Bitterböser Streit um Piers Morgan

27. Dezember 2012, 11:30 Uhr

Seit der CNN-Moderator offen schärfere Waffengesetze in den USA fordert, wird er zur Hassfigur vieler Pumpgun-Liebhaber. Seine Fans starteten eine Gegenoffensive. Von Thomas Schmoll

15 Bewertungen
Piers Morgan, Moderator, USA, Debatte, Waffengesetze, Amoklauf

Überlegt, seine Show künftig von Jamaika aus zu moderieren: CNN-Moderator Piers Morgan©

Als bekannt wurde, dass ihn die Waffenlobby der USA aus dem Land schmeißen will, fragte Piers Morgan über Twitter: „Wenn ich aus Amerika abgeschoben werde, weil ich weniger Morde durch Schusswaffen will – gibt es dann andere Länder, die mich aufnehmen wollen?" Seither erhielt der Brite aus fast allen Kontinenten Angebote für mögliche Exilorte. Aus Australien. Aus Afrika. "Sierra Leone, wir werden Sie ernähren, gutes Wetter & geben Ihnen einen Fernseher zum Premier-League-Schauen." Asien meldete sich: "Malysia braucht Sie hier, Sir!" Aus einer früheren britischen Kolonie wurde eine Offerte getwittert: "Komm nach Indien. Dein Kricket-Team hat uns das Leben schon schwer genug gemacht. Du kannst nicht viel falsch machen." Europa ist auch dabei. "Sie könnten nach Frankreich kommen. Aber ich bin nicht sicher, ob wir bereit sind für Sie. Wir haben kein Kricket", schreibt ein Follower. Ein anderer: "Komm nach Finnland. Wir trinken Bier und kämpfen mit Eisbären." Die Frage, ob schon eine Einladung aus Deutschland vorliegt, verneinte Morgan. Dafür traf ein Rat aus dem Nachbarland der USA ein. "Sie sollten nach Kanada kommen. Wir haben Grillen und Bieber." Ein Wortspiel. Das englische Wort "Cricket" bedeutet auch "Grille". Morgan antwortete: "Nicht die Art von Kricket."

Aber es gibt auch diejenigen, die es verdammt ernst meinen und den Journalisten loswerden wollen. Steve Finley ist so einer. Als künftigen Aufenthaltsort für den TV-Mann schlägt der Air-Force-Veteran den Nordpol vor. "Würden Sie das Iglu beisteuern?", fragt Morgan und erhält eine bissige Antwort "Ja - und einen Polarbären." Alex Jones beschreibt sich als Kämpfer "für Freiheit und Unabhängigkeit von ausländischen Bankstern", sprich: Börsenspekulanten ohne jede Moral. Er denkt, dass die Medien in der von Morgan angeschobenen Debatte um schärfere Regeln für Waffenbesitz absichtlich verschweigen, dass frühere Schulmassaker von "Waffenbesitzern gestoppt" worden seien. Dass immer mehr Menschen die Petition unterzeichnen, in der die Ausweisung des Briten verlangt wird, betrachtet Jones als Ausdruck sinkender Popularität des Moderators. Inzwischen sind es mehr als 80.000. Ab 25.000 Unterstützer muss sich die Regierung in Washington mit einer Bürgerinitiative befassen. Amerika hat über 300 Millionen Einwohner. Der britische Kolumnist Tony Parsons sagt: "Tausende Amerikaner wollen Piers Morgan abschieben für seine Aussage, Amerika hat zu viele Gewehre. Und Millionen Amerikaner sind an seiner Seite."

Statement soll Zusatzartikel der US-Verfassung verletzen

Alex Jones findet, das US-Recht lasse gar nichts anderes zu, als den CNN-Mann nach Hause zu schicken. "Mach nur, du Trottel", twitterte Piers Morgan. Und an alle: "Fröhliche Weihnachten. Auch denen, die mich abschieben wollen." Der Journalist ist bekannt für klare Worte, Ironie, Sarkasmus und Arroganz. In einer Sendung nach dem Schulmassaker von Newport beschimpfte er einen Lobbyisten der Waffenhersteller als "unvorstellbar dummen Mann". Und: "Sie haben überhaupt kein schlüssiges Argument, Sie scheren sich einen Dreck um die Zahl der Waffenmorde in Amerika." Auf diesem Zitat gründet sich das Ersuchen, Morgan "sofort" abzuschieben. Die Unterstützer der Petition, die von einem Kurt N. aus Austin in Texas initiiert wurde, betrachten das Statement als Verletzung des zweiten Zusatzartikels der US-Verfassung von 1791, in der den US-Bürgern das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen garantiert wird. Der Brite hält dagegen: "Das sinnlose Morden muss ein Ende haben."

Seit Piers Morgan in seiner Sendung ausgerastet ist, streitet Amerika über den Briten. Der Konflikt rüttelt an den Grundfesten und am Selbstverständnis der größten Volkswirtschaft der Welt. Die einen vergöttern den Briten als Vorkämpfer für eine friedlichere USA, die anderen hassen ihn als Wegbereiter in Richtung Untergang. Der Zoff hat bitterböse Formen angenommen, trägt aber auch groteske Züge. Vordergründig wirkt es inzwischen so, dass sich die Debatte vor allem um Piers Morgen dreht, ob er bleiben kann oder in seine Heimat zurück muss. Natürlich wird Barack Obama den Journalisten nicht abschieben lassen. Morgan unterstützt das Anliegen des US-Präsidenten, die Gesetze zu verschärfen. Dabei geht es längst nicht um ein weitgehend vollständiges Verbot von Waffen in Privatbesitz nach europäischem Vorbild, sondern um Einschränkungen, ohne dass nach Meinung der Befürworter die Verfassung geändert werden müsste. Der CNN-Talkmaster twitterte: "Raff dich auf, Amerika. GENUG. Verbiete Sturmgewehre & große Magazine und setze lückenlose Überprüfungen aller Waffenkäufe durch."

Seite 1: Bitterböser Streit um Piers Morgan
Seite 2: Meinungsfreiheit gegen Waffenrecht
 
 
MEHR ZUM THEMA
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern
 
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (18/2014)
Die vegane Versuchung