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19. März 2009, 06:46 Uhr

Roland Berger soll Opel retten

Wenn die Politik nicht weiter weiß, fragt sie gerne Roland Berger. Der weltweit renommierte Unternehmensberater soll nun auch zum Retter des kriselnden Autobauers Opel werden. Die Bundesregierung hofft dabei auf Bergers nationale und internationale Kontakte. Gesucht wird ein privater Investor, der bei Opel einsteigt.

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Die Politik weiß in Sachen Opel wohl nicht weiter: Nun soll es Unternehmensberater Roland Berger richten© Martin Meissner/AP

Der prominente Industrie- und Politikberater Roland Berger soll im Auftrag der Bundesregierung die Verhandlungen zur Rettung Opels koordinieren. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwochabend in Berlin mitteilte, soll Berger "seine nationalen und internationalen Kontakte sowie seine Erfahrung aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater einbringen, um die komplizierten Fragen im Verhältnis zwischen Opel und General Motors zu lösen." Er solle überdies die Suche nach internationalen Investoren für eine europäische Gesellschaft vorantreiben. Opel strebt eine weitgehende Abkopplung des Europageschäfts vom US-Mutterkonzern an, kann dies aber nicht allein schaffen. Vom Staat werden europaweit Hilfen von 3,3 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre erhofft - über Bürgschaften, Kredite oder Beteiligungen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte auf seiner USA-Reise in Washington angekündigt, dass die Regierung einen Koordinator installieren werde, der die Gespräche zwischen GM und Opel sowie weiteren europäischen Töchtern zusammenführen solle. Nach Angaben des Ministeriums wird Berger eng mit den auf Regierungsebene eingesetzten Beauftragten, Steven Rattner und Staatssekretär Homann, zusammenarbeiten.

Viel Arbeit für den Berater

Auf Berger wartet viel Arbeit. Denn wie Guttenberg in Washington erklärte, ist Opel bei weitem noch nicht gerettet, auch wenn der "Hoffnungsschimmer" wieder etwas heller geworden sei - zumindest bis Ende des Monats. Entscheidend sei, ob das von GM bis 31. März vorzulegende neue Unternehmens-Konzept zukunftsfähig sei und von Washington und Berlin akzeptiert werden könne, sagte der Minister nach seinen Gesprächen mit der Führung des Opel-Mutterkonzerns und Vertretern der US-Regierung.

Roland Berger hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten als gefragter Partner in Politik und Wirtschaft einen Namen gemacht. Die von ihm 1967 gegründete Beratungsgesellschaft Roland Berger Strategy Consultants zählt zu den wichtigsten der Branche weltweit. Der 71-Jährige hat beste Kontakte in die Entscheidungszentren und gilt in Wirtschaft und Politik als hervorragend vernetzt. Er beriet nicht nur den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), sondern auch dessen einstigen Herausforderer 2002, den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU).

Auch General Motors Europe bestätigte am Mittwochabend, dass die Unternehmensberatung Roland Berger beim neuen Unternehmensmodells für Opel helfen werde. Roland Berger solle die noch offenen Punkte des Konzepts klären, mit dem ein eigenständiges europäisches Unternehmen unter der Führung der Adam Opel GmbH entstehen soll.

Gesucht: Konzept, das Staatshilfe rechtfertigt

Guttenberg hatte nach einem Treffen mit US-Finanzminister Timothy Geithner erklärt, weder die US-Regierung noch die Bundesregierung seien weiter bereit, Milliarden in ein Unternehmen zu stecken, das dem internationalen Wettbewerb auf Dauer nicht gewachsen sei. Beide verabredeten eine enge Zusammenarbeit bei der Krisenbewältigung des GM-Konzerns. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe sollen die Gespräche auf Spitzenebene verankern werden.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war die Reise Guttenbergs "sehr erfolgreich". Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Bundesregierung werde jetzt in den nächsten Wochen im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiter an einer Rettung von Opel arbeiten. Sie könne aber nicht Aufgaben des Konzerns übernehmen. Die SPD erwartet schnelles Handeln von Guttenberg. Eine europäische Lösung für Opel könne nur durch "aktive Mitarbeit" der Bundesregierung erreicht werden, sagte der Parlamentarische SPD-Fraktions-Geschäftsführer Thomas Oppermann. FDP-Chef Guido Westerwelle bewertete die Reise mit den Worten: "Außer Spesen fast nichts gewesen."

Der Chef des GM-Europa-Ablegers Carl-Peter Forster und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz warben am Mittwoch im Bundestag um die erhofften Milliarden-Staatshilfen. Aus einem Papier für die Abgeordneten geht hervor, dass Opel seine Probleme als Folge der Finanzkrise und mangelnder Kreditversorgung sieht. Auch hält sich das Unternehmen für die europäische Wirtschaft und Autoindustrie insgesamt für sehr wichtig ("systemrelevant"). US-Regierung und Bundesregierung machen dagegen eher strukturelle Probleme für die Krise des Autobauers verantwortlich.

