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27. April 2010, 21:02 Uhr

"So wahr mir Gott helfe"

Aygül Özkan ist zur neuen niedersächsischen Sozialministerin gewählt worden. Damit ist erstmals in Deutschland eine Muslimin als Ministerin vereidigt worden.

Aygül Özkan, Vereidigung, Kruzifix, Verbot, Sozialministerin

Mit der Gottesformel vereidigt: die CDU-Politikerin Aygül Özkan© Christian Charisius/Reuters

Jetzt ist es amtlich: In Deutschland wurde am Dienstag mit Aygül Özkan erstmals eine Muslimin zu einer Ministerin ernannt. Für die 38 Jahre alte Deutsch-Türkin, die vor einer Woche bei ihrer Vorstellung als zukünftige Sozialministerin beinahe wie ein Popstar gefeiert wurde, war der Start von einer Kontroverse überschattet: Özkan hatte in der eigenen Partei Wirbel ausgelöst, weil sie sich gegen Kreuze und Kopftücher in Schulen ausgesprochen hatte. Später rückte sie aber nach parteiinternem Druck von ihrer Äußerung ab.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) stärkte Özkan vor der Vereidigung ausdrücklich den Rücken. "Alle Missverständnisse sind ausgeräumt", sagte er. Özkan werde gute Arbeit leisten. Im Landtag legte die Deutsch-Türkin den Amtseid im Vertrauen auf Gottes Hilfe ab. In einer Erklärung des Sozialministeriums hieß es, Özkan berufe sich auf den "einen und einzigen Gott", der allen drei Weltreligionen gemeinsam sei. Die 38-Jährige betonte auch, dass sie sich den Werten der Christlich Demokratischen Union Deutschland verpflichtet fühle. Zur Amtseinführung brachte Özkan, die angespannt und aufgeregt wirkte, ihre Familie aus Hamburg mit nach Hannover.

Die Ernennung der ersten Deutsch-Türkin zur Ministerin gilt als Signal für eine Öffnung der CDU hin zu einer modernen Integrationspolitik. SPD und Grüne dagegen hatten angesichts der Querelen am Montag gemutmaßt, die Union sei mit der selbstbewussten Muslimin überfordert.

Drei weitere Minister ins Kabinett berufen

Neben Özkan berief Wulff noch drei weitere Minister in sein Kabinett: Die Sächsin Johanna Wanka (59), ehemals Oppositionsführerin im Landtag in Brandenburg, übernimmt das Wissenschaftsministerium. Mit ihr kommt erstmals eine Ostdeutsche in eine westdeutsche Landesregierung. Neue Landwirtschaftsministerin ist Astrid Grotelüschen (45) aus dem Oldenburger Land, die 2009 in den Bundestag eingezogen war. Das Kultusministerium übernimmt Bernd Althusmann (43), bisher Kultus-Staatssekretär in Niedersachsen.

Die Mehrheit des Landtages - die Fraktionen von CDU und FDP - stimmten der Ernennung der vier neuen Kabinettsmitglieder zu. SPD, Grüne und Linke votierten dagegen.

Trotz des offenkundigen Versuchs der niedersächsischen CDU, politische Einheit zu demonstrieren, bekräftigten andere Unionspolitiker ihre Kritik an der neuen Ministerin. "Ich halte die ganze Übung für kropfüberflüssig und sie schadet der CDU", sagte Baden-Württembergs Landeschef Stefan Mappus (CDU). Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete Özkans Schulkreuz- Vorstoß als "völlig indiskutabel". Er erwarte von Wulff, dass er Özkan "die Grundsätze von CDU und CSU" beibringe.

Muslimische Verbände reagierten positiver. So würdigte der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat die Ernennung Özkans als "historischen Moment". Auch der Koordinationsrat der Muslime sprach von einer "wegweisenden Entscheidung".

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Swiftmemex (28.04.2010, 18:19 Uhr)
Gesinnung
Es wird sich früher oder später herausstellen, wie es um die Gesinnung dieser Person steht. Erdo?an sieht die Türken in Deutschland als gesellschaftliche U-Boote und stille Reserve, die sich seiner Ansicht nach um ihre türkische Identität bemühen sollten.

Der Islam unterscheidet nicht zwischen Staat und Religion. Hätte sie auf den islamischen Gott geschworen, würde sie die deutsche Verfassung mit Füßen treten.

Nehmen wir es vorerst als gegeben hin, das sie dem Islam abgeschworen und sich zu Deutschland bekannt hat.
erichmonika (28.04.2010, 18:05 Uhr)
Nicht zu fassen!
Was hier für ein verschleierter Nationalismus zu Tage tritt. Frau Özkan ist nicht Türkin sondern Deutsche und sie ist hier aufgewachsen. Was soll das, dass man sie zur Türkin abstempelt und es als ungehörig betrachtet, dass sie Ministerin wird und wenn ihr Gott Allah heißt, ist es immer noch immer ihr Gott, wenn sie daran glaubt, dann soll er ihr halt auch helfen. Also liebe Leute, die Aufklärung ist schon ein paar Jahre alt. Benehmt euch nicht wie im Mittelalter oder in Hintertupfing.
Power (28.04.2010, 15:20 Uhr)
Das hat uns noch gefehlt
Wann gibt es die ersten deutschen Parteichefs u. Minister in türkischen Parlamenten?
Ohnemichel (28.04.2010, 13:16 Uhr)
Allah Schwur auf die Verfassung
mein lieber Gott, nicht zu fassen...
tannebaum (28.04.2010, 13:06 Uhr)
diese frau...
...wird der cdu nicht helfen, sondern schaden. egal wie liberal wulff sein wollte, dass ding wird ein bummerang.
und es öffnet die türen für radikalismus.

