gebremst wurde der achtmalige Weltcupsieger im Dezember. Im Slalomtraining erlitt der Partenkirchener Rückenprellungen und einen knöchernen Kapselausriss am rechten Daumen. Danach fuhr er mit einer Schiene dennoch überaus erfolgreich.

Am Vorabend hatte Neureuther auf Facebook noch ein Foto mit einem Hund und den Worten "Noch träum ich von Olympia! "Morgen um 7Uhr geht der Flieger nach Sotchi, good night".

kng/DPA / DPA

Wissenscommunity