In dem Papier erklärt Opel, es würden bereits Gespräche mit Investment-Banken als Investoren geführt. Laut Guttenberg gibt es sowohl aus dem Finanzsektor als auch aus der Industrie interessierte Investoren. BMW-Chef Norbert Reithofer bestritt indessen nochmals jegliches Interesse an einen Einstieg bei Opel.

Opel-Autos künftig auch in den USA?

Die Arbeitnehmervertretung von Opel forderte unterdessen, die Autos als Zugeständnis des Mutterkonzerns künftig weltweit vertreiben zu dürfen. Im GM-Verbund darf Opel bisher nur auf dem europäischen Markt auftreten, das müsse geändert werden, sagte Franz der "Süddeutschen Zeitung". Opel hat nach Angaben des Betriebsrates Fabrik-Kapazitäten für 2 Millionen Autos im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden nur 1,4 Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
utospatz (19.03.2009, 19:44 Uhr)
Da kauf ich mir als Bürger keinen
Berger, nur ein Matterhorn!
Denn eines ist gewiss:" irgendwann macht auch der, wie ehemals ein Hartz-Puff-Empfänger auf Steuerzahlers-Kosten seinen letzten Schiss"!
Herzlichste Grüße an Alle sogenannte demokratische Parteien!
H.Brueggemeier (19.03.2009, 13:40 Uhr)
Job unter Brüdern
Für mich hört es sich sehr nach Mauschelei an. Wir Opel jetzt verramscht wie die ehemalige DDR???
Das wird also wiedermal teuer für uns Steuerzahler.
Ist es wirklich teurer Opel zu retten als es künstlich am Leben zu halten ???
waldi22 (19.03.2009, 13:38 Uhr)
@Raffke-Manager
Ich kenne persönlich Leute, die als ausgebildete Lehrer in sprachlichen Fächern ohne Stelle plötzlich bei RB Wirtschaftsfachleute waren; die von morgens 8 bis nachts um 1 gearbeitet haben---gegen 22 oder 23 Uhr ihr teambildendes Erlebnis der gemeinsamen Pizza aus der Pappschachtel hatten usw.. Bitte komm' mir hier nicht mit Wirtschaftskompetenz. Ich habe auch viele Freunde, die in Behörden oder Firmen seit Jahrzehnten arbeiten und mir aus der Vorberatungszeit und Nachbereitungszeit erzählen---dabei kommt vor allem rüber, danach ist Sand im Getriebe und nix funktioniert mehr wirklich---außerdem fließen plötzlich dringend benötigte Gelder fürs operative Geschäft in unsinnige Strukturen. Aber die Praktiker sind ja alle zu doof oder wie?
Ich haber die ersten ca 10 Jahre meines Berufslebens auch ca 16h am Tag gearbeitet---das hatte aber auch zum Teil damit zu tun, dass ich noch nicht Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden konnte und für Arbeitsabläufe zum Teil noch zuviel Zeit benötigte, heute reichen daher 12 bis 14 Stunden am Tag. Viele Leute arbeiten lange und bekommen dies nicht unbedingt honoriert, worüber sie auch gar nicht meckern. Aber diese Kaste wie RB sind Blutsauger unserer Gesellschaft und das hat nix mit Neidgesellschaft Deutschland zu tun. Hatte Anfang der 70er ein H.J. Abs etwa das 40 fache im Monat wie ein normaler Arbeiter, etwa doppelt soviel wie ein Rechtsanwalt, Arzt oder Spitzenfußballer, dann finde ich das ok. Hat aber heute ein H.J. Ackermann das 400 fache des normalen Arbeiters, das 50 fache eines Anwalts oder Arztes, dann stimmen die Verhältnisse in keiner Weise mehr!
Haris_Pilton (19.03.2009, 13:23 Uhr)
Der Roland Berger,...
der 2004 die "große Reform" der Arbeitsagentur durchführte? Der Roland Berger, der für schlappe 10 Mio Euro lediglich das Logo der Agentur invertierte? Einer schrieb hier er würde unentgeltlich arbeiten - das kann ich mir bei diesem Typen beim besten Willen nicht vorstellen. Naja...mal sehen ob was draus wird, vielleicht ein blaues Opel-Logo?
Raffke-Manager (19.03.2009, 13:15 Uhr)
RTL & Bild-Gesellschaft
Hier werden aus mehreren Quellen aus dem Netz wahllos Informationen über RBSP kopiert und dazu mit betriebwirtschaftlichem Unverstand kombiniert. Des Weiteren werden Kleingeister wie bspw. Volker Pispers zitiert, der auf - entsprechende seinem Publikum - niedrigstem Niveau versucht, ein paar oberflächliche Witzchen zu formulieren. Keiner von den hier Kommentierenden hat wohl jemals in der Beratung gearbeitet noch begreift hier einer irgendwelche wirtschaftliche Zusammenhänge. Einen EINZIGEN von den hier Kommentierenden möchte ich EINEN Tag mit der Arbeitsintensität erleben! Aber nein; bis 1800 Uhr arbeiten reicht doch, Arbeitnehmer dürfen nicht ausgebeutet werden, wo bleibt unsere Freizeit, blablabla... Jaa, es tut so gut, wenn RTL zu Deutschlands Arbeitnehmern haucht, "Eeendlich Freitag" !
Aber was soll man auch anderes erwarten; 1,30 €, Zumwinkelthematik, Boni, Investmentbanking, etc... alle monetären Themen, die für den Laien nicht direkt durchschaubar sind - arme Neidgesellschaft Deutschland.
kralli19 (19.03.2009, 12:13 Uhr)
Pispers weiß es...
http://www.youtube.com/watch?v=ko5CCSomDMY
Bei ca. 0:45 gehts los zum Thema Unternehmensberater.
Damit dürften sich auch alle Hoffnungen, die irgendjemand tatsächlich in Guttenberg gelegt hatte, erledigt haben.
Ist ja fast genauso gut wie Merkel, als sie Titemeyer einsetzen wollte um der Bankenkrise zu begegnen. Im Bundestag schallte ihr dafür Gelächter entgegen, aber zum Lachen ist mir hier nicht zumute - hier werden MEINE STEUERGELDER VERAST...
Viper2024 (19.03.2009, 11:40 Uhr)
Kungelei
Es gibt bestimmt tausende kleinerer Unternehmensberater die mehr Ahnung von der Automobilindustrie und ein sozialeres Gewissen hätten als Berger und Co. aber da sieht man mal wieder das nicht Leistung und Fachkenntnis zählen sondern Kungelei.
hannes_schinder (19.03.2009, 11:26 Uhr)
Roland Berger steckte der nicht auch
mit Lothar Späth und Edmund Stoiber zunter einer Decke? Abzocke ohne Ende!
universal1909 (19.03.2009, 11:25 Uhr)
Soviel hierzu...Deutschland erwache!!!
Dipl.-Kfm. Roland Berger, geboren 1937, gründete 1967 die Roland Berger & Partner GmbH International Management Consultants. Unter anderem war er Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmenberater, ist seit 1992 Deputy Chairman International der Association of Management Consulting Firms, arbeitet in der “Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen” mit und ist Mitglied des “Innovationsbeirates” beim Bundespräsidenten. Roland Berger war einer der wichtigen Berater von Gerhard Schröder und als besonders aktiver Netzwerker an der so genannten Reformpolitik beteiligt. Der niedersächsische Ministerpräsident warf ihm öffentlich die Bildung von Seilschaften vor. Seine Beratungsfirma arbeitete in der Hartz-Kommission mit. Er verdiente Millionen mit der Umgestaltung der Bundesagentur für Arbeit. Persönlich aktiv war Berger in der Rürup-Kommission. Der „Konvent für Deutschland“ wurde von ihm initiiert, er war Botschafter der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM). Als „Kostenkiller“ hat seine Beratungsfirma tausende von Arbeitsplätzen und Arbeitslosenschicksale auf dem Konto. Er war mit seinen Expertisen ein besonders aktiver Propagandist des „schlanken Staates“. Vor kurzer Zeit wollte er „für zwei Jahre alle Regeln aussetzen“ und den Markt einfach freigeben (SZ vom 8./9.1.2005). Dies alles hat unendlich viele Menschen in Deutschland ihrer sozialen Sicherheit und damit zugleich häufig auch ihrer menschlichen Würde beraubt.
Jüngst gründete er zusammen mit dem ehemaligen Chef des Handels- und Tourismuskonzerns Middelhoff den Finanzinvestor BLM Partners.
Roland Berger war in den 90er Jahren wesentlich beteiligt an der Gestaltung und der Arbeit der „Treuhand“. Er hat dabei nicht nur selbst Millionen abgesahnt, sondern auch Erfahrungen mit dem „Plattmachen“ von Unternehmen gesammelt. Das ist alles andere als ein gutes Omen für Opel und die Opelianer.
rossio29 (19.03.2009, 11:13 Uhr)
Honi soit qui mal y pense
Die Konstellation könnte besser nicht sein: Roland Berger + Thomas Middelhoff = BLM Partners.
Alte Seilschaften bereiten das Ende von Opel vor. Bares isr reichlich vorhanden. Schliesslich hat Herr Middelhoff für seine Sanierung von Arcandor gerade 2,3 Mio Bonus eingesackt.
Vielleicht sollte Herr Berger mal mit Herrn Tata sprechen. Die Inder plus BLM Partners plus GM plus Opelhändler könnten eine Lösung erreichen.
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