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11. Oktober 2006, 12:15 Uhr
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Folter in Mannheimer US-Kaserne?

Das US-Militär soll in Mannheim Terrorverdächtige festgehalten haben, die Generalbundesanwältin ermittelt. Der Verdacht beruht nur auf den Aussagen eines Hörensagen-Zeugen. Aber in Mannheim waren nach stern.de-Recherchen schon früher Kriegsgefangene einquartiert. Von Hans-Martin Tillack

Das berüchtigte Gefängnis von Abu Ghreib: Auch hier war die 18th Military Police Brigade aus Mannheim tätig© Ali Abbas/DPA

Es ist das größte Gefängnis der US-Armee in ganz Europa, und es steht in Mannheim-Sandhofen. Weit hinter den Toren der US-Kaserne "Coleman Barracks" ragt ein Maschendrahtzaun zweieinhalb Meter in die Höhe, gekrönt von Stacheldraht. Bis zu 236 Gefangene finden hier Platz.

Hinter diesen Zäunen soll sich im Sommer eine unglaublich klingende Geschichte abgespielt haben. Drei Arabisch sprechende Männer Anfang 30, angeblich Terroristen, seien von April bis Anfang September festgehalten worden. Nicht nur dies: Man habe sie auch mit Elektroschocks an ihren Genitalien traktiert. Dafür seien extra Spezialisten eingeflogen, die die lokalen Soldaten für CIA-Leute hielten.

Bei Nacht und Nebel ausgeflogen

Wegen dieses Verdachts - der von der US-Armee scharf dementiert wird - lässt Generalbundesanwältin Monika Harms in Karlsruhe seit gut zwei Wochen ermitteln. Am Mittwoch vergangener Woche verhörten ein Staatsanwalt und zwei Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) den Mann, der die Anschuldigungen verbreitet - unter Berufung auf einen Augenzeugen, den außer ihm freilich bisher keiner gesehen hat. Der Hörensagen-Zeuge heißt Peter Wright, er ist gebürtiger Schotte und lebt seit 26 Jahren in Deutschland. Der 44-jährige Elektroingenieur und bekennende Grüne leitet in seiner Freizeit einen Club von Radioastronomen - und er verteilt regelmäßig Anti-Kriegs-Flugblätter im örtlichen Rhein-Neckar-Einkaufszentrum.

Dort, so Wright zu stern.de, habe ihn am 9. August ein junger Gefreiter der US-Armee namens John Pierce angesprochen. Der habe ihm die Geschichte mit den misshandelten Arabern erzählt. Insgesamt sechs mal will Wright den schlanken, mittelgroßen US-Soldaten von der 18th Military Police Brigade getroffen haben, zuletzt am 21. September. Ende April, so habe es Pierce erzählt, sei er zur Bewachung der Araber nach Mannheim verlegt worden. Alle drei seien am 3. September bei Nacht und Nebel ausgeflogen worden. Zuvor habe man ihnen Säcke übergestülpt und mit Kabelbindern befestigt. Drei Tage später kündigte US-Präsident George Bush die Auflösung der CIA-Geheimgefängnisse an.

Scharfe Dementis der US-Armee

Am 13. September erstattete Wright Strafanzeige bei der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Die gab das Verfahren am 21.September an die Generalbundesan-waltschaft ab. Elf Tage später, am 24. September, warteten Wright und acht weitere Anti-Kriegs-Aktivisten am Mannheimer Hauptbahnhof auf Pierce. Angeblich wollte er an diesem Tag Fahnenflucht begehen. Aber er kam nicht. Wright fürchtet nun, der US-Soldat werde in der Kaserne festgehalten.

Die US-Armee dementierte die Vorwürfe scharf. Es gebe überhaupt keinen John Pierce "in dieser Einheit", sagte Elizabeth Hibner von der US-Armee zu stern.de. In dem Mannheimer US-Gefängnis seien keine Terrorverdächtige festgehalten worden, sondern ausschließlich US-Soldaten - wozu das US-Militär laut Stationierungsabkommen berechtigt ist.

Auch Chalid Scheich Mohammed festgehalten?

Die britische Rechtshilfeorganisation "Reprieve" veröffentlichte jetzt ganz ähnliche Vorwürfe, die freilich ebenfalls nur auf Zeugen vom Hörensagen beruhen. Einer davon ist der Guantanamo-Häftling Binyam Mohamed. Ihm sei gesagt worden, man habe einen der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Chalid Scheich Mohammed, in einem US-Gefängnis auf einer Luftwaffenbasis in Deutschland für Verhöre festgehalten. Ähnliche Aussagen gibt es laut "Reprieve" von einem weiteren Guantanamo-Häftling.

Die Bundesregierung reagierte mit einem klaren Dementi. "An diesen Vorwürfen ist nichts dran", sagte der Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Derartige Einrichtungen gebe es nicht in Deutschland, und es habe sie auch nicht gegeben.

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