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3. April 2008, 07:07 Uhr

Oettinger und der Pizzabäcker

"Wir können alles", rühmen sich die Baden-Württemberger. Tatsächlich verstehen sie sich auch auf "Filz, Korruption & Kumpanei". stern.de veröffentlicht einen Auszug aus dem gleichnamigen Buch - über die denkwürdige Freundschaft von Ministerpräsident Günther Oettinger zu Pizzeriawirt Mario L.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger und sein tiefer Sinn für Freundschaft: Stoff für einen Bestseller© Michael Latz/DDP

Im Sommer 2007 war's, als man in Deutschland gerade traumverloren gedacht hatte, die Mafia finde inzwischen nur noch in Hollywood-Filmen statt. Was verschiedene Landeskriminalämter so ähnlich auch im Brustton vollster Überzeugung propagiert hatten. Italo-Mafia bei uns? Gibt's nicht. Bis die Vendetta, eine ganz böse Erfindung der italienischen Mafia, plötzlich auf einem deutschen Parkplatz nahe einem deutschen Bahnhof in einer ganz normalen deutschen Stadt blutige Realität wurde. Zwei gedungene Killer erschossen in Duisburg sechs Italiener, die zuvor in einer Pizzeria gefeiert hatten. Ihre Körper wurden in einem Kugelhagel regelrecht zerfetzt. Eine Hinrichtung. Ein brutalster Racheakt in einem Krieg zwischen zwei verfeindeten Clans der kalabrischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta.

Die "ehrenwerte Gesellschaft" schlägt mitten in Germania zu. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, goss ein italienischer Mafia-Experte auch noch Öl in ein Feuer, das aus baden-württembergischer Sicht längst ausgetreten war. Zumindest aus offizieller baden-württembergischer Sicht. Roberto Saviano, Autor des Megasellers "Gomorrha", schwadronierte im "Spiegel" eine Seite lang über organisierte Kriminalität. Wie intensiv italienische Gruppierungen bereits seit langem in Deutschland unterwegs seien, wie Geldwäsche, Waffenhandel oder Schutzgelderpressung an der Tagesordnung seien - und wie gezielt die Mafia die Nähe zur politischen Prominenz suche. Und just in diesem höchst unangenehmen Zusammenhang ging dieser Saviano tatsächlich her und erzählte diese Pizza-Geschichte, diese uralte Story von Günther und Mario: "Die Mafia hat keine Farbe. Sie ist nie in der Opposition. Nur ab und zu lassen sich Verbindungen zwischen der Politik und den kriminellen Organisationen erkennen, zum Beispiel als ein CDU-Politiker von einem Pizzabäcker in Stuttgart, einem Mann der Ndrangheta, unterstützt worden war."

Drogenmafia in Deutschland

Ja, wo sind wir denn? Ist denn einem Italiener nichts mehr heilig? Nicht einmal mehr ein baden-württembergischer Ministerpräsident? Doch das war ja nur der Anfang der perfiden Diffamierungskampagne. Es kam noch schlimmer, viel schlimmer. Nach dem sechsfachen Mord in Duisburg intensivierte sich im Herbst 2007 die Zusammenarbeit zwischen deutschen und italienischen Ermittlungsbehörden. Denn sogar der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hatte in einer aktuellen Analyse mächtig Alarm geschlagen: Internationale Mafia-Organisationen hätten sich bereits untereinander regelrecht vernetzt, man kooperiere in fast allen Bereichen schwerster organisierter Kriminalität. Und gerade die 'Ndrangheta habe es geschafft, eine ganz brisante Spitzenstellung zu erreichen. Sie gelte heute als Weltmarktführer des Kokainhandels. Der geschätzte Jahresdrogenumsatz liege bei 22 Milliarden Euro. Und eines ihrer Einsatzgebiete sei - eben Deutschland.

Daher begannen sich also im Herbst 2007 Mafia-Fahnder aus Italien und deutsche Ermittler wieder etwas ausgiebiger auszutauschen. Man sprach über Operations- und Rückzugsgebiete, über Clan-Chefs, deren Verbindungen und Vergehen, überdeutsche Schwerpunkte der 'Ndrangheta und einzelne mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen Organisation. Dabei kam auch der alte Fall Mario L. zur Sprache. Der Stuttgarter Pizza-Wirt war zwar bei einem Mafia-Prozess im Jahr 1999 freigesprochen worden. Doch das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete ihn im Jahr 2000 nach wie vor als Mitglied des 'Ndrangheta-Clans "Greco", wie aus Unterlagen der Behörde hervorgeht. Beim besagten Austausch italienischer und deutscher Fahnder blieb es nicht beim Thema Mario. Plötzlich, wie aus heiterem Stuttgarter Himmel, kam die Rede auch auf Günther Oettinger. Und da passierte es: Was seine Rolle in der damaligen Sache angehe, da sei in Deutschland einiges vermauschelt worden, wurde doch tatsächlich behauptet. Bei ihnen in Italien, so fabulierten italienische Ermittler wäre Oettinger nicht Ministerpräsident geworden, sondern hätte eher juristische Probleme bekommen, wegen eines Verdachts, der bei ihnen zu Ermittlungen führen würde - nämlich "favoreggiamento", Begünstigung. Die italienischen Ermittler verwiesen darauf, dass dieser Verdacht in ihrem Heimatland auch schriftlich fixiert wurde - noch im Jahr 2005.