die meisten sind noch nicht so weit und fühlen sich jetzt schon mit der migrantenanzahl überfordert und verunsichert. aber scheinbar ist es den partein im jetzt egal, denn deren überleben hängt davon ab, ob sie auch künftig wähler haben. und wer in die zukunft schaut, weiss, dass deutsche dann nur als rentner noch eine wahlgröße spielen werden. die medien machen ja auch schon alle tore auf...

früher stand es in den jobanzeigen der öffentlich rechtlichen: behinderte bevorzugt... heute wurde das gegen das wort migrantenhintergrund getauscht.

eigentlich ein verstoß gegen das gleichstellungsgesetz, aber keiner sagt was. allerdings öffnet diese vorgehensweise auch tür und tor für falsche berichtsweisen. islamkritische nachrichten werden weniger oder werden ins nachtprogramm gedrängt. erst letztens kam ein ganz toller und aufwendiger film über den völkermord der türken an den armeniern, welchen die bis heute leugnen. ein großartiger film, der erst nach 23.00 uhr kam. wieso??? ob süddeutsche, focus, spiegel oder sonst wer, alle waren voll des lobes auf diesen film. nur vom volk selbst sah ihn selbst kaum einer...

warum?????
tannebaum (28.04.2010, 12:58 Uhr)
@Papayu
lesen sie das grundgesetz und informieren sie sich doch mal richtig.
manno mann, nur weil sie cdu-hasser sind, haben sie doch nicht das recht jeden mist zu verbreiten. ansonsten schauen sie mal worauf willx brandt und helmut schmidt schwörte. wurden die von der cdu gezwungen???
sachsenwini (28.04.2010, 12:49 Uhr)
@ Papayu .. So wahr mir Allah helfe
Sie hat ja ganz sicher ihren Gott gemeint, ansonsten wäre es ja für sie eine Totsünde.

Damit hat die Moslemin, die einer christlichen Partei angehört aber christliche Symbole abschaffen will, zur Ableistung ihres Eides für ein staatliches Amt, ihren islamischen Gott bemüht.
.
Da muss mir wohl einer erklären, wie sich das mit der von ihr geforderten Trennung von Staat und Kirche vereinbaren lässt.
Papayu (28.04.2010, 12:21 Uhr)
Deutschtuerkin
Hat sie tatsaechlich geschworen " so wahr mir Gott helfe?" Eigentlich muesste sie doch auf Allah schwoeren. Dieser Schwur gehoert abgeschafft, aber die Schwarzen halten daran fest wie mit dem Zoelibat.
Swiftmemex, es heisst schon immer so, Deutschamerikaner, Deutschchilene usw.
Solange man-frau die deutsche Sprache beherrscht ist das Woertchen Deutsch.... angebracht.
Wann werden endlich diese Deutschtuemler begreifen, dass wir multikulrurell(Fremdwort?)
geworden sind.
Red.Pussy (28.04.2010, 09:26 Uhr)
Allah Akbar...
Ein schönes Beispiel für die mittlerweile offene Verlogenheit in der regierenden Politik. Wenn christliche Werte durch eine muslimische Sozialministerin vermittelt werden, dann ist auch eine "1" die hinreichende Voraussetzung zur Lehre von Maschinenbau? Oder handelt es sich hier nur um ein Gegenmodell zur Diskriminierung - Geschlecht und Religion als Auswahlkritierium? Sie sieht lecker aus, und das ist auch gut so;-)
madicus (28.04.2010, 04:38 Uhr)
Verschachert???
Blamiert hat sich die sogenannte "Christliche" Partei! "Machen wir eine tuerkisch-staemmige Muslimin zur Ministerin, dann sehen wir wieder saugut aus!"
Mitnichten! Selbst erzkonservative Idioten muessen mittlerweile eingesehen (oder zumindest erkannt) haben, das in Deutschland geborene Kinder (gleich welcher Abstammung auch immer) im Sinne deutscher Demokratie aufgewachsen sind und, wenn nicht direkt durch die Familie, so doch durch Schule, Gesellschaft und das gesamte Umfeld einer demokratischen Gesellschaft gepraegt wurden. Wenn die CDU nun ihre ach so geniale Entscheidung, eine Muslima zur Ministerin zu machen, eine freidenkende, entschlossene und willensstarke Frau zu vereidigen bereut, wundert mich das nicht. Manipulationen und Einschuechterungen gehoeren nun mal zum Programm dieser Partei.
Frau Özkan: Sie sollten sich ueberlegen, welcher Partei sie angehoeren wollen.
Ansonsten meinen allerherzlichsten Glueckwunsch aus den USA!
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