Dürfen wir Freunde sein?

24. Juli 2013, 08:05 Uhr

Es ist ein Streitthema: Dürfen sich Lehrer mit Schülern über Facebook, Twitter & Co. vernetzen? Ein Kultusministerium hat das nun verboten - und zeigt damit, wie lebensfern Politik sein kann. Von Katharina Grimm

Facebook, Google+, Lehrer, Schüler, Kultusministerium, Baden-Württemberg, Bayern

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Dieter Wörmann weiß, dass sein Fach nicht unbedingt zu den Favoriten seiner Schüler zählt. Doch das tut der Beliebtheit des Mathematiklehrers an einer Schule östlich von Hamburg keinen Abbruch: Auf Facebook ist er mit zahlreichen Schülern "befreundet". "Smartphones und soziale Netzwerke gehören heute zum Standardkommunikationsmittel der jungen Generation. Das ist ganz normaler Alltag, wie der Fernseher für unsere Eltern", sagt Wörmann. Doch das sehen vor allem die für die Schulen zuständigen Kultusministerien anders.

Am Montag hat Baden-Württemberg eine Richtlinie vorgelegt, die festschreiben soll, wie Lehrer und Schüler künftig in sozialen Netzwerken miteinander kommunizieren sollen. Nämlich gar nicht.

Taube Ohren bei Verantwortlichen

Das Kultusministerium will die Vorgaben nicht als Verbot verstanden wissen. Doch sieht man genauer hin, ist es nichts anderes. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sei die Verarbeitung personenbezogener Daten in sozialen Netzwerken generell verboten, heißt es in der Richtlinie. Generell heißt: Keine Chats, keine Gruppen, kein Lehrmaterialaustausch, keine Freundschaften. Lehrer dürfen Facebook, Google+ oder Twitter nicht zur Kommunikation mit Schülern oder Kollegen nutzen. Sendepause zwischen Lehrer und Schülern.

In anderen Bundesländern sieht es nicht besser aus. In Bayern wurde ein ähnlicher Leitfaden entwickelt. "Lehrkräfte sollten selbstverständlich nicht "Anhänger" (gemeint ist damit Follower) ihrer Schülerinnen und Schüler sein, heißt es dort. Neben dem Datenschutz wird auch mit dem "aufweichenden Respekt" gegenüber dem Lehrkörper argumentiert. Doch dabei wird ein entscheidender Punkt übersehen: Das Internet ist längst ein Lebenswirklichkeit der Schüler.

Facebook sei nur eine andere Art der Kommunikation, die Umgangsformen blieben erhalten, sagt Wörmann. "Trotz Facebook und dem dort vorherrschendem 'Du' siezen mich die Kinder weiterhin. Das sehe ich als gutes Zeichen dafür, dass der Respekt nicht darunter leidet", sagt der vernetzte Mathelehrer.

Die Jugend lebt online

Andere Bundesländer haben noch keinen einheitlichen Leitfaden gefunden. In Niedersachsen zum Beispiel sind Lehrer sogar dazu angehalten, Smartphones und Facebook zu nutzen. Dort wiederum scheitert die zeitgemäße Kommunikation häufig an der Ahnungslosigkeit der Lehrer. "In Bezug auf moderne Medien stößt man in Schulen oft auf taube Ohren", sagt auch Wörmann. Die Schüler seien im Umgang mit neuen Medien meist besser als ihre Lehrer.

Und sie sind dabei den Anschluss zu verlieren. Schüler leben einen Teil ihres Lebens im Internet: Dort werden Freundschaften gepflegt und es wird gelästert. Man plaudert via Facebook, tauscht Videos aus, verabredet sich. Im Durchschnitt sind die 14- bis 24-Jährigen tagtäglich 2,4 Stunden im Netz. Fast jeder Zweite der 12- bis 19-Jährigen besitzt ein Smartphone. 74 Prozent der Jugendlichen sind bei sozialen Netzwerken wie Facebook angemeldet.

Bisher bewegen sich junge Menschen in diesem Raum relativ ungeschützt. Das Internet diene auch der Selbstdarstellung. Und "wenn eine Zwölfjährige Bikini-Fotos vom letzten Familienurlaub im Internet einstellt, macht sie das womöglich völlig arglos und denkt keine Sekunde darüber nach, dass manche Männer das auf sehr problematische Gedanken bringen könnte", sagt CDU-Medienpolitiker und Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek aus NRW in einem Interview. In nicht-internetaffinen Haushalten haben Eltern kaum Möglichkeiten zu prüfen, was ihre Kinder im Internet anstellen. Und das ist nicht immer harmlos.

Cybermobbing als Gefahr

Hier könnten und müssten Lehrer helfen: Indem sie aufklären und eben lehren, dass Cybermobbing schlecht ist. Dass man peinliche Fotos oder Videos von Mitschülern nicht gleich online stellen sollte. Dass man online nicht sein Innerstes nach Außen kehrt.

"Ich habe zwei Schülern bei Mobbing-Problemen helfen können, da mir die Kommentare bei Facebook aufgefallen sind", sagt denn auch Wörmann. Und Thomas Jarzombek springt ihm bei: "Wir brauchen eine Facebook-Pflicht für Lehrer. Lehrer müssen einfach wissen, wie soziale Netzwerke funktionieren und was dort abläuft. Nur dann können sie ihren Schülern einen vernünftigen Umgang damit beibringen."

Zwar will auch das baden-württembergische Kultusministerium, dass die Kinder den verantwortungsbewussten Umgang mit Social Media lernen. Aber bitte ausschließlich als Teil des Unterrichts. Auch das hat Dieter Wörmann schon gemacht: "Ich habe mal einer achten Klasse als Hausaufgabe gestellt, so viele Informationen wie möglich über mich im Internet herauszufinden. Im Gegenzug habe ich Infos über die Jugendlichen im Netz gesucht. Die Ergebnisse haben sie verblüfft und erschreckt. Sie hatten ganz vergessen, was sie alles ins Internet gestellt hatten. Aber das Internet vergisst nie."

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