28. Oktober 2007, 08:53 Uhr

Silberpfeil ohne Stern

Die Spione auf der Nordschleife hatten es schon lange befürchtet, dass japanisches Unheil drohe. Seit zwei Jahren ist der Nissan Skyline GT-R weltweit auf Entwicklungstour. Die Weltpremiere wird vielen Angst machen. Von Stefan Grundhoff

Ein Ruf wie Donnerhall: Der Nissan Skyline GT-R ist sehr schnell und hoch technisiert©

Nein, noch geht in Stuttgart und München nicht das Heulen und Zähneklappern los. Denn, dass ein neuer Skyline auf Erde herabschweben würde, war schon seit langen bekannt. Der Vorgänger, in Europa nur etwas für ausgesprochene Asienkenner, hatte sich bei zahlreichen Rundstreckenrennen in den 90er Jahren bereits einen Namen wie Donnerhall erarbeitet. Der asiatische Supersportler war auch in Europa nur als Rechtslenker zu bekommen. In England sind es Raritäten, in Deutschland gibt es kaum eine Handvoll - alles Eigenimporte. Das dürfte beim neuen Nissan Skyline GT-R, der auf der 40. Tokyo Motor Show seine Publikumspremiere feierte, anders werden.

Zwar startet auch der Neuling erst am 6. Dezember in Japan, kommt dann über die USA auch in Europa auf den Markt; jedoch wohl erst Anfang 2009. Diesmal als Linkslenker und mit einem neu entwickelten und doppelt aufgeladenen V6-Triebwerk mit 480 PS. Der Nissan GT-R legte auf der Eifel-Achterbahn rund 5.000 Kilometer im Renntempo zurück. Dabei fuhren die Testpiloten konstant Rundenzeiten von knapp unter acht Minuten.

Die Nordschleife durchflog der Asiate in 7,38 Minuten©

Schnell, sehr schnell

480 PS und Allradantrieb - kennt man auch vom Porsche 911 Turbo. Ein weiterer Konkurrent, der neue BMW M3, der in Tokio erstmals als Limousine zu bewundern ist, kann gerade einmal 420 PS aufbieten. Die Konkurrenz hat gerade in Europa und den USA imposante Imagevorteile. Doch auf der Rennstrecke dürften sich am neuen Skyline GT-R viele die Zähne ausbeißen. Zudem kostet er nicht einmal 50.000 Euro. Er ist schnell, sehr schnell und hoch technisiert. Der 3,8 Liter große Sechszylinder mit doppelter Turboaufladung leistet 353 kW/480 PS bei 6.400 U/min. Das maximale Drehmoment von 588 Nm liegt zwischen 3.200 und 5.200 Touren an. Die Schaltvorgänge geschehen Dank neuem Doppelkupplungsgetriebe in Millisekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei weit über 300 km/h, wobei der Durchschnittsverbrauch bei kaum mehr als acht Litern SuperPlus auf 100 Kilometern liegen soll. Die Quadratur des Kreises?

Renault-Nissan-Imperator Carlos Ghosn war vor Monaten eigens an den Nürburgring geeilt, um sich bei der letzten Abnahmefahrt ein eigenes Bild vom unspektakulär designten Kraftprotz zu machen. Vom Flughafen zur Rennstrecke verzichtete Ghosn auf die geplante Shuttle-Limousine und chauffierte den getarnten Prototypen eigenhängig in die Grüne Hölle. Die Eifel schloss den neuen Asienrenner gleich ins Herz und belohnte Piloten, Entwickler und den stolzen Carlos Ghosn gleich mit einer Fabelzeit. Die Nordschleife wurde in 7,38 Minuten durchflogen - der Nissan Skyline GT-R ist seitdem der schnellste Serienproduktionswagen auf dem Eifel-Geschlängel.

