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11. September 2007, 16:00 Uhr

"Anti-Amerikanismus ist salonfähig"

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 erlebten die USA eine Welle der weltweiten Sympathie - im Krieg gegen den Terror schlug die Stimmung um. Im stern.de-Interview erläutert der Politologe Andrei S. Markovits, was es mit der vermeintlich amerikafeindlichen Haltung der Europäer auf sich hat.

Demonstranten protestieren in Rom gegen die Politik von George W. Bush© Max Rossi/Reuters

Herr Markovits, das "Time-Magazin" schreibt in einer Titelgeschichte vom Ende des Anti-Amerikanismus in Europa. Stimmen Sie dieser These zu?

Natürlich gibt es einen Sinneswandel auf Regierungsebene, vor allem in Deutschland und Frankreich. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy denken anders über Amerika als ihre Vorgänger Gerhard Schröder und Jacques Chirac. Frau Merkel ist als Ostdeutsche schon allein durch ihre Herkunft nicht anti-amerikanisch. Das gilt auch für Sarkozy. Er ist ein Outsider der sehr amerika-kritischen französischen Elite. Er macht Urlaub in New Hampshire, was vielen Franzosen überhaupt nicht gefallen hat. Das zeigt den allgemeinen Anti-Amerikanismus der Franzosen und Europäer. Niemand hätte sich aufgeregt, wenn Sarkozy Sommerurlaub in Deutschland, Neuseeland oder Japan gemacht hätte

Einen pro-amerikanischen Trend gibt es also nur auf höchster politischer Ebene?

Ja, deshalb ist dieser Artikel oberflächlich. Denn die These, dass der Anti-Amerikanismus generell verschwindet, ist albern. Millionen Deutsche und Millionen Franzosen werden mit einer anderen Regierung nicht sofort ihre Meinung über Amerika ändern.

Regierungen haben keinen Einfluss auf die Stimmung in der Bevölkerung?

Sie sprechen es an: In Deutschland haben derzeit nur 30 Prozent der Bürger eine gute Meinung von Amerika, in Frankreich ist die Stimmung ähnlich.

War das Amerika-Bild in Europa jemals so schlecht?

Ja, in Frankreich gab es etwa Anfang der 50er einen massiven Anti-Amerikanismus und in Deutschland war er in den 70er während des Vietnam-Krieges sehr stark. Aber so konstant und vor allem übergreifend über alle soziale Gruppen und Klassen hinweg wie jetzt, war die amerika-feindliche Stimmung damals nicht.

Am derzeit schlechten Amerika-Bild hat ein Mann großen Anteil: Was wird sich nach dem baldigen Abgang von George W. Bush ändern?

Sicher wird der Anti-Amerikanismus etwas abebben, da dieses wunderbare Hassobjekt fehlen wird. Bush ist ein dankbares Opfer, wer kann ihn nicht hassen. Aber anti-amerikanisch zu sein ist das letzte absolut salonfähige Vorurteil unter den europäischen Eliten und das wird sich sicherlich nach dem Abgang von Bush nicht grundsätzlich ändern.

Auch nicht, wenn Hillary Clinton, immerhin die Frau eines in Europa beliebten Ex-Präsidenten, in Zukunft im Weißen Haus sitzt oder mit Barack Obama ein Schwarzer?

Natürlich werden sich die Leute über Clinton oder Obama weniger lustig machen, etwa wie sie Englisch sprechen. Ein demokratischer Präsident würde vielleicht eine kleine Schonfrist bekommen. Bei Obama kommt hinzu, dass es nicht so salonfähig sein wird, ihn als Angehörigen einer Minderheit zu dämonisieren. Aber bei der ersten ernsthaften politischen Auseinandersetzung wird auch dies vergessen sein. Obama hat kürzlich ankündigt, mit militärischen Mittel in Pakistan anzugreifen, wenn bin Laden dort gefunden wird. Wenn er so etwas zweimal sagt, wird auch ihm der Anti-Amerikanismus entgegenschlagen.

Anti-Amerikanismus hat also nichts mit Anti-Bushismus zu tun?

Nein. Natürlich ist Bush die Spitze des Eisberges. Aber Anti-Amerikanismus gibt es seit dem 18. Jahrhundert, und es gab ihn selbst unter dem heute in Europa so beliebten Bill Clinton. Es wird oft vergessen, wie unbeliebt Clinton vorher war, insbesondere in Frankreich. Anti-Amerikanismus ist nichts Neues. Nur mit Bush ist es sehr extrem geworden und mischt sich mit der total berechtigten Kritik an diesem Präsidenten.

Diese können Sie nachvollziehen?

