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Der Kandidat fürs Präsidentenamt: Elf Storys über Christian Wulff

Es gab viele Gerüchte, nun steht die Entscheidung fest: Christian Wulff, CDU, wird Schlossherr. Und Bundespräsident. Wer ist der Mann?

Der Mann, der kein Alphatier sein wollte

Noch am Nachmittag dieses 3. Juni 2010 hatte Christian Wulff, 50, gesagt, er fühle sich als Ministerpräsident wohl. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber schon längst seinen Hut in den Ring geworfen. Nun ist klar: Die schwarz-gelbe Koalition wird ihn als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ins Rennen schicken.

Im Tiefstapeln war Wulff schon immer ein Meister. In einem Interview mit dem stern sagte er 2008, er beziehe aus Machtpositionen keinen "Lustgewinn". Auf die Frage, ob er sich das Amt des Bundeskanzlers nicht zutraue, antwortete er: "So ist es." Er wollte sich nicht als Alphatier verstanden wissen, und schob, damit es auch jeder versteht, hinterher: "Auf mich wartet in Berlin niemand."

Das war eine Unterwerfungsgeste in Richtung Angela Merkel, denn Wulff wurde immer als ihr heimlicher Konkurrent gehandelt. Nun steht er bald, zumindest formal, über ihr - an der Spitze des Staates.

Katholik - aber zum zweiten Mal verheiratet

Wulff wird, nach Heinrich Lübke, der zweite Katholik sein, der in Schloss Bellevue einzieht. Aber er ist der Erste, der eine junge Familie mitbringt: Mit seiner Frau Bettina, geborene Körner, hat Wulff einen zweijährigen Sohn namens Linus Florian. Das Paar hatte im März 2008 heimlich geheiratet - und eine Woche in Italien geflittert.

Wulffs Gattin, die 14 Jahre jünger ist, war PR-Managerin, genauer gesagt: Pressereferentin beim Reifenproduzenten Continental. Anfang 2006 wurde die Liaison bekannt. Wulff trennte sich damals von seiner ersten Ehefrau, mit der er die nun 16-jährige Tochter Annalena hat. Körner brachte ihrerseits einen Sohn mit in die Ehe. Die Wulffs dürfen sich also, neudeutsch formuliert, mit Fug und Recht eine "Patchworkfamilie" nennen.

Ein Strippenzieher für VW

Volkswagen, Europas größter Automobilhersteller, ist das industrielle Herzstück Niedersachsens. Das Land ist obendrein ein wichtiger Anteilseigner, der Ministerpräsident sitzt im Aufsichtsrat. In dieser Funktion führte Wulff in den Jahren 2008 und 2009 eine Abwehrschlacht gegen Porsche - der süddeutsche Sportwagenbauer hätte sich VW gerne einverleibt. Es bestand die Gefahr, dass Arbeitsplätze nach Stuttgart verlagert werden würden. Schließlich kam es anders herum: VW verleibte sich Porsche ein. Damit hatte Wulff auch einen politischen Kampf gegen Günther Oettinger, damals Regierungschef in Baden-Württemberg, gewonnen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb im Mai 2009 mit einer gewissen Bewunderung: "An Wulff kommt keiner vorbei."

VW gehören inzwischen faktisch zehn Marken, von Bugatti bis Skoda. Der Konzern steht trotz der Wirtschaftskrise gut da, auch weil Hauptkonkurrent Toyota schwächelt. Das Wohlergehen von Volkswagen hat auch Wulffs Ruf als Wirtschaftsfachmann gefestigt.

Mitglied im Andenpakt

Es wurde sehr viel darüber geschrieben, noch mehr darüber getuschelt, aber er wurde nie zu jenem mächtigen, verschworenen Männerclub der CDU, für den ihn viele hielten: der Andenpakt. Der Grund: Am Ende des Tages verfolgten die Protagonisten - wie zum Beispiel Oettinger und Wulff im Streit um Porsche - doch eigene Interessen.

Mitglieder des Paktes, die sich auf einer Reise nach Südamarika zusammenfanden, sind (oder waren) Wulff, Oettinger, auch Roland Koch, der noch amtierende hessische Ministerpräsident. Matthias Wissmann, ehemals Bundesverkehrsminister, jetzt Cheflobbyist der Automobilindustrie, wird ebenfalls hinzu gerechnet.

Der Sieg über Sigmar Gabriel

Es hätte ihm schon fast keiner mehr zugetraut: Erst nach drei Anläufen schaffte es Christian Wulff, die Staatskanzlei in Hannover zu erobern. 2003 schlug er bei der Landtagswahl den amtierenden Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel, SPD, der daraufhin in eine tiefe Krise stürzte. Der Sozialdemokrat wurde Pop-Beauftragter seiner Partei, was ihm viel Spott eintrug, bis er sich als Bundesumweltminister wieder politisch ins Spiel bringen konnte. Mittlerweile ist Gabriel Parteichef der SPD.