Technisches Flaggschiff

Mit einem Augenzwinkern weisen die Nissan-Entwickler darauf hin, dass es im Nordschleifen-Teilstück "Kesselchen" noch etwas nass war. "Der neue Nissan GT-R ist ein ungewöhnlicher Wagen, ein technisches Flaggschiff, das Nissans Begeisterung für das Auto ausdrückt", sagt Carlos Tavares, Executive Vice President für Unternehmens- und Produktplanung. "Er ist auf Höchstleistungen unter allen Bedingungen ausgelegt. Kein anderes Auto bietet diese Kombination aus Geschwindigkeit, Komfort, universellem Einsatzbereich, unverwechselbarem Design und exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie seine Vorgänger, die das berühmte GT-R-Emblem trugen, ist auch der neue GT-R ein technisches Wunderauto mit zahlreichen Stärken. Daher sagen wir: Er ist für jeden, überall und zu jeder Zeit zu haben."

Starke 480 PS und ein maximales Drehmoment von 588 Nm©

Worte, die man weder in München noch Stuttgart gerne hören wird. 7,38 Minuten heißt viel Arbeit für Porsche und Co. Dabei ist es nicht allein der Motor, der die Rundenbestzeit des neuen Fabel-Nissans möglich machte. Vielmehr wurde bei der Entwicklung des Skyline GT-R besonders viel Wert auf Aerodynamik, Grip und Abtrieb gelegt. Dabei soll der GT-R nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch im harten Alltagsgeschäft - bei Sonne, Regen und Schnee - bestehen können. Trotzdem ist das Design zwar ohne besondere Highlights, aber alles andere als langweilig.

Alarmglocken in Stuttgart und München

Der Kunde des Nissan Skyline GT-R soll nicht nur im Fahrbetrieb spüren, dass er einen echten Rennwagen bewegt. Nissan gibt nicht nur eine besondere Garantie mit Überprüfungen in den ersten drei Jahren, sondern auch regelmäßige Messungen von Motor, Fahrwerk, Getriebe und Elektronik - zum ersten Mal nach den ersten 1.000 gefahrenen Kilometern. Der Preis für den neuen Nissan Skyline GT-R beginnt bei 7.770.000 Yen, was weniger als 49.000 Euro entspricht. Spätestens jetzt sollten in München und Stuttgart doch einige Alarmglocken angehen. Den ersten Käufer gibt es schon - Carlos Ghosn.

Von Stefan Grundhoff
 
 
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KOMMENTARE (2 von 2)
 
RBrunnerHH (29.10.2007, 16:13 Uhr)
Der GT-R
ist ein wirklich formidables Auto. Das Nissan noch nichts in der Formel 1 zu Wege gebracht hat, wie mein Vorredner anmerkte hat keinerlei Relevanz. Porsches (erfolgreiches) Formel-1 Engagement liegt auch schon 23 Jahre zurück, das peinliche V-12-Desaster Anfang der 90er erwähne ich hier gleich gar nicht. Das Design ist nicht spektakulär, sondern funktional, aber Porsche serviert uns seit fast 40 Jahren immer wieder den selben, langweiligen 911-Aufguss und niemand stört sich daran. Der GT-R bietet Fahrleistungen auf 911-Turbo, oder Lamborghini Gallardo-Niveau, lässt den 911-Sauger, sowie alle BMW-s und AUDI´s stehen und kostet 30% - 40% weniger, wer kann das bieten? Ein bisschen mehr Objektivität, Herr Deichgraf.
Inselgraf (28.10.2007, 11:42 Uhr)
Bei Tempo 130
Wer wird das denn noch im Jahre 2009 fahren, wo jetzt ein paar Sesselhocker auf Autobahnen 130 km/h einführen wollen. Desweiteren hat Nissan noch nichts auf den wirklichen Strecken wie in der Formel 1 den Beweis gebracht, das sie das alles schaffen und außerdem kauft das Auge doch mit und da bietet der Stirling GT-R noch nichts, was andere nicht schon längst haben.
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