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26. März 2009, 11:17 Uhr

"Das hätte nicht passieren dürfen"

Alles deutet daraufhin, dass das Rätsel um das "Phantom von Heilbronn" gelöst ist. Noch prüft die Polizei ihren gesamten Bestand, doch laut Baden-Württembergs Jusitzminister sind stern.de-Informationen, nach denen DNA-Spuren der gesuchten Frau durch verunreinigte Wattestäbchen der Spurensicherung verteilt wurden, "höchst plausibel".

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Falle für die Spurensicherung: Mit DNA verunreinigte Wattestäbchen führten Ermittler im Fall des "Phantoms" auf die falsche Spur© Winfried Rothermel/AP

Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) hält das Rätsel um das "Heilbronner Phantom" für gelöst. Die an Dutzenden Tatorten gefundenen DNA-Spuren stammten vermutlich nicht von einer angeblichen Serientäterin und Polizistenmörderin, sondern seien eher auf Verunreinigungen von Wattestäbchen der Spurensicherung zurückzuführen. Goll bestätigte damit die Recherchen von stern.de. Die Polizei kündigte an, nun bundesweit den Wattestäbchen-Vorrat der Spurensicherung auf Verunreinigungen zu überprüfen. Der Bund der Kriminalbeamten forderte angesichts des Falls ein Gütesiegel für DNA-Analysen.

Dass die DNA durch verunreinigte Wattestäbchen der Spurensicherung auf die Beweismittel zu mindestens 40 Fällen geraten sind, habe "eine hohe Plausibilität", sagte Justizminister Goll am Donnerstag in Stuttgart. Er stelle sich darauf ein, dass es tatsächlich so gewesen ist - obwohl sich sein Innenministerkollege Heribert Rech (CDU) vorsichtiger äußerte und keine "voreiligen Schlussfolgerungen" ziehen wollte. Goll sagte dennoch bereits: "Das hätte natürlich nicht passieren dürfen." Den Ermittlern dürfe daraus aber kein Vorwurf gemacht werden. Sie hätten nichts falsch gemacht. "Die sehen es einem Wattestäbchen ja nicht an, dass da schon was dran ist", sagte der Minister. Immerhin: "Es ist nahezu auszuschließen, dass aufgrund einer solchen Panne tatsächlich jemals ein Unschuldiger für eine Tat verurteilt wird, die er nicht begangen hat", stelte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, fest.

Alle Wattestäbchen werden überprüft

Auf die Polizei kommt nun eine Menge Arbeit zu. Alle Wattestäbchen für die Spurensicherung, die derzeit in ihren Lagern liegen, müssen getestet werden. "Es sind allein einige tausend bei uns in Baden-Württemberg, die auf eine mögliche Verunreinigung hin überprüft werden", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Stuttgart. Hinzu kommen die Watte-Sticks in anderen betroffenen LKA-Bereichen. Mitarbeiter der Firma, von der aus die Wattestäbchen in Umlauf gebracht wurden, sollen Speichelproben abgeben.

Die bereits vorhandenen Wattestäbchen werden zur Spurensicherung nicht mehr eingesetzt. Die Polizei ermittelt auch bei allen mit dem Wattestäbchenhersteller beteiligten Firmen. "Wir versuchen die Herstellungswege und -stationen der Wattestäbchen nachzuvollziehen. Die Komponenten stammen nicht vom ein- und demselben Hersteller", sagte der LKA-Sprecher. Ohnehin könnten in vielen Bundesländern Polizeibehörden selber entscheiden, wo sie die Stäbchen kaufen.

Sollte es tatsächlich Verunreinigungen gegeben haben, müssten für die Zukunft Sicherungsmechanismen eingebaut werden, dass so etwas nicht mehr passiere, betonte Goll. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte, eine Art Gütesiegel einzufürhen, um die Möglichkeit von Falschanalysen wegen Verunreinigungen auszuschließen. "Die Hersteller sollten den Packungen DNA-Merkmale der beteiligten Mitarbeiter als Code beilegen", sagte BDK-Sprecher Bernd Carstensen den "Stuttgarter Nachrichten". "Damit könnte diese Spur sofort ausgeschlossen werden." Auch bei der Sicherung von Fingerspuren seien in der Vergangenheit Merkmale des sachbearbeitenden Polizisten vermerkt worden, um nicht versehentlich nach eigenen Leuten zu fahnden.

Je feiner die Analyse, umso größer die Gefahr von Fehlern

Dass mit den immer besseren Methoden des genetischen Fingerabdrucks auch Gefahren von Fehlern heraufbeschworen werden, hatte der BKA-Experte und Serologe Hermann Schmitter bereits vor einiger Zeit festgestellt. "Die Untersuchungsmethoden sind derart verbessert und empfindlich geworden, dass sich die Frage stellt, was überhaupt spurenrelevant ist." Die wesentliche Arbeit im Labor sei nicht, alle gefundenen Spuren auszuwerten, sondern zu klären, "was überhaupt ins Reagenzglas gehört".

DPA/AP/dho
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
igora (26.03.2009, 17:22 Uhr)
@Shiro.Ookami
ich verfüge leider über keine DSL-flatrate, daher ist es nur sehr schwer möglich, mir solche videos anzugucken
turo (26.03.2009, 17:13 Uhr)
das Phantom
Nicht immer gleich Unrat vermuten, nicht gleich auf eine Verschwörung schließen.
Was können die Ermittler dafür, wenn sie fehlerhftes Material zur Bewäligung ihrer Aufgabe bekommen haben? Jetzt heißt es, die Fehlerquelle zu finden. Es gilt zu prüfen, ob man dann die ursprünglichen DNA wiederherstellen und identifizieren kann. Die wirklichen DNA-Leger sollten nicht zu früh lachen.
Reality (26.03.2009, 16:42 Uhr)
Was für einen Scheiß sollen wir denn jetzt wieder glauben ?
Mein Gott, für wie blöd halten die eigentlich den normal sterblichen Menschen in unserer Republik ?
Das hält man fast nicht mit einem normalen Gehirn aus, wie man doch verblödet wird mit Hilfe der MainStream Medien. Die Journallie und unsere Ermittler bescheren uns immer wieder aufs Neue phantastische Geschichten.
Die Wahrheit wird wohl nicht dabei gefunden, es scheint sie soll einfach nicht gefunden werden.
Ähnlich wie bei diesem Herrn Polizeikommisar in Passau.
Die merkwürdigen Fälle mehren sich derzeit unverhältnismäßig.
Da kommen einem Gedanken in den Sinn die man eigentlich gar nicht denken möchte.
Kann es vielleicht sein, dass jene Polizistin einfach ein bisschen zu viel wusste ?
Dass sie eventuell sich zu weit vor gewagt hat, vielleicht selbst an etwas dran oder beteiligt war, das besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte ?
Nur mit solchen Spielchen wie sie derzeit vorgeführt werden, wird der Wahrheitsgehalt des Ganzen nicht besonders erhöht.
Es sieht aus wie Arbeit in einer Bananenrepublik.!
hardius (26.03.2009, 16:24 Uhr)
T'schuldigung
Goethe!
hardius (26.03.2009, 16:12 Uhr)
Auch in unserer Zeit gilt:
Irrtum verläßt uns nie!
Doch zieht ein höher Bedürfnis,
immer den strebenden Geist,
leise zur Wahrheit hinan!
Vincent_Vega (26.03.2009, 16:05 Uhr)
fast könnte es lustig sein...
wenn die Polizei nur leider nicht soviel Rewsourcen verschwendet hätte. um jemanden zu finden der nicht da ist. Vermutlich haben sich da die Spuren der wirklichen Täter längst verwischt.
Shiro.Ookami (26.03.2009, 15:13 Uhr)
@igora
Einfach mal das Video anschauen/anhören ;-)
igora (26.03.2009, 14:55 Uhr)
wie wurden die Wattestäbchen kontaminiert?
Hat da schon vorher jemand draufgespuckt?
Oder wie genau ist die Kontamination vor sich gegangen?
gaga007 (26.03.2009, 14:53 Uhr)
Es ist zu hoffen ...
... dass alle Schuldsprüche, die auf einen DNA-Beweis beruhen durch die jeweiligen Verteidiger angefochten werden - alle diese Verfahren sind neu zu verhandeln, ohne das der jeweilige DNA-Beweis berücksichtigt werden darf. Hoffentlich wird diese nachlässige Justiz mit Wiederaufnahme-Verfahren beschäftigt und eine Musterklage bis zum höchsten Gericht möge klären, welchen Stellenwert eine DNA-Beweis in einem Strafverfahren noch hat ! Justizia ist blind ... und offensichtlich auch schlampig !
soondecember (26.03.2009, 14:22 Uhr)
bislang vor Gericht...
Bislang galten die DNA - Analysen vor Gericht als Topbeweisstück gegen den Angeklagten.
Nun sieht man, wie wenig zuverlässig das Ganze ist, wieviele Unschuldige sind denn nun schon aufgrund falscher Laboranalysen verurteilt worden??
Ja...ganze Dörfer mussten schon zum Gentest, diesem angeblich total sicherem Beweis..
Hoffentlich hat man nun ein Einsehen und relativiert die Beweiskraft vermeintlicher High-Tec Lösungen.
Ich arbeite selber im Labor und mir war das nie geheuer, wie vor Gericht mit DNA Analysen umgegangen wird.
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