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12. Juli 2010, 08:49 Uhr

Mehr Züge mit Hitze-Problemen als bislang bekannt

Wegen der ausgefallenen Klimaanlagen in drei ICE-Zügen ermittelt nun die Bundespolizei gegen die Deutsche Bahn. Laut einem Medienbericht betrafen die Hitze-Probleme am Wochenende noch weitere Züge. Das Bundesverkehrsministerium dringt auf Konsequenzen.

ICE, Deutsche Bahn, Klimaanlage, Schüler, kollabiert

Die defekten Klimaanlagen lösen womöglich ein juristisches Nachspiel aus© DPA

Die Hitze-Probleme in Zügen der Deutschen Bahn gehen über die drei Fälle vom Samstag hinaus. Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" soll am Sonntag auch in einem Intercity von Hamburg in Richtung Ruhrgebiet die Klimaanlage ausgefallen sein. Ein Korrespondent der dpa berichtete zudem von einem weiteren IC von Passau nach Hamburg, in dem am Sonntag in mehreren Wagen die Klimaanlage versagt hatte.

Die Deutsche Bahn hatte von insgesamt drei ICE von Berlin Richtung Köln gesprochen, die am Wochenende wegen Überhitzung aufgrund defekter Klimaanlagen gestoppt werden mussten. In einem ICE soll es Augenzeugen zufolge zwischen 40 und 50 Grad heiß gewesen sein. Etliche Schüler brachen zusammen und lagen dehydriert in den Gängen.

Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung wird geprüft

Für die Bahn haben die kaputten Klimaanlagen vielleicht ein juristisches Nachspiel. Die Bundespolizei überprüfe den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung durch das Zugpersonal, sagte eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion St. Augustin, die für den Bahnhof Bielefeld zuständig ist.

Zahlreiche Fahrgäste zeigten am Wochenende Unverständnis: "In welchem Wartungszustand sind eigentlich die Wagen der DB?", sagte ein Reisender am Sonntag und berichtete, dass auch am Donnerstag im ICE 502 zwischen Karlsruhe und Köln in einigen Wagen die Klimaanlage ausgefallen war.

Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert Sparpolitik

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die gehäuften Defekte von Klimaanlagen in ICEs für ein hausgemachtes Problem. "Es waren alles Züge des Typs ICE II. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind", sagte Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Verbandes, am Montag. Eine Generalüberholung der Züge sei dringend nötig. "Die kommen jetzt auch in die Revision, vielleicht hätten sie doch etwas früher reingemusst."

Fatal sei nach wie vor der Umgang der Bahn mit Problemen. "Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen", kritisierte Naumann. "Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen." In den konkreten Fällen vom Wochenende hätte man die Reisenden aussteigen lassen müssen. "Das geht nicht anders."

Erste Reaktionen der Bahn gebe es bereits. Es sei etwa dafür gesorgt worden, dass mehr Getränke an Bord sind, die verteilt werden können. "Das ist schon mal ein richtiger Schritt."

"Zugbegleiter leiden auch unter den Problemen"

Das Bundesverkehrsministerium dringt auf Konsequenzen aus den Hitzeproblemen bei ICE-Zügen. Derartige Mängel müssten bei zukünftigen Fahrzeuggenerationen beseitigt sein, sagte eine Ministeriumssprecherin am in Berlin. Dazu sei man im Gespräch mit der Bahn, der Bahnindustrie und dem Eisenbahn- Bundesamt. Bahnchef Rüdiger Grube habe versichert, die Vorfälle aufzuklären. Damit solle sich auch der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns beschäftigen.

Die größte Bahn-Gewerkschaft Transnet forderte ebenfalls Gegenmaßnahmen. "Die Ursachen müssen schleunigst erforscht und beseitigt werden", sagte der Vorsitzende Alexander Kirchner nach Angaben seines Sprechers. Er warnte zugleich vor einer Vorverurteilung der Zugbegleiter. "Sie haben einen harten Job und leiden auch unter den Problemen."

zen/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 65)
 
STR_EDDS (13.07.2010, 22:54 Uhr)
@Parvis, @Dudu
Natürlich wäre die beste aller Lösungen, die Systemtechnik im Zug zu beherrschen, sodass solche Situationen erst ger nicht auftreten. Das mit der Gefahr auf der Trasse ist für mich natürlich ebenso theoretisch, wie die Situation im Zug und deswegen nur eine Überlegung. Mangels eigener Erfahrung kann ich da selbst nur mutmaßen und mir kommt die Schafherde (aus Menschen) sehr unkontrollierbar vor.
Lombroso (13.07.2010, 13:08 Uhr)
Geheimnisse
In meinem Bekanntenkreis gibt es jemanden, der in der ICE Wartung bei der DB als Disponent gearbeitet hat...

Die DB hat nicht genügend Kapazitäten, um die Züge ausreichend zu warten. Sicherheitsrelevate Dinge haben in der Mangelverwaltung Vorrang.

Und Klimaanlagen standen da jedenfalls bisher nicht hoch auf der Liste. Aber wenn man nun die Klimaanlagen besser wartet, muss man an anderen sicherheitsrelevanten Dingen Zeit einsparen.

Intern wird dann immer ein Schuldiger Mitarbeiter gesucht, und jeder Entscheider versucht, die Verantwortung für Fehler so gut es geht weiter zu schieben.

Jedenfalls können die ICE Züge derzeit nicht hinreichend gewartet werden, weil es nicht genug Ersatzzüge gibt.

Der Grund warum es diese Ersatzzüge nicht gibt, liegt an dem geplanten Börsengang. Da stören Investitionen in Sicherheit in der Bilanz.

