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Erste Gespräche: Opel erwartet GM-Chef Henderson

General-Motors-Chef Fritz Henderson wird in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim erwartet. Mit im Gepäck soll er ein Zukunftskonzept haben. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle ist skeptisch, ob GM "über Nacht neue Ideen hat".

Der Chef der Opel-Mutter General Motors (GM) will im Laufe des Montags mit dem Management der angeschlagenen deutschen Tochter in Rüsselsheim zusammenkommen. Mit dabei hat Fritz Henderson eine erste Vorlage für ein Zukunftskonzept für Opel, das der Autokonzern auch mit dem Betriebsrat abstimmen will. An den kommenden Tagen wird sich der Manager auch mit dem Opel-Betriebsrat über die erforderlichen Einschnitte zur Restrukturierung des Autobauers beraten.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hält es für ungewiss, ob General Motors rasch ein tragfähiges Konzept für die Zukunft von Opel vorlegen kann. "Ich bin auch sehr skeptisch, ob das Unternehmen, das so fehlgehandelt hat, jetzt über Nacht neue Ideen hat", sagte der FDP-Politiker am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Mit Blick auf einen Antrag auf neue Staatshilfen sagte der Minister: "Der muss pflichtgemäß geprüft werden, Ausgang völlig offen. Es gibt keinen Anspruch auf Zusage." Auf die Frage nach einer Garantie für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Opel in Deutschland, sagte er: "Das kann ich nicht garantieren. Das kann niemand garantieren." Die Bundesregierung werde sich darum bemühen. Zu einer möglichen geordneten Insolvenz von Opel, die sein Amtsvorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einst ins Spiel gebracht hatte, sagte er: "Das muss das Unternehmen letztlich selbst entscheiden."

Koch: Keine deutschen Hilfen für Opel in Anspruch nehmen

Angesichts des geplatzten Magna-Deals empfahl der hessische Ministerpräsident Roland Koch GM, keine deutschen Hilfen für Opel in Anspruch zu nehmen. "Es passt einfach nicht zusammen, erst alles selber machen zu wollen und dann dem Steuerzahler in Deutschland und Europa die Rechnung zu stellen", sagte der CDU-Politiker dem Magazin "Focus". Natürlich könne GM Anträge auf Staatshilfe stellen. "Diese würden aber kritisch geprüft, weil es um Steuergeld geht", sagte er den "Ruhr Nachrichten". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte durchblicken lassen, dass er zu weiterer staatlicher Hilfe für Opel bereit wäre. Aus Brüssel kamen jedoch mahnende Worte: Es bestehe kein Zweifel daran, dass eine an einen Arbeitsplatzerhalt geknüpfte Staatshilfe "kaum mit den Binnenmarktregeln in Einklang zu bringen sein dürfte und deshalb von Brüssel nicht akzeptiert wird", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes der "Berliner Zeitung".

Nach dem Rückzug von GM-Europachef Carl-Peter Forster hatte GM am Wochenende überraschend versöhnliche Signale gesandt. So soll das Europageschäft um Opel künftig nach Möglichkeit von einem Europäer geführt werden, damit die Spannungen nicht noch weiter eskalieren. Ein Kompromiss könnte der aus Wien stammende Magna-Manager Herbert Demel sein. Bis ein geeigneter Kandidat gefunden wird, könnte es eine Übergangslösung geben, um ein Machtvakuum zu verhindern. Als vorübergehender neuer GM-Europachef wird der GM-Manager Nick Reilly gehandelt. Er gilt harter Sanierer.

GM will Opel mehr Eigenständigkeit erlauben

Zudem will GM der deutschen Tochter künftig mehr Eigenständigkeit erlauben. Opel soll demnach künftig etwa über neue Modelle selbst entscheiden dürfen. Jeder bei GM wisse, dass Opel mehr Kontrolle über Unternehmensentscheidungen bekommen müsse. Damit kommt GM dem europäischen Opel-Betriebsrat entgegen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz hatte vergangene Woche gefordert, dass die Adam Opel GmbH in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt wird. "Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird." Dies sei eine Vorbedingung für die Verhandlungen über die Restrukturierung des Autobauers.

In dieser Woche soll es außerdem weitere Gespräche zwischen dem Chefunterhändler von General Motors, John Smith, und Vertretern der Bundesregierung geben.

General Motors will gut 10.000 der mehr als 50.000 Jobs in Europa streichen. Bedroht ist insbesondere das Werk im belgischen Antwerpen. Hingegen hat GM für den Standort Bochum, der lange auf der Streichliste des US-Konzerns stand, inzwischen ein neues Konzept erarbeitet. Nach GM-Angaben ist aber noch nichts entschieden. Man strebe eine Einigung mit dem Opel-Betriebsrat an. Fest stehe lediglich, dass die Fixkosten um 30 Prozent gesenkt werden müssten.

DPA/AP / AP / DPA