25. September 2009, 14:03 Uhr

Neue Heizer für die Weltwirtschaft gesucht

Die USA nutzen das G20-Treffen in Pittsburgh, um etwas ganz Großes vorzubereiten: Denn Barack Obama will nichts weniger als eine Reform der Globalisierung - zugunsten der Vereinigten Staaten. Von Katja Gloger

 
G20, WIrtschaft, USA, Obama, Merkel

Stahlarbeiter: Pittsburgh ist das Musterbeispiel für einen gelungenen Strukturwandel©

Der rote Teppich fehlte, First Lady Michelle Obama trug rosafarbene Pumps, die Kanzlerin wie immer im ach so praktischen Hosenanzug, dafür bekam Carla Bruni gleich vier Küsschen vom lieben Freund Barack. Der König von Saudi-Arabien ließ die Gewänder rauschen, die Gattin des türkischen Ministerpräsidenten kam mit Kopftuch, man herzte und scherzte, es herrschte ein bisschen Familientreffen-Atmosphäre bei der Eröffnung des G20 Gipfels in Pittsburgh. Dabei sollen die versammelten Staatenlenker hier heute nichts weniger bewerkstelligen, als das "globale Wirtschaftsdurcheinander" wieder in Ordnung zu bringen. So jedenfalls soll nach Angaben der "New York Times" Michelle Obama mit dem ihr eigenen Pragmatismus die Gipfel-Agenda umschrieben haben.

Pittsburgh also, im Nordwesten von Pennsylvania, an zwei Flüssen gelegen, die Allegheny und Mononghaela, heißen und hier zusammen in den mächtigen Ohio fließen. Pittsburgh, das klingt nach Stahl und Ruß und Schmutz und Dauerregen. US-Provinz? Elend? Industrieruinen? Von wegen. Pittsburgh ist das Musterbeispiel für einen gelungenen Strukturwandel, begonnen in den 70er Jahren.

Pittsburgh hat 35 Universitäten

Heute grünt es und blüht es, der Himmel strahlt blau, 35 Universitäten buhlen um Studenten. Zehntausende gut bezahlter Jobs warten auf Bewerber. Häuser sind preiswert, die Schulen gut, die Stadt gilt als eine der lebenswertesten in den USA. Pittsburgh, Pennsylvania, ein "Showcase" für das moderne Amerika. Eine nette Kulisse für das dritte Klassentreffen der G20 innerhalb eines Jahres. 1100 Delegierte, 2000 Journalisten, im Rahmen des Damenprogramms ist ein Besuch des Andy Warhol Museums vorgesehen.

Eine gute Nachricht verlautet aus Pittsburgh: die Welt ist wohl knapp an der ganz großen Katastrophe vorbeigeschrammt. Die befürchtete große Depression wird es wohl nicht geben, man lernte aus den Fehlern der 30er Jahre. Schiere Panik schweißte vor einem Jahr die großen Industrieländer zusammen, die Beschlüsse des "Billionen-Dollar-Gipfels" von London waren die Folge. Hunderte Milliarden wurden für Bankenrettung und weltweite Konjunkturprogramme ausgegeben. Vor allem aber hieß es: "Nie wieder!" Nie wieder sollten einige Wenige an der Wall Street oder in der Londoner City die Welt an den Abgrund führen. Kontrollen wollte man einführen, international durchsetzbare Regeln, endlich ein Korsett für den "entfesselten Finanzkapitalismus", den Weltoberfinanzminister Peer Steinbrück ausmachte.

Längst schleicht sich die Normalität zurück

Das war vor ein paar Monaten, also damals. Längst schleicht sich die Normalität zurück, die Aktienmärkte boomen, die Profiteure von einst drängen zurück an die Tröge. Für die Steuerzahler aber kommt das dicke Ende noch: in den aberwitzig verschuldeten Industrieländern werden es Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen sein. Hier droht 25 Millionen Menschen die Arbeitslosigkeit. Im Rest der Welt wurden nach Berechnungen der Weltbank durch die Krise zusätzlich 90 Millionen Menschen in absolute Armut geworfen - sie müssen von weniger als einem Euro pro Tag leben. Weltweit wurden Werte in Billionenhöhe vernichtet - für immer.

Die Schuldigen zur Verantwortung ziehen? Härtere Regeln durchsetzen? Von wegen. Schon im Vorfeld des Gipfels zankte man sich nach Kräften über Banker und Boni, über Blasen, Eigenkapitalquoten und neue Bilanzierungsregeln. Vor allem Großbritannien und die USA leisten zähen Widerstand gegen Regulierungen, die Finanzindustrie gehört zu ihren profitabelsten Wirtschaftsbreichen, und ihre Lobbyisten sind ebenso mächtig wie zahlungskräftig.

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
Stony2005 (26.09.2009, 07:54 Uhr)
Und das vor der BTW.
Wen ich mir bei dieser Thematik vorstelle:
Merkel BK und Westerwelle BAM, kann einem Angst und bange werden.
BTW: Haben die USA in den letzten 40 Jahren igrendetwas ohne Eigeninteresse gemacht???? Nichts....Also erwartet doch nicht von Obama dass sich dies ändert. So blauäugig kann man doch nun wirklich nicht sein.

knilch_59 (25.09.2009, 22:19 Uhr)
böser Obama!
Im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 war als eins der Ziele staatlicher Wirtschaftspolitik das "außen-wirtschaftliche Gleichgewicht" definiert. Das Gesetz ist nie aufgehoben worden, aber eingehalten haben wir es auch nie, sondern 40 Jahre auf Exportweltmeister gespielt, und uns dabei toll gefühlt. Andererseits haben die USA auch immer nur allenfalls halbherzige Versuche unternommen, sich vom Status des Importweltmeisters zu befreien. Böser Obama, jetzt plötzlich, nach 40 Jahren, globale Vernunft einzufordern. Natürlich steht das im Gegensatz zu dem, was Bundes-Angie in ihrem Schlaf-Wahlkampf rausposaunt. Ihr, und der CDU/CSU samt angehängter Seeheim-SPD, fällt zur Genesung unserer Wirtschaft eben auch nichts ordentliches ein. Sie ist es, die einfach weitermachen will wie früher. Obama hat recht, und deshalb ist das einfach nur gemein!
.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stabilitäts-_und_Wachstumsgesetz
Eisenbaer (25.09.2009, 19:38 Uhr)
I have a dream....
...einen Alptraum: eine völlig überforderte Frau Merkel und ein williger, doch völlig unerfahrener Guido Westerwelle werden von den anderen Staatslenkern total überfahren und wissen als Reaktion nur "Du! Du! Du!" zu sagen...
seppmaier (25.09.2009, 19:13 Uhr)
schade
die chance zu veränderung des finazsystems wurde nicht genutzt.
das fiat-money-monopolyspiel geht einfach so weiter.
damit ist eine bewältigung der krise ausgeschlossen.
die alten lügen dienen weiterhin als basis für das vermeindlich neue? lächerlich!
es kann nichts richtiges aus dem falschen entstehen, leider.
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