Er ist der heißeste Aspirant auf die Nachfolge von Edmund Stoiber im Amt des CSU-Chefs: Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber. Im stern.de-Interview verrät er, was es für ihn bedeutet, konservativ zu sein und weshalb er an dem als "Herdprämie" geschmähten Betreuungsgeld festhält.

Anwärter auf den Chefposten: Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber bei einer Parteiveranstaltung in München© Johannes Simon/Getty Images
Das ist, gut bayerisch gesagt, ein Schmarrn. Ich halte die Begründung, mit der Schönbohm seine Thesen unterlegt, für dünn und an den Haaren herbeigezogen.
Das unterstütze ich auch, denn dabei wird auf einem guten Niveau nachgedacht. Die Unionsparteien müssen sich schon ganz klar dazu bekennen, wertkonservativ zu sein. Wir müssen den Menschen, denen Vaterlandsliebe, Heimatverbundenheit, bürgerliche Tugenden und Werte etwas bedeuten, mit unserer Politik vertreten. Das geht vom Religionsunterricht über Vorrang der Eigenverantwortung bis zu Fragen der inneren Sicherheit.
Man muss in der Tat sehr darauf achten, dass man konservativen Wählern eine Heimat gibt. Sonst besteht die Gefahr, dass sie Opfer von rechtsradikalen Verführern werden oder ins Lager der Nichtwähler abwandern. Deshalb gilt für mich bis heute die Maxime von Franz Josef Strauß: Rechts von CDU und CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Das bedeutet: Wir müssen Konservativen ein klares und überzeugendes politisches Angebot machen. Das bezieht sich auf Programm und Personen. Das ist vielleicht nicht überall in der CDU hinreichend beachtet worden.
Ich bekenne mich ausdrücklich zum Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Aber dadurch darf die zentrale Erziehungsfunktion der Eltern nicht ausgehebelt werden. Die SPD scheint mir Eltern generell als erzieherische Amateure einzustufen...
... aber für uns sind Betreuungseinrichtungen familienergänzende Instrumente. Sie können und dürfen die Familie nicht ersetzen. Darauf sollte Frau von der Leyen in ihren Botschaften ein bisschen mehr achten. Ich erwarte auch von der CDU, dass man unseren Vorschlag des Betreuungsgelds für Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen und betreuen, energisch unterstützt. Das ist doch pure Verleumdung, wenn in diesem Zusammenhang immer von Herdprämie gesprochen wird, die am Ende doch nur in Bier umgesetzt werde. Es ist unmöglich, die Eltern in ganz Deutschland so einem Generalverdacht auszusetzen. Wir akzeptieren nicht, dass man einseitig hohe Aufwendungen für die außerfamiliäre Betreuung erbringt. Auch die Erziehung des Kindes in der Familie muss materiell gestärkt werden.
Die CSU steht geschlossen dazu. Und für den Fall meiner Wahl zum CSU-Vorsitzenden werde ich die Position von Edmund Stoiber uneingeschränkt übernehmen. Wir halten auf Biegen und Brechen am Betreuungsgeld fest.
Ich habe gesagt für den Fall.
Nein, nicht in dieser Form. Zunächst geht es darum, das Bewährte zu erhalten. Wer verändern will, hat die Beweislast dafür, dass Veränderung geboten ist. Werte wie Eigenverantwortung und Tugenden wie Fleiß, Sauberkeit und Höflichkeit sind zeitlos. Aber wir müssen sie zeitgemäß vermitteln. Anders als bei vielen in der SPD heißt meine Antwort auf die Frage, ob der rundum staatlich betreute Mensch richtiger ist oder der selbständige: Der selbstständige Mensch ist es, der mit Eigenverantwortung für sein Leben und Handeln seine Talente einsetzt. Dessen Wohlergehen nicht in erster Linie von politischen Entscheidungen abhängt.
Natürlich muss das Alte stets überprüft werden: Was ist erhaltenswert? Was ist Substanz, was modische Begleiterscheinung? Und das Neue muss stets abgeklopft werden: Ist es eine Verbesserung für die Menschen? Denken Sie zurück, wie die 68-er die antiautoritäre Erziehung propagiert haben, wie damals Lehrