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27. Januar 2011, 18:41 Uhr

"Krieg muss tabu sein"

Am Freitag stimmt der Bundestag über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes ab. Wolfgang Börnsen ist einer von zwei Unions-Abgeordneten, die "Nein" sagen werden. Warum? Von Hans-Peter Schütz

© Karsten Sörensen/Foto.Presse Wolfgang Börnsen ... ist seit 1987 Bundestagsmitglied für den Wahlkreis 1, Flensburg-Schleswig. Der gelernte Maurer und studierte Lehrer ist kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Den Antrag der Bundesregierung, das Afghanistan-Mandat zu verlängern, lehnt der Flensburger ab.

Herr Börnsen, Sie sind einer von zwei Unions-Abgeordneten, die öffentlich erklären, dass sie der Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr nicht zustimmen werden. Warum?

Aus christlich-moralischen Gründen bin ich gegen die Beteiligung deutscher Soldaten an diesem Krieg. Ich komme aus einem christlichen Elternhaus. Und ich habe die Wirkung des Zweiten Weltkrieges noch direkt gespürt. Die christliche Lehre gibt uns eine unmissverständliche Botschaft, was die Frage von Tod und Leben unserer Mitmenschen betrifft.

Sind Sie denn nicht der Meinung, dass unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt wird? Sie selbst verlangen doch auch, dass Europa sich gegen den Terror wehren müsse.

Unsere Freiheit wird doch nicht am Hindukusch verteidigt. Vor allem aber: Ein Land, das den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hat, den schrecklichsten Krieg aller Zeiten, und das am Ersten Weltkrieg aktiv beteiligt war, sollte den Krieg als Mittel der Konfliktlösung ausschließen, und allein auf politische Lösungen setzen!

Was halten Sie von dem Argument, dass wir mit dem Leben der Soldaten ein korruptes Regime unterstützen?

Dass das Regime in Afghanistan hemmungslos korrupt ist, das wird inzwischen weltweit so gesehen. Keine der über 40 Nationen, die sich dort engagieren, will dieses Regime stabilisieren. Alle wollen einen Beitrag dazu leisten, dass dieses Volk wieder zum Frieden für sich selbst findet.

Mit Ihrer Weigerung ermöglichen Sie den Taliban-Terror gegen andere Menschen.

Seit einigen Jahren übt Al Qaida nicht mehr Terroranschläge von Afghanistan aus. Diese Terrororganisation hat sich längst in anderen Ländern festgesetzt. Die Gefahr, dass es in Europa zu Anschlägen kommt, wächst umso mehr, je länger Soldaten aus Europa in Afghanistan eingesetzt sind. In einigen Fällen ist das ja bereits geschehen, etwa in London.

Sie haben mal gesagt, es dürfe nicht sein, dass mit dem Blut deutscher Soldaten diplomatische Fehlleistungen von Gerhard Schröder und Joschka Fischer geglättet werden. Das genau aber macht jetzt die Unionsfraktion.

Ich glaube nicht, dass ich das so bestialisch formuliert habe. Was 2001 geschah war auf jeden Fall ein schlimmer Tabubruch. Über 50 Jahre hatte sich die Auffassung von Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl gehalten, dass ein Land mit einer Vergangenheit wie Deutschland zum Frieden beizutragen hat, sich aber nicht an kriegerischen Maßnahmen bei Konflikten beteiligen darf. Krieg muss für uns ein absolutes Tabu sein. Daher war es eine verhängnisvolle Entscheidung von Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den Afghanistan-Einsatz zu beschließen. Die Union war zunächst dagegen, erst in der zweiten Abstimmung hat sie sich auch aus Solidarität mit den USA dafür entschieden.

Treffen sie denn mit ihrer Haltung in der Unionsfraktion auf Toleranz oder werden sie als Abweichler angemacht?

Ich betrachte mit Anerkennung, dass kein Fraktionsvorsitzender, kein Kollege bisher meine Gewissensentscheidung kritisiert hat. Ich akzeptiere deren Haltung und sie akzeptieren meine. Die Frage der Freiheit der Gewissensentscheidung wird in der Fraktion uneingeschränkt respektiert.

Interview: Von Hans-Peter Schütz
 
 
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