NewWorld (12.07.2010, 23:45 Uhr)
@Parvis
Ein Studium macht noch keinen Ingenieur, aber ein paar Bücher lesen auch keinen Betriebswirt. Und wenn man sich mal die Vorstände großer Unternehmen, Banken und Versicherungen mal ausgenommen, ansieht, dann merkt man schnell, dass dort mehr Ing´s sitzen.Bei allen großen deutschen Autbauern ist der CEO ein Ing. Deshalb fand ich es etwas billig, alles zusammengesparte Elend der Bahn oder auch von VW [íhr Beispiel]auf ein paar unfähige BWLer zu schieben.
Parvis (12.07.2010, 23:06 Uhr)
@NewWorld
Ingenierwissenschaften zu studieren, macht noch lange keinen Ingenieur aus.

Ich habe auch BWLer kennengelernt, sie scheinen, entschuldigen sie die Frage, Controller zu sein, wie einem ihrer Kommentare zu entnehmen ist, die vernünftig denken können.

Aber, es ist für einen Ingenieur leichter sich auf das Niveau eines BWLs zu begeben, als umgekehrt. Sorry, ist so.

P.S. bin weder Ing. noch BWLer. Laut Weizäcker gehöre ich den Strukturwissenschaften an.
NewWorld (12.07.2010, 21:54 Uhr)
@Parvis
Tut mir leid sie zu enttäuschen, Hr. Lopez war ein Ingenieur. Er schlau machen, gell...
NewWorld (12.07.2010, 21:53 Uhr)
@L.Gleichmann
Dann haben wir ja scheinbar beide Lebenserfahrung mit der Unfähigkeit bzw. Unwissenheit des anderen Berufsstandes.

Und danke für die technische Info.
Parvis (12.07.2010, 20:00 Uhr)
@L.Gleichmann
'BWL: Es gibt genügend dieser Typen, die kurzfristig sparen, um mittelfristig das Vielfache hinauszuwerfen, sinnlos natürlich. Aber, dann hat sich immer die Situation geändert, nie sind sie es selbst. Sorry, wenn ich da von oben herablassend draufblicke, Lebenserfahrung!!!'

Siehe die momentane Situation bei Toyota. Ach José Ignacio López de Arriortúa ist noch gut in Erinnerung ...
chatahootchee (12.07.2010, 18:55 Uhr)
HI ADMINS:
Habe einen Kommentar zu Polanski losgeschickt und ploetzlich ist die gesamte Kommentarfunktion weg?!?
L.Gleichmann (12.07.2010, 18:52 Uhr)
Vergleich
Ein Biologe und ein Ökonom werden gefragt, wie ein normales und ein dummes Schwein grunzen. Bei dem dummen war der Biologe echt überfordert, doch der Ökonom konnte helfen:
ök ök ök ök ök
L.Gleichmann (12.07.2010, 18:43 Uhr)
@new world
Technik für BWLER... ;-)
Das Oberleitungssystem der Bahn ist in verschiedene Speiseabschnitte unterteilt, die von stromlosen(im Normalfall) Schutzabschnitten getrennt sind. Damit der Bügel der Elok diesen Abschnitt nicht ungewollt unter Spannung setzt, beide Fahrdrähte berührt der Bügel an diesem kurzen Fahrleitungsteil gleichzeitig, beim Durchfahren muss folgendes getan werden:
Hauptschalter zum Haupttrafo aus, Bügel senken, mit gesenkten Bügel wird der stromlose Abschnitt mit Schwung durchfahren, bis Signal ELT wieder anweisen: Bügel an, Hauptschalter rein. Der Zug befindet sich nun im nächsten Speiseabschnitt einés eventuell sogar anderen Unterwerkes. Deutschland hat wie Norwegen Schweden, Schweiz und Österreich 15KV 16 2/3 Hertz auf dem Fahrdraht. Der Netzstrom 50 Hertz muss entsprechend umgerüstet werden. Polen, CZ, SLOwakei,Italien, Teile Russlands fahren mit 3KV Gleichstrom, die Niederlande und die SNCF im Süden benutzen gar 1500VGleichstrom. Dänemark, Teile der CD benutzen im Süden 25KV 50 Hertz, ebenso Ungarn, Bulgarien etc. Dort ist diese Prozedur noch viel wichtiger, da nicht nur der Speiseabschnitt sondern auch noch das Stromsystem gewechselt wird. Moderne Züge verkraften dank moderner( früher waren die Ökonomen aus Kostengründen wie immer wieder dagegen) alle 4 Systeme, daher kann ein ICE z, B von Berlin via Brüssel(25 Kv 50 hz nach Holland mit 1500V= fahren, ohne die Lok wechslen zu müssen. Um das auch ordnungsgemäss abwickeln zu können stehen an der Strecke entprechende Signalbilder:Auf der Spitze stehende blau weisse Quadrate für z, B Anfang und Ende eines E- Abschnittes, Bügel an und ab wird durch eine entsprechende Symbolik auf dem E Signal dargestellt. Trotz der $ Sytemtechnik kann wegen unterschiedlicher Sicherungssysteme (Streckenblock) etc noch nicht jeder Zug überall fahren, es raucht immer die ZUlassung der Bahnverwaltung. Diese moderne Technik wurde durch Leistungsbaulemente , Tyristoren, Vierquadrantensteller etc möglich. Moderne Loks werden heute fast ausschliesslich als asynchrone Drehstromantriebe ausgeführt.
BWL: Es gibt genügend dieser Typen, die kurzfristig sparen, um mittelfristig das Vielfache hinauszuwerfen, sinnlos natürlich. Aber, dann hat sich immer die Situation geändert, nie sind sie es selbst. Sorry, wenn ich da von oben herablassend draufblicke, Lebenserfahrung!!!
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