Am Freitag stimmt der Bundestag über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes ab. Wolfgang Börnsen ist einer von zwei Unions-Abgeordneten, die "Nein" sagen werden. Warum? Von Hans-Peter Schütz
Aus christlich-moralischen Gründen bin ich gegen die Beteiligung deutscher Soldaten an diesem Krieg. Ich komme aus einem christlichen Elternhaus. Und ich habe die Wirkung des Zweiten Weltkrieges noch direkt gespürt. Die christliche Lehre gibt uns eine unmissverständliche Botschaft, was die Frage von Tod und Leben unserer Mitmenschen betrifft.
Unsere Freiheit wird doch nicht am Hindukusch verteidigt. Vor allem aber: Ein Land, das den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hat, den schrecklichsten Krieg aller Zeiten, und das am Ersten Weltkrieg aktiv beteiligt war, sollte den Krieg als Mittel der Konfliktlösung ausschließen, und allein auf politische Lösungen setzen!
Dass das Regime in Afghanistan hemmungslos korrupt ist, das wird inzwischen weltweit so gesehen. Keine der über 40 Nationen, die sich dort engagieren, will dieses Regime stabilisieren. Alle wollen einen Beitrag dazu leisten, dass dieses Volk wieder zum Frieden für sich selbst findet.
Seit einigen Jahren übt Al Qaida nicht mehr Terroranschläge von Afghanistan aus. Diese Terrororganisation hat sich längst in anderen Ländern festgesetzt. Die Gefahr, dass es in Europa zu Anschlägen kommt, wächst umso mehr, je länger Soldaten aus Europa in Afghanistan eingesetzt sind. In einigen Fällen ist das ja bereits geschehen, etwa in London.
Ich glaube nicht, dass ich das so bestialisch formuliert habe. Was 2001 geschah war auf jeden Fall ein schlimmer Tabubruch. Über 50 Jahre hatte sich die Auffassung von Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl gehalten, dass ein Land mit einer Vergangenheit wie Deutschland zum Frieden beizutragen hat, sich aber nicht an kriegerischen Maßnahmen bei Konflikten beteiligen darf. Krieg muss für uns ein absolutes Tabu sein. Daher war es eine verhängnisvolle Entscheidung von Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den Afghanistan-Einsatz zu beschließen. Die Union war zunächst dagegen, erst in der zweiten Abstimmung hat sie sich auch aus Solidarität mit den USA dafür entschieden.
Ich betrachte mit Anerkennung, dass kein Fraktionsvorsitzender, kein Kollege bisher meine Gewissensentscheidung kritisiert hat. Ich akzeptiere deren Haltung und sie akzeptieren meine. Die Frage der Freiheit der Gewissensentscheidung wird in der Fraktion uneingeschränkt respektiert.