Arbeitsmarkt Glos glaubt an Vollbeschäftigung


Nach vielen Jahren der Massenarbeitslosigkeit halten Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften Vollbeschäftigung wieder für möglich. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) meint, Deutschland sei auf dem besten Weg dorthin. Zugleich warnt er vor einem gesetzlichen Mindestlohn.

Nach langen Jahren der Massenarbeitslosigkeit halten Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften wieder Vollbeschäftigung für möglich. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte der "Bild am Sonntag", Deutschland sei auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung. "Wir haben 1,6 Millionen Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt. Jeden Tag entstehen 1.400 neue Arbeitsplätze." Wenn nun die Weichen richtig gestellt würden, "ist nach meiner Meinung Vollbeschäftigung im nächsten Jahrzehnt zu erreichen", erklärte Glos.

"Finger weg vom gesetzlichen Mindestlohn"

Er warnte aber vor Mindestlöhnen. "Wer flächendeckende Mindestlöhne fordert, den Jobmotor Zeitarbeit abwürgt und Arbeit immer teurer macht, der akzeptiert die Rückkehr zu fünf Millionen Arbeitslosen und zur unerträglichen Sockelarbeitslosigkeit der letzten 20 Jahre." Ähnlich äußerte sich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die Reformen der Agenda 2010 hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass in den letzten beiden Jahren über eine Million neue Arbeitsplätze entstanden seien. "Wir sind damit der Vollbeschäftigung ein beträchtliches Stück nähergekommen", stellte er fest. Die Politik müsse diesen erfolgreichen Weg jetzt fortsetzen, statt den Parolen der Linkspartei hinterherzulaufen, verlangte Hundt: "Also: Finger weg vom gesetzlichen Mindestlohn, der Arbeitsplätze und Existenzen zerstört. Und: Wir brauchen optimale Bildungschancen für alle."

Mit Vollbeschäftigung ist gemeint, dass die Zahl der offenen Stellen in einer Volkswirtschaft mit der Zahl der Arbeitssuchenden übereinstimmt. Das heißt: Alle arbeitswilligen Arbeitnehmer können dann einen zumutbaren Arbeitsplatz finden.

Die Gewerkschaften glauben ebenfalls an Vollbeschäftigung, setzen aber auf andere Instrumente. "Vollbeschäftigung ist nötig und möglich. Über drei Millionen neue Jobs gibt es aber nur durch eine andere Politik", erklärte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. "Denn mehr Druck auf Arbeitslose, niedrigere Steuern für Reiche sowie gekürzte Renten - Politik der Agenda 2010 - schaffen keinen einzigen neuen Arbeitsplatz." Stattdessen brauche es mehr öffentliche Investitionen in Bildung, Forschung und Umwelt. "Zudem helfen Mindestlöhne und kräftige Tariflohnsteigerungen, um die hartnäckige Konsumflaute zu überwinden."

Rürup: Mittelfristig kann Arbeitslosenquote auf drei bis vier Prozent sinken

Optimistisch zeigte sich auch Bert Rürup, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen: "Vollbeschäftigung in Deutschland ist möglich. Mittelfristig kann die Arbeitslosenquote auf drei bis vier Prozent gesenkt werden." Erforderlich dazu wären laut Rürup Tarifabschlüsse, die sich am gesamtwirtschaftlichen Verteilungsspielraum orientieren, die Weiterentwicklung des Arbeitslosengelds II zu einem Kombilohnmodell sowie eine weitere Reduzierung der im internationalen Vergleich hohen Belastung der Löhne mit Sozialabgaben.

Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, gab sich zurückhaltender. Eine Gesellschaft ganz ohne Arbeitslosigkeit werde es wohl nie geben. "Deshalb sind Vorsorge und Respekt für Arbeitslose weiterhin nötig", meinte er. Aber eine hohe Beschäftigungsrate sei verpflichtend. Der Schlüssel dazu liege im Zugang zu möglichst guter Bildung für alle. "Darüber hinaus sollten sich gerade Unternehmen, die von der Globalisierung profitieren, für den Standort Deutschland einsetzen und hier Arbeitsplätze schaffen."

Am Dienstag gibt die Bundesagentur für Arbeit die neue Arbeitslosenzahl bekannt. Nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten gegenüber "Bild am Sonntag" ist sie im März um mindestens 100.000 gesunken, und zwar auf rund 3,5 Millionen. Dies sind 600.000 Erwerbslose weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote dürfte damit unter 8,5 Prozent fallen.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker