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11. September 2008, 18:08 Uhr

Die Bagdad-Protokolle

Haben Gerhard Schröder und der damalige Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier die Deutschen beim Thema Irak-Krieg belogen? Offiziell verweigerte die Regierung den USA jede aktive Unterstützung. Tatsächlich segnete das Kanzleramt einen geheimen Deal mit dem US-Militär ab. BND-Agenten in Bagdad lieferten sogar Zielkoordinaten für die Amerikaner. Von Uli Rauss und Oliver Schröm

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Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier muss sich dem BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags des stellen© Gero Breloer/DPA/LBN

Erstmals ist eine US-Einheit in der Stadt geblieben. Nur vereinzelt waren Schüsse zu hören. Erst im Morgengrauen geht es wieder los. "Guten Morgen München", beginnen die beiden deutschen Agenten Rainer Mahner und Volker Heinster ihre verschlüsselte Depesche an die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach. "Um 05:55 erschütterte eine starke Explosion das Gebäude und ließ den Boden sekundenlang nachschwingen. 2-5 Sekunden war eine nicht so starke 2. Detonation zu spüren.

Danach war bis zum Absetzen dieses Berichts wieder Ruhe." Es ist Mittwoch, der 9. April 2003, der 20. Tag des Krieges. Das irakische Regime ist geschlagen. Saddam Hussein wird fieberhaft gesucht.

Rainer Mahner schiebt seit vier Uhr Wache in der Botschaft Frankreichs. Er und Volker Heinster hausen hier mit sechs französischen Agenten. Die Männer vom Partnerdienst DGSE sind neben den Deutschen die einzigen westlichen Agenten, die geblieben sind, seit Bomben auf Bagdad fallen. Das alte Europa gluckt zusammen.

Doch es duckt sich nicht nur weg. Es mischt mit in diesem Krieg. Heimlich. Präzise. Effektiv.

Geheime Unterlagen der Bundesregierung

Oberstleutnant Mahner und Regierungsoberinspektor Heinster sind die personifizierte Lüge des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der eine fast schon verloren geglaubte Wahl im September 2002 mit einem "Nein zum Irak-Krieg" in letzter Sekunde herumriss. Und heute wirken die beiden BND-Agenten wie lähmendes Gift für einen, der demnächst Kanzler werden will: Frank-Walter Steinmeier, seinerzeit Kanzleramtschef und schon von Amts wegen vertraut mit den für die Amerikaner wertvollen Zuträgerdiensten der BND-Männer in Bagdad.

Geheime Unterlagen der Bundesregierung belegen, wie sich der BND kurz nach der Bundestagswahl 2002 mit den Amerikanern auf seinen Kriegsbeitrag vorbereitete.

Sie erklären, obwohl in großen Teilen zensiert, wie der Einsatz der Agenten in Absprache mit Steinmeier und Außenminister Joschka Fischer arrangiert wurde.

Und sie beweisen, wie das offiziell kriegsabstinente Deutschland auf Druck des Pentagons kriegswichtige Informationen ins US-Kriegshauptquartier in Qatar lieferte.

Aufklärungsanforderungen der Amerikaner sind Arbeitsfeld des deutschen Agentenduos.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 38/2008

 
 
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