Leichtathletik-EM Vier Medaillen für das deutsche Team


Leichtathletik-EM, Tag 5: Diskus-Hoffnung Robert Harting ist ins Finale eingezogen, während die 100-Meter-Damenstaffel patzte und draußen ist. Kräftig gejubelt wurde am Abend, als es vier Medaillen für die deutsche Mannschaft gab.

Kugelstoßer Ralf Bartels hat am vorletzten Tag der Leichtathletik-EM in Barcelona die achte Medaille für Deutschlands Leichtathleten gewonnen. Mit 20,93 Meter im letzten Versuch holte der Neubrandenburger Bronze und verpasste Gold nur um neun Zentimeter. 2006 hatte Bartels noch den Titel geholt. Gold gewann diesmal mit 21,01 Meter Weißrusslands Ex-Weltmeister Andrej Michnewitsch, Silber holte mit exakt 21 Metern Polens Olympiasieger Tomasz Majewski. Auf Platz fünf landete nach einer Halswirbelblockade vom Vortag in der Qualifikation der erst 20 Jahre alte Chemnitzer Junioren-Weltmeister David Storl mit guten 20,57 Metern.

Wenig später zog Carolin Nytra nach. Die 25 Jahre alte Bremerin belegte nach 12,68 Sekunden über 100 Hürden Meter hinter der Türkin Nevin Yanit (12,63) und der Irin Derval O'Rourke (12,65) Platz drei. Für Nytra war es nach vier deutschen Meistertiteln die erste Medaille bei einem internationalen Großereignis. Yanit holte bei dieser EM schon die zweite Goldmedaille für die Türkei. Nadine Hildebrand aus Stuttgart wurde nach 13,08 Sekunden Achte.

Kurz darauf durfte auch Siebenkämpferin Jennifer Oeser über Bronze jubeln. Mit 6683 Punkten stellte die 26-jährige Leverkusenerin eine persönliche Bestleistung auf und erzielte dabei den besten Wert einer DLV-Athletin seit dem WM-Sieg der Wattenscheiderin Sabine Braun 1997 in Athen. Gold ging wie erwartet an Weltmeisterin Jessica Ennis aus Großbritannien (6823), Silber holte sich Olympiasiegerin Natalja Dobrynska aus der Ukraine (6778). Als weitere DLV-Athletinnen kamen Maren Schwerdtner aus Hannover mit 6167 Punkten auf den neunten und die Frankfurterin Claudia Rath mit 6107 Zählern auf den elften Rang.

Der erfolgreiche Abend wurde schließlich völlig überraschend von Speerwerfer Matthias de Zordo mit der insgesamt elften deutschen Medaille abgeschlossen. Er holte mit der persönlichen Bestleistung von 87,81 Metern Silber hinter Weltmeister und Olympiasieger Andreas Thorkilsen (88,37) und vor dem Finnen Tero Pitkämäki (86,67).

Blamable Stabhochspringer

Damit hat Deutschland bei dieser EM jetzt drei Gold- vier Silber- und vier Bronzemedaillen geholt - Platz vier im Medaillenspiegel hinter Russland, Frankreich und Großbritannien. Die Stabhochspringer konnten die Bilanz nicht aufpolieren. Ihr Abschneiden war blamabel und sie beendeten die Europameisterschaft erstmals seit 16 Jahren ohne Medaille.

Begonnen hatte der fünfte Tag in Barcelona alles andere als gut: Ein Wechselfehler zwischen Anne Möllinger und 100-m-Europameisterin Verena Sailer brachte Deutschland in der 4x100-m-Staffel der Damen um eine weitere Goldchance. Nach einem guten Start von Yasmin Kwadwo und Marion Wagner hatte das deutsche Quartett klar auf Finalkurs gelegen. Doch beim letzten Wechsel lief Möllinger ein wenig zu dicht auf Sailer auf. Die 100-Meter-Einzelsiegerin griff ans Handgelenk ihrer Teamkollegin statt an das Staffelholz, und in der Folge fielen Möllinger und der Stab zu Boden. "Keine Ahnung, warum ich plötzlich auf dem Boden lag", sagte die 24-Jährige mit Tränen in den Augen. "Ich hatte mich so konzentriert, ihr das Holz in die Hand zu legen, und plötzlich habe ich nur noch die blaue Bahn gesehen."

Wie Sailer den Unglücksmoment schildert

"Ich habe den Stab leicht gespürt, aber an der Außenkante der Hand, nicht in der Hand. Es wäre total falsch, Anne jetzt die alleinige Schuld zu geben. Wenn, dann sind wir beide schuld", meinte Verena Sailer, die in der Vereinsstaffel als eingespieltes Duo zusammen mit Möllinger an der gleichen Position läuft. Sailer, die das 100-m-Finale in 11,10 Sekunden gewann, hatte bereits im EM-Finale 2006 in Göteborg zusammen mit Kathleen Tschirch einen zur Disqualifikation führenden Wechselfehler produziert.

Auf der Strecke blieb auch ein früherer Weltstar. Merlene Ottey scheiterte mit Sloweniens 4x100-m-Quartett als Vorlaufsiebter in 44,30. Mit 50 Jahren ist die gebürtige Jamaikanerin die älteste EM-Teilnehmerin aller Zeiten. Sie hatte ihren Ü50-Weltrekord über 100 m als nationale Vizemeisterin dieses Jahr auf 11,67 verbessert. Die zweimalige 200-m-Weltmeisterin gewann in ihrer Karriere 23 Medaillen bei Olympia (erste Teilnahme 1980 in Moskau) und Weltmeisterschaften. Für olympisches Gold langte es aber nie. Dafür gab es in Barcelona jede Menge Rummel um Ottey.

Harting wirft am weitesten

Während die Litauerin Zivile Balciunaite (2:31:14 Stunden) noch auf dem Weg zu ihrem Marathon-Gold war und die WM-Zweite Jennifer Oeser dem möglichen Bronze im Siebenkampf entgegenstrebte, schafften Diskus-Weltmeister Robert Harting mit starken 66,93 m und die drei anderen deutschen Staffeln den Einzug in die Finals am Sonntag.

Harting hätten auch seine 63,17 m vom ersten Versuch zum Weiterkommen gereicht. Doch der Berliner legte im zweiten Durchgang mit 66,93 m nach und erzielte damit die größte Weite aller vor Estlands Olympiasieger Gerd Kanter. Harting: "Ich bin in der Kürze der Zeit heute morgen noch nicht richtig warm geworden, deshalb lief es anfangs ein wenig ruppig. Mit dem zweiten Wurf bin ich zufrieden. Damit kann ich beruhigt ins Finale gehen." Weiter kam auch Martin Wierig als Neunter mit 62,57 m. Dagegen scheiterte Markus Münch als 24. mit schwachen 58,81 m. Harting verlor auch einen seiner drei Rivalen um Gold: Der Ungar Zoltan Kövago schied mit 59,04 m aus.

Dagegen erreichten die Männer auf der gleichen Distanz in 38,75 Sekunden als Schnellste der beiden Vorläufe das Finale und auch beide 4x400-m-Staffeln jeweils als Vorlaufzweite.

ben/SID/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker