• 04.09.2008, 17:20 Uhr

US-Republikaner

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Der Zellengenosse kämpft für McCain


Luftwaffenoberst George "Bud" Day, Träger der Ehrenmedaille "Medal of Honor", war einige Zeit Zellengenosse von John McCain während dessen Kriegsgefangenschaft in Vietnam

George "Bud" Day war zusammen mit US-Präsidentschaftskandidat John McCain in Vietnam. Gemeinsam durchlitten sie Gefangenschaft und Folter. Heute macht Day Wahlkampf für McCain. Mit stern.de sprach er über den republikanischen Kandidaten, den er als "Mann aus Stahl" bezeichnet.

Der Mann, der einem John McCain erklären kann, lebt in Fort Walton Beach, Florida. In einer dieser langen, breiten, trostlosen Straßen, die den Ortskern amerikanischer Städte mit den Vororten verbinden. Hier liegt zwischen Tankstellen, Drogerien, Schnellimbissen und Outlets das Büro von Colonel George "Bud" Day. Es ist ein kleines, flaches Gebäude. Day kommt aus dem Hinterzimmer, er ist kleiner als erwartet. Der 83-Jährige ist der am höchsten dekorierte noch lebende Amerikaner. So einen Mann stellt man sich natürlich ganz groß vor. Day hat ein Buch über sein Leben als Soldat geschrieben. Es heißt: "Duty. Honor. Country." Auf dem Cover steht sein Name: Colonel George "Bud" Day, darunter: Krieger - Anwalt. Noch bevor man mit ihm gesprochen hat, kann man sich ausmalen, was für ein Mann Day ist.

John McCain und "Bud" Day sind seit fast 41 Jahren befreundet. Day, der Anwalt, hat für McCain die Scheidung von dessen erster Frau geregelt; Day, der Krieger, macht für McCain Wahlkampf. John McCain und "Bud" Day saßen in Vietnam gemeinsam in einer Zelle.
 
Day sagt: "Lassen Sie uns nach hinten gehen." Es ist ein kleiner Raum mit Holztisch und Plastikstühlen und sonst nichts. So kann man auch Verhöre führen. Day trinkt aus einem weißen Pappbecher Kaffee und bevor die erste Frage gestellt ist, sagt er: "Die Vietnamesen nannten John den Prinzen." Warum? "Na, weil er der Sohn eines großen Admirals war. Am Tag, als er abgeschossen wurde, kam einer unserer Peiniger zu mir und sagte: 'Ab heute wird sich keiner mehr um Dich kümmern, Du bist nur eine kleine Kartoffel, alle wollen wissen, wie es John McCain geht.'"

Absturz in Vietnam
Es ist der 26. Oktober 1967, als John McCain bei seinem 23. Flug im Vietnamkrieg vom Himmel fällt. Seine A-4-Skyhawk stürzt über Hanoi ab. Der junge Soldat bricht sich dabei beide Arme und ein Bein, er zieht sich eine Gehirnerschütterung zu. Er landet mit seinem Fallschirm in einem kleinen See mitten in Hanoi. Heute steht dort eine Statue, sie zeigt John McCain auf Knien, die Arme zum Himmel gestreckt, die Augen voller Angst, die Inschrift lautet: "McCain - famous air pirate". Als die Nord-Vietnamesen McCain aus dem Wasser fischen, bekommt er ein Bajonett in die Leiste gerammt. Einer der Soldaten bricht ihm mit dem Gewehr die Schulter. Sein rechtes Knie ist da schon vom Absturz um 90 Grad gekrümmt, die Schmerzen sind die Hölle. Und nach der Hölle kommt das "Hanoi Hilton", das berüchtigte Folterlager.
 
Nach einigen Wochen wird McCain zu einem der Kommandanten gebracht. Es soll ein PR-Coup werden, der Sohn des großen Admirals John McCain II., der oberste Kommandant aller Schiffe im Pazifik, soll vorzeitig freigelassen werden. Doch John McCain III. weigert sich. Der Kommandant wird wütend, er befiehlt den Wärtern, dem Gefangenen erneut die Arme zu brechen, dazu die Rippen und ihm die Zähne auszuschlagen. McCain wird in Einzelhaft gesperrt.

Sechs Wochen später bringen sie ihn zu "Bud" Day in die Zelle. Day erzählt: "Er sah aus wie ein KZ-Überlebender aus Dachau. Sie hatten ihn übel zugerichtet. Er sprach die ganze Nacht hindurch. Er vertraute mir in dieser Nacht alles an. Er wollte, dass ich das alles seiner Frau erzähle, wenn er sterben würde."

Gemeinsam im "Hanoi Hilton"
"Bud" Day und John McCain sitzen gemeinsam im Lager "The Plantation", später kommen sie ins "Hanoi Hilton". Day sagt: "John war ein großartiger Zellennachbar mit einem ungewöhnlichen Lebenswillen. John hat damals schon gezeigt, was für eine Führungspersönlichkeit er ist. Er war den Kameraden in diesem Camp Geistlicher, Erzieher und Entertainer zugleich."
 
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McCain sorgt für gute Laune und vertreibt die Langeweile. Er hat Geschichte und Literatur studiert. Er erläutert die Kreuzzüge, erzählt Geschichten von Alfred Damon Runyon, einem Reporter aus den 20er Jahren, einem Mann, der gerne über die Außenseiter der Gesellschaft schrieb: Panzerknacker, Glücksspieler, Boxer und Bauernfänger. Er hat ein unfassbar gutes Gedächtnis, der junge John McCain. Zu Legenden werden die "Monday night at the movies": Einmal die Woche spielt er einen ganzen Film nach. In zwei seiner liebsten ist Marlon Brando der Hauptdarsteller, einer ist "Viva Zapata!", über den mexikanischen Revolutionsführer Emiliano Zapata, der am Ende alleine auf den Dorfplatz hinaustritt in den sicheren Tod. Der andere ist "One-Eyed Jacks", ein Western. Es geht um einen Banditen, es geht um Rache, Ehre, Verrat und natürlich gibt es am Ende einen Showdown. McCain liebt es, aus diesem Film ein Zitat besonders zu spielen: "You scum-sucking pig."

"John war furchtlos, unerschrocken", sagt Day. "Bis zum letzten Tag hat er den Kommunisten widerstanden." 1973 wird McCain freigelassen.
 


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Leser-Kommentare (9) zu diesem Artikel
global player (7.9.2008, 2:46 Uhr)
@ecomoc4u (5.9.2008, 12:56 Uhr)
mccain gefoltert? (5.9.2008, 9:09 Uhr)
Sind die gefolterten... (4.9.2008, 22:57 Uhr)
klar (4.9.2008, 22:24 Uhr)
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