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Olympia-Slalom: Marcel Hirscher: Sein Scheitern ist eine Sensation

Das Scheitern von Marcel Hirscher im Slalom ist eine gewaltige Überraschung genau wie der Triumph von André Myrher aus Schweden. Erstmals seit zwei Jahren fährt der Österreicher ein Rennen nicht zu Ende.

Schluss, aus, vorbei: Marcel Hirscher kommt im Olympia-Slalom nicht ins Ziel

Schluss, aus, vorbei: Marcel Hirscher kommt im Olympia-Slalom nicht ins Ziel

Den olympischen Skirennen drohte das Schlimmste, was einer weltweit beachteten Veranstaltung passieren kann: Langeweile. Die Favoritenrollen waren eben sehr klar verteilt. Bei den Frauen würde Mikaela Shiffrin (USA) im Slalom und Riesenslalom Gold holen und bei den Männern Marcel Hirscher aus Österreich triumphieren.

Als Erste scheiterte Shiffrin. Sie holte zwar Platz eins im Riesenslalom, ging aber im Slalom leer aus, ihrer Paradedisziplin. Die größte Stabilität trauten Experten dem 28 Jahre alten Hirscher zu. Dieser Teufelskerl aus Hallein im Salzburger Land, sechsfacher Weltmeister, 55 Weltcupsiege, hat halt Nerven aus Stahl. Leistungssdruck? Macht ihm nichts aus. Heizt die Pisten runter, während der Konkurrenz vor Nervosität die Knie schlottern. Doch das Naturgesetz, wonach sich der Rest der Welt nach Leibeskräften müht und am Ende doch immer Hirscher gewinnt, galt nur bis zu diesem Donnerstagmorgen, Ortszeit Pyeongchang.

Marcel Hirscher scheidet im ersten Slalom-Lauf aus

Dann unterlief Hirscher ein krasser Fahrfehler im Yongpyong Ski Resort, und er schied schon im ersten Durchgang des Slaloms aus. Es ist die bislang wohl größte Überraschung der Winterspiele – zuletzt hatte Hirscher vor zwei Jahren in Japan ein Rennen nicht zu Ende gebracht. „Ich habe alles probiert“, sagte Hirscher und machte auch Materialprobleme für sein Scheitern verantwortlich: „Meine Ski funktionieren super, nur halt hier nicht. Es ist auch mein Fahrstil, der dazu beiträgt. Ich fahre sehr kraftvoll mit kurzem Abdruck. Heute sind die vorne, die es mehr mit Gefühl machen können. Ein Gefühlsskifahrer bin ich halt nicht.“ 

Trotz Slalom-Aus verlief Olympia für Marcel Hirscher mehr als erfolgreich: Er holte zwei Mal Gold

Trotz Slalom-Aus verlief Olympia für Marcel Hirscher mehr als erfolgreich: Er holte zwei Mal Gold


Hirschers unerwartetes Aus war die große Chance für Henrik Kristoffersen, seinen ärgsten Verfolger. Kristoffersen ist seit Jahren die Nummer zwei in der Welt; selten gelingt es dem Norweger, Hirscher zu schlagen – auch wenn er noch so viel riskiert. Aber auch der 23 Jahre alte Technikspezialist leistete sich einen fatalen Fehler. Als Führender des ersten Durchgangs hätte er seinen Lauf nur noch „runterbringen“ müssen, wie das im Ski-Jargon heißt, doch nach wenigen Sekunden war der Traum vom Gold beendet. Kristoffersen fädelte ein, umkurvte also eine Slalomstange nicht sauber, und schied aus.

André Myrher aus Schweden holt überraschend Olympia-Gold

Und so wurde ein Athlet Olympiasieger, dessen Karriere sich schon dem Ende entgegen zu neigen schien: André Myrher, 35, aus Bergsjö (Schweden) stand am Donnerstagnachmittag, 16 Uhr, ganz oben auf dem Podium. Immerhin fand sich auf dem „Stockerl“, wie die Österreicher zu sagen pflegen, mit Michael Matt doch noch ein Athlet aus dem Team Austria wieder. Matt, 24, holte Bronze; Silber ging an den Schweizer Ramon Zenhäusern, 25.
Myrher, der Überraschungssieger in einem mit Überraschungen reichlich garnierten olympischen Slalom, sagte: „Ich habe mein Herz heute auf die Piste gelegt. Ein Traum wird wahr für mich.“

Für Schweden war es die erste Goldmedaille im Männer-Bereich seit Ingemar Stenmark, dem bis heute erfolgreichsten Skifahrer der Welt. „Ingemar ist eine Institution in Schweden“, sagte Myhrer, „es ist eine große Ehre für mich, mit ihm in einer Reihe zu stehen.“ Myrher, Gewinner der Slalom-Wertung 2012, spielte seine ganze Erfahrung aus mittlerweile 14 Jahren im Weltcups aus im letzten Einzelrennen der Winterspiele 2018. Er blieb locker, fuhr mutig, aber nicht aggressiv – und stach damit Hirscher und Kristoffersen aus, die an diesem windigen Wintertag in Pyeongchang alles wollten und alles verloren.