Er erfand »Bild« und war der mächtigste Verleger Europas. Als Axel Cäsar Springer sich in die Politik einmischte, wurde er zur Hassfigur. Ein ARD-Zweiteiler bringt ihn wieder ins Gespräch.

Heiner Lauterbach undProduzentin Regine Ziegler
Es ist kurz vor Mitternacht. Die Straßen menschenleer, der Himmel sternenkalt. Er steht mit hochgeschlagenem Mantelkragen am Brandenburger Tor. Allein. Über ihm der Mond, vor ihm die Sektorengrenze, in ihm der Gedanke: Ich bin frei. Und da drüben sind sie unfrei.
Ja, er will nach Moskau, will mit Chruschtschow reden. Der hat den Stalin-Terror beim Namen genannt, nun wird er doch wohl der deutschen Vereinigung zustimmen. Der Nationalist Hans Zehrer, sein Freund und »Welt«-Chef, hatte die Idee in seinen Kopf gepflanzt. Hier vor dem Tor ist sie in seinem Herzen aufgegangen. Entfernt knallen Raketen, und Glocken läuten. Axel Springer fährt zurück nach Dahlem, zurück zu seiner Silvestergesellschaft. Das Jahr 1958 hat begonnen.
Mitte Januar fliegen der 45-jährige Springer und seine Frau Rosemarie mit Zehrer und Christian Kracht, seinem künftigen Generalbevollmächtigten, nach Moskau. Zwischenstopp in Kopenhagen. Sie schlendern durch die Stadt. Christian, sagt Springer, wir dürfen in Moskau nicht so auffallen. Wir sollten uns hier russische Pelzmützen kaufen. Er wolle aber eine aus Zobel.
Im Moskauer Hotel formulieren die drei Missionare Punkte zum Plan einer Wiedervereinigung. Aber der Kreml-Chef lässt den Zeitungs-Zar schmoren. Und so spazieren sie tagelang mit ihren Fellkappen durch die Stadt. Allmählich nervös und unlustig. Drinnen Wanzen im Telefon und draußen immer den KGB-Mann im Schlepptau. Und der nickt irgendwelchen anderen Schlapphüten an Straßenecken zu. Schluss! Springer will das Ganze abbrechen. Was soll das noch. Und wer ist er denn. Zehrer aber will den Polit-Thriller durchziehen. Er hämmert auf seinen Chef ein. Stündlich. Axel wird Cäsar und Retter Deutschlands!