Vielfalt in der Bestseller-Liga

15. November 2011, 11:00 Uhr

VW Golf, Audi A3 und Mercedes A-Klasse – in der Kompaktklasse gibt es 2012 so viele Neuheiten wie noch nie. Neue Methoden machen die Autoproduktion billiger, die Preise werden aber nicht sinken. Von Gernot Kramper

Nicht immer machts die Menge, das gilt auch für den Automarkt: Zwar liegen die größten Wachstumspotenziale derzeit im B-Segment (Polo-Größe) oder auch bei den Kleinstwagen, doch wenn es um das wahre Geschäft geht, sind den Herstellern die "Kompakten" immer noch am liebsten. Die Mittelklasse für jedermann ist arrivierter, gut fürs Markenimage und vor allem: teurer. Ein gut ausgestatteter Golf- oder Astra-Kombi kostet etwa 30.000 Euro, da ist für die Fabrikanten deutlich mehr Gewinn drin, als beispielsweise bei einem Mini wie dem VW Up, der mit seinem Kaufpreis nur bei wenig mehr als 10.000 Euro liegt. Doch die Kompaktklasse hat auch gerade deshalb ihre Tücken. Die Erwartungen der Kunden sind besonders hoch und entsprechend groß ist der Konkurrenzkampf der Hersteller. Noch nie konnte man schon jetzt zwischen so vielen verschiedenen Fahrzeugen wählen. Und das ist erst der Anfang: Auf jedes neue Grundmodell werden mehrere Karosserievarianten vom Cabrio bis zum eleganten Coupé folgen – mehr Vielfalt gab es noch nie.

Der VW-Konzern geht 2012 gleich mit vier neuen Kompakten an den Start. Mit der größten Spannung wird der Klassenprimus erwartet. Aber der Golf VII lässt sich Zeit. Erst am Ende des Jahres kommt der Golf der siebten Generation auf den Markt. Seinen Scheinwerfern wird die bauchige Gemütlichkeit ausgetrieben, der nächste Golf wird klarer, konzentrierter und kantiger. Dank der Produktion auf Basis des sogenannten modularen Querbaukasten soll die Herstellung des Bestsellers deutlich günstiger werden als die des bisherigen Modells. Billiger wird der Golf trotzdem nicht. Den Preisvorteil will Volkswagen nutzen, um den Käufern mehr Ausstattung zu liefern. Das ist ein Versuch, der Strategie von Kia und Hyundai etwas entgegenzusetzen – beide Koreaner bieten vollständige Ausstattungspakete zu knapp kalkulierten Preisen an. Technisch will der nächste Golf wieder Maßstäbe setzen – etwa in Sachen bezahlbarer Leichtbau. Das nächste Modell soll 120 Kilo weniger wiegen als der jetzige Golf. Zusammen mit dem verbesserten CW-Wert soll das Verbrauchsvorteile von bis zu 20 Prozent möglich machen.

Überraschung von Skoda

Den Anfang der Kompaktoffensive von VW macht aber der A3. Premiumtochter Audi darf das erste Modell aus dem neuen modularen Querbaukasten in Genf vorstellen. Die Front des A3 wird der neuen Audi-Linie mit kantigen Scheinwerfern und angeschrägtem Frontgrill angepasst. Auch der A3 wird auf Diät gesetzt, etwa 100 Kilo soll der Wagen abspecken. In der neuen Version soll sich der Zweitürer durch seine coupéhafte Linie deutlicher vom Golf absetzen, als es bisher der Fall war. Den Stummel-Kombi A3 Sportback gibt es erst zum Ende des Jahres. Dann folgt auch der Seat León. Diese Modelle setzten die Tradition mehr oder weniger erfolgreicher Vorgänger vor. Für die wirkliche Überraschung aus dem Hause VW sorgt Skoda. Den nächsten Octavia gibt es zwar erst 2013, aber 2012 fährt mit dem Skoda Rapid ein komplett neues Auto vor. Die 4,50 Meter lange Limousine ist zwischen Fabia und Octavia platziert und soll mit einem Einstiegspreis von nur 13.000 Euro auftrumpfen. Der Rapid soll mit seinen Kampfpreisen das VW-Universum gegen Billig-Konkurrenz abschotten. Der Trick: Ähnlich wie bei den US-Versionen von Passat und Jetta wird so an Fahrwerk und Technik gespart, dass ein der Ottonormalfahrer den Unterschied nicht bemerkt.

BMW hat die 1er-Baureihe 2011 erneuert und ergänzt sie 2012 durch einen Zweitürer. Neu ins Geschehen greift die Mercedes A-Klasse ein. Das neue Modell hat nichts mit der jetzigen hochbeinigen A-Klasse gemein. Für die Studien gab es bereits viel Applaus. Mit einem betont jugendlichen Aussehen sollen neue Kundengruppen erobert werden. Ob der A-Klasse das gelingt, kann man noch nicht vorhersagen: Die vorgestellten Studien sahen atemberaubend aus, aber es ist zu befürchten, dass das Serienmodell entschärft wird. Für Mercedes markiert der Neuanfang aber auch das Eingeständnis einer Niederlage: Die Strategie, in der Einsteigerklasse Modelle anzubieten, die vor allem Sicherheit und nicht Dynamik signalisieren, ist gescheitert. Jugendlicher heißt auch bei Mercedes nicht billiger: Für die neue A-Klasse wird ein Preisaufschlag von mindestens 2000 Euro fällig. Und das trotz des fehlenden Sandwichbodens und der günstigen Produktion in Baukastenbauweise.

Die Herausfoderung aus Korea

Im Januar startet auch der Angreifer i30 vom Volkswagen Rivalen Nummer 1 Hyundai. Bis der neue Golf da ist, hat der i30 ein Jahr lang freie Bahn. Vorschusslorbeeren hat der kompakte Koreaner ausgerechnet von VW-Chef Martin Winterkorn während der IAA in Frankfurt bekommen. Für den Käufer dürfte die rüttelfreie Lenksäulenverstellung, über die der VW-Boß staunte, nicht so wichtig sein. Doch sollte Hyundai die bisherige Preispolitik beibehalten, dürfte der i30 ein ernsthafter Herausforderer nicht nur für den Golf sein. Vor allem Kunden, die eine luxuriöse Ausstattung wünschen, werden beim i30 scharf kalkulierte Pakete vorfinden. Bereits im Sommer folgt die Kombi-Version des i30 mit rund 500 Liter Kofferraumvolumen. Technisch eng verwand, aber mit eigenständigen Design ist der neue Kia Ceed.

Volvo will mit dem Kompaktkombi Volvo V40 eine schwedische Alternative zum A3 Sportback anbieten. Die Erfolgsaussichten sind eher gering, denn in dieser Fahrzeugklasse entscheiden in Deutschland die Fahrleistungen. Da fehlt den Volvos der entscheidende Biss im Fahrwerk, auch auf imageträchtige Sportableger wie den Audi S3 kann Volvo nicht verweisen. Der nächste Honda Civic bleibt außen seinem futuristischen Design treu. Innenraum und Cockpit wurden aufgeräumt und mit edleren Materialien ausgestattet. Um gegen die neuen Modelle bestehen zu können, verabreicht Renault dem Mégane ein Facelift, genau wie Mazda dem 3.

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