Natürlich kann ich das. Aber Kritik an Bush ist kein Anti-Amerikanismus. Da muss man ganz klar differenzieren. Leute, die Anti-Bush sind, sind nicht zwangsläufig Anti-Amerikaner.

Aber auch Kritik an Amerika darf erlaubt sein?

Wenn ich schon diese Frage höre. Nach meinem Empfinden soll alles erlaubt sein. Nicht jede Kritik an dem, was Amerika tut, ist anti-amerikanisch. Wenn man es aber in eine essentialistischen Sprache bettet, also in der Art 'Die tun das, weil sie so sind', ist es anti-amerikanisch. Viele Leute bemühen sich nicht mehr um ein differenziertes Urteil. Es ist natürlich auch einfach, den Großen zu hassen. Ein gesellschaftliches Phänomen, das sich auch im Sport erkennen läst. Wer, außer den Fans von Bayern München, liebt es nicht, auf diesem Verein rumzuhacken. Uns in den USA geht es so mit dem erfolgreichsten Baseball-Team, den New York Yankees. Die Leute lieben es, wenn die Großen eines aufs Dach bekommen. Und das gilt auch für den Anti-Amerikanismus.

Sie machen nur die Europäer für das schlechte Amerika-Bild verantwortlich. Müssen sich die USA aber nicht auch an die eigene Nase fassen?

Ich mache die Europäer für überhaupt nichts verantwortlich. Ich analysiere meine Beobachtungen und Erfahrungen in dieser Weise. Wie ich schon sagte: Ich prangere die Taten jeglicher amerikanischer Regierung an, wenn ich sie für falsch halte. Aber das hat nichts damit zu tun, dass für Westeuropäer Amerikaner a priori blöd, dick, dumm, falsch, verlogen gefährlich und einfach minderwertig sind. Das war so vor Bush und wird danach auch so bleiben.

Eine sehr verallgemeinernde Kritik an den Europäern.

Es gilt aber für eine Mehrheit der Westeuropäer. Anti-Amerikanismus ist das beliebteste Vorurteil für Leute, die sich rühmen, vorurteilslos zu sein.

Andrei S. Markovits

Andrei S. Markovits Andrei S. Markovits ist Professor für Politikwissenschaft und Soziologie an der University of Michigan in Ann Arbor und war Gastprofessor an deutschen Universitäten. Er hat zahlreiche Aufsätze und Bücher zum Anti-Amerikanismus veröffentlicht. So etwa: "Amerika, dich hasst sich's besser. Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa" (Konkret-Literatur Verlag, Hamburg). Sein neuestes Buch "Querpass. Sport und Politik in Europa und den USA" erscheint am 1. Oktober im "Verlag die Werkstatt"

Interview: Malte Arnsperger
 
 
KOMMENTARE (10 von 29)
 