Wulff nutzte seine Zeit als Ministerpräsident, um einen präsidialen Stil einzuüben. Öffentlich hielt er sich mit Kritik an seiner Parteichefin Angela Merkel zurück. Als Roland Koch jüngst überraschend ankündigte, im August von allen Ämtern zurückzutreten, galt Wulff als letzter Kronprinz der CDU.

Wulff spielt Wulff

Nanu: Was macht Wulff mit Regisseur Dieter Wedel und Aktrice Veronica Ferres? Sie drehen einen Film: "Mein alter Freund Fritz", eine Groteske aus dem Jahr 2006. Es geht darin um einen Chefarzt, der plötzlich Geister sieht. Den Chefarzt spielt Ulrich Tukur. Und Wulff spielt genau das, was er damals war: einen Ministerpräsidenten. Er weiht einen Erweiterungsbau der Klinik ein und hält eine launige Laudatio.

Wulff sagte später über seinen Auftritt, das sei nicht schwer gewesen - er habe ja nur sich selbst gespielt. Und weil das niemand so gut könne wie er, habe er sogar den Drehbuchtext umgeschrieben.

Ein Big-Brother-Award für Wulff

2005 erhielt Christian Wulff den Big-Brother-Award in der Kategorie Behörden und Verwaltung. Der Grund: Die Landesregierung hatte die Zuständigkeit für den Datenschutz in der Wirtschaft dem Innenministerium zugeordnet.

Der Coup der Kabinettsumbildung

Normalerweise fällt es außerhalb der Landesgrenzen kaum auf, wenn ein Ministerpräsident sein Kabinett umbildet - bei Christian Wulff war es anders. Der Grund: Er berief im April dieses Jahres mit Aygül Özkan die erste Muslima auf einen Ministerposten. Die türkischstämmige Özkan, 38, ist studierte Juristin und kümmert sich nun um das Ressort Soziales. Dass ausgerechnet ein christdemokratischer Ministerpräsident diesen Schritt wagt - mit Einwanderung und dem Islam haben viele Konservative bis heute Bauchschmerzen - brachte Wulff sehr viel Applaus ein. Ebenfalls bemerkenswert: Neben Özkan berief Wulff auch eine Ostdeutsche in seine Regierung, Johanna Wanka aus Brandenburg.

Die Sache hatte nur einen Haken: Özkan forderte, noch vor ihrer Vereidigung, dass Kruzifixe aus deutschen Klassenzimmern entfernt werden. Das sorgte für einen Aufschrei der Empörung in den eigenen Reihen. Auf massiven Druck hin musste sie schnell wieder zurückrudern. Es wird sich noch zeigen müssen, wie viel Mut sich die Sozialministerin künftig erlauben kann.

Eine für Merkels Girlscamp

Es gibt nur sehr wenige Menschen, die direkten Zugang zur Kanzlerin haben: Beate Baumann (hier rechts im Bild), ihre Büroleiterin, gehört dazu. Sie ist, ebenso wie Wulff, in Osnabrück geboren. Und sie ist erst durch eine Empfehlung Wulffs in die Nähe Merkels gekommen. 1992 begann Baumann für Merkel zu arbeiten.

In einem großen Porträt schrieb der stern 2007 über Baumanns stilles, aber einflussreiches Wirken: Beate Baumann, zweitmächtigste Frau Deutschlands, rechte Hand von Angela Merkel, linke auch, ihre engste und nächste Vertraute - Beate Baumann beherrscht wie niemand sonst die Mimikry der Macht.

Das Erbe geordnet

David McAllister - links im Bild - auch er ist eine Entdeckung Wulffs. Der schneidige junge Konservative, 39, ist Fraktions- und Parteichef in Niedersachsen, Wulff vertraute ihm diese wichtigen Machtpositionen an. Nachdem Wulff nun ins Schloss Bellevue wechselt, ist McAllister sein natürlicher Nachfolger im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten.

McAllister, zweifacher Vater, hat deutsche und schottische Wurzeln, geheiratet hat er im schottischen Kilt. Er gilt als brillanter Rhetoriker und Selbstdarsteller. Zu stern.de sagte er: "Ich bin bürgerlich, pragmatisch und praxisorientiert."

Das Duo an der Spitze

Trotz aller öffentlichen Zurückhaltung, trotz aller Loyalitätsschwüre: Wulffs Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel war nie spannungsfrei. Im Gegenteil. Wulff, der Marktwirtschaftler, kam oft ebenso wenig mit Merkels "Sozialdemokratisierung" zurecht wie viele andere Parteifreunde. Zudem wäre er, wäre Merkel jemals gestürzt, ihr aussichtsreichster Nachfolger gewesen - also auch eine gefährliche Konkurrenz.

Nun hat Merkel Wulff ins oberste Staatsamt spediert. Dort hat Wulff keine operativen politischen Kompetenzen, aber er kann der Kanzlerin mit kritischen Reden das Leben schwer machen. Noch weiß niemand, wie Wulff dieses Amt ausfüllen wird. Klar ist nur, dass Merkel ihre Macht vor ihm verteidigen muss. Sie muss sich 2013 der Bundestagswahl stellen. Er ist erst wieder 2015 an der Reihe.

lk
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(