Ein Geben und Nehmen

Wie bitte? Einem wackeren Baden-Württemberger muss der Atem stocken, wenn er so was hört. Oder gleich der Kamm schwellen. Incredibile! Impertinente! Ein solcher Frontalangriff auf die Würde dieses Landes verlangt es, die Pizza-Sache noch einmal zu rekapitulieren. Um sie richtig zu stellen, wie sich's gehört. Und allein schon der Aufklärung und kritischen Vernunft wegen, die ja, Sie wissen, wie die baden-württembergische Fahne über der Villa Reitzenstein weht.

Zum Buch

Zum Buch Das Buch "Filz, Korruption & Kumpanei" ist bei Klöpfer und Meyer erschienen. Die Hardcover-Ausgabe gibt es für 19,90 Euro.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
heiner5362 (03.04.2008, 13:07 Uhr)
wie abgeblasen...
das passt zu der schmierfresse oettinger.
wenn man da mal bohren würde käme einiges "unerhebliche" ans licht.
aber immune politiker treibens wie zu napoleons zeiten.
und hinten die tasche dick.
wo noch im aufsichtsrat herr oettinger ???
schwerverbrecher.
befriend (03.04.2008, 12:51 Uhr)
Öttinger
Hab Ich mir immer schon gedacht,dass der Ötti kokst
Administrator (03.04.2008, 11:58 Uhr)
@Alex64
Liebe Alex64,
vielen dank für Ihren Beitrag. Wir hatten ein Server-Problem, so dass wir den Artikel neu produzieren mussten. In der Folge konnten die alten Kommentare leider nicht mit übernommen werden. Das tut uns leid.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
endbenutzer (03.04.2008, 11:54 Uhr)
Ui, Fehler gemacht.
Der Roman heisst ja wirklich so. Hier fehlt eindeutig eine Editierfunktion. ;-)
endbenutzer (03.04.2008, 11:52 Uhr)
Äähhh...
heisst der Roman nicht "Gommorra" statt: "Gomorrha"? Und besser gepasst hätte sicher auch "Alemania" statt: "Germania" wenn man sich schon auf italienischem Sprachniveau bewegen will. Mein lieber Mann! Und wir diskutieren über den Bildungsstand unserer Lehrlinge..
Alex64 (03.04.2008, 11:25 Uhr)
Werden...
die Kommentare ebenfalls wieder gelöscht?
Der Artikel war vorher schonmal online, mit entsprechend negativen Kommentaren versehen - und prompt sind diese weg....
Honi soit qui mal y pense ....
STR_EDDS (03.04.2008, 11:01 Uhr)
Jeder Schüleraufsatz...
...würde in dieser Form mit "Thema verfehlt" enden. Was soll das sein? Journalismus? Enventuell noch Investigativer? Der Schreiberling sollte seine gestelzt-lockeren Verse auf Gehalt überprüfen und einkürzen. Ein Dreizeiler wäre das Ergebnis. Ausserdem stimme ich "datenbaer" voll und ganz zu.
datenbaer (03.04.2008, 10:36 Uhr)
Unterster Schubladenjournalismus
Was für eine dünne Plörre da wieder als Skandal verkauft werden soll. Der Artikel kann angebliche Fakten immer wieder genau benennen, beim Thema Oettinger kommen aber ganz andere, vagere Formulierungen zum Einsatz. Immer druff auf die Politik, das garantiert Beifall. Entweder man hat Fakten, dann müssen die benannt werden oder manhat Vermutungen, dann dürfen diese nicht in dieser epischen Breite als Gerücht gesät werden. Es ist wirklich ein Jammer mit dieser Art von Journalismus und man kann sich schon fragen, wohin das alles führen soll, wenn es nur noch darum geht, die Gesellschaft in pauschal Verdächtige - zumeist die Verantwortungsträger - und die Bürger aufzuteilen.
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