Oetker333 (13.09.2007, 18:06 Uhr)
Jetzt reichts!
Diese Verniedlichung der amerikanischen Politik ist ja nicht mehr zu ertragen. Zitat: "Mein Mann hat sich verteidigt" Ach im Gefängnis muss man sich gegen Unbewaffnete verteidigen. Es ist ja verständlich was die US-Regierung macht: Sie wollen die Nummer 1 bleiben. Die Amis sind zwar nette Menschen aber rund 30% sind eher fanatisch! Die Amis sind ja net schlimm aber wer sagt die Regierung ist gut der hat sie net mehr alle! Sie wollen von anderen das sie die Menschenrechte einhalten aber sie halten die ja net mal selber. Und die Amis haben auch keine wirkliche Wahlalternative. Die Demokraten sind nur moderater aber wollen auch die Machtvorherrschaft. Was so in Moscheen in Saudi-Arabien gepredigt wird ist schlimm aber was in Kirchen in den USA gepredigt wird ist genauso schlimm!
@042020 Danke für diese Beleidigung. Wollte nur mal sagen das man mich nicht reingelassen hat sondern das ich hier geboren bin! Du könntest ja nach Texas ziehen da leben ja auch solche Betonköpfe wie du!
Raknarak (13.09.2007, 08:39 Uhr)
@J.Stahl
es ist mir schon klar geworden das sie es einfach nicht verstehen können.
der gesamte irakkrieg ist illigal, somit auch jeder der sich daran beteiligt.
das land wurde von der us armee überfallen und ihr mann gehört nun mal dazu!
J.Stahl (12.09.2007, 19:10 Uhr)
um es nochmal klar zu sagen
ich verteidige nicht den irakkrieg oder bush.aber man muß einige dinge in einer relation sehen.z.b.das viele junge u.s.soldaten leider verblendet und naiv in den krieg gegangen sind,um dort dann leider zu sterben oder schwer verwundet zu werden und um dann einzusehen wie schlecht das alles ist.mein mann gehört nicht dazu.er war von anfang an gegen diesen krieg und wird seinen vertrag bei der army nach dessen ablaufen 2008 auch nicht mehr verlängern.
J.Stahl (12.09.2007, 19:07 Uhr)
@raknarak,den allwissenden
worher wollen sie denn wissen das sich mein mann an kriegsverbechen beteiligt?waren sie dabei?mal wieder typisch.nie in der armee gewesen aber jeden der es ist/war schlecht beurteilen.alle u.s.soldaten foltern.ist klar.einmal abu graib,alle so.mein mann hat sich verteidigt und sonst nichts(wenn auf ihn geschossen wurde).er war zutiefst traumatisiert von der art und weise wie einige seiner kollegen mit den irakern umgesprungen sind.beurteilen sie nicht leute die sie nicht kennen.so schlecht wurden ja die deutschen von den ami nach dem 2.weltkrieg auch nicht behandelt.sie sind ami?erschrekcend!so wie sie die mexikaner verteidigen und alle ihre soldaten als kriegsverbrecher bezeichnen wären sie hier vielleicht besser aufgehoben.
Schwaebin (12.09.2007, 14:52 Uhr)
Ich mag die Amis...
...sehr nette Leute, aber was ich denen schwer nachtrage, ist dass die den Bush wieder gewaehlt haben. Drum werd ich so schnell da auch keinen Urlaub mehr machen, zumindest nicht, bevor Guantanamo aufgeloest ist und die Insassen rechtstaatliche Verfahren bekommen haben, wie es sich fuer ein zivilisiertes Land gehoert.
Raknarak (12.09.2007, 12:41 Uhr)
@042020 + J.Stahl
hallo ihr zwei :)
ich als us-amerikaner muss ganz ehrlich sagen das ihr zwei mit das beste beispiel zeit warum man us-amerikaner einfach für doof halten muss. eigentlich solltet ihr doch versuchen ein gutes beispiel ab zu geben, wenn ihr schon in ein "DEUTSCHES" forum schreibt. naja, so viel kann man wohl nicht verlange
erstens mal zu J.Stahl
du bist vielleicht deutsch, aber deine verteidigungsversuche für deinen mann der sich an kriegsverbrechen beteiligt ohne wiederworte zu geben sind einfach nur peinlich, sicherlich liebst du ihn, aber das heisst nicht das du blind sein musst!
und nu zu meinem redneck freund 042020
da ist nur leider nicht viel zu sagen, ein weisser reaktionärer hinterweltler und prolet(redneck @leo.org) ein us soldat ausser dienst der noch nie verstanden hat über das was man ihm sagt nach zu denken.
nunja, so will euch onkel sam ja auch haben.
ich denke mal das wir hier in deutschland genügend dummer rechter glatzköpfe haben, mit denen müsst du dich doch blendend verstehen!
das ihr die usa verteidigen wollt, ist nicht das problem, aber das ihr in eurer blindheit die heutige regierung verteidugen wollt, dass zeugt einfach von eurer unerreichbaren intelligenz
J.Stahl (11.09.2007, 22:49 Uhr)
042020
das stimmt.ich erlebe es jedes jahr wenn ich in die staaten fliege.dumme deutsche die kein wort englisch können,sich vor den schwarzen fürchten und vor lauter vorurteilen sich nicht mal trauen um den block zu gehen aber daheim stolz erzählen ich war in den usa!
J.Stahl (11.09.2007, 22:47 Uhr)
@german by nature
ich hoffe das mal so ein dummer gi joe dir denn hintern durchsiebt,vielleicht hat sogar mein verlobter mal das vegnügen.weißt du warum ich amerika liebe?weil da so idioten wie du aus dtl.nicht hinfliegen!
042020 (11.09.2007, 22:16 Uhr)
Deutsche
warum 99% der deutschen arrogante
arschlocher sind, hier wieder mal
beweiss:
gestern abend DFW Fluhafen, deutsches
alters ehepaar, kein wort english.
wegen schlechtem wetter flug ge-
strichen/ mein Frau war in der nahe und es wurde gefragt ob jemand Deutsch kann. meine frau ist hin und hat geholfen es diesem ehepaar
zu erklaren das sie erst am nachsten tag weiterfliegen konnen.
Voucher furs Hotel erklard und hat sie zum hotel shuttle gebracht.
meine frau spricht nur wenig deutsch.
nun am ende wurde nicht einmal danke gesagt.
sie sagt nie wieder.
anti-german
042020 (11.09.2007, 21:59 Uhr)
@Oetker333
wen du sagst bei uns, heist das Deutschland oder Vietnam ?
doch wie gesagt, man hat dich hier nicht reingelassen so bist eben fur immer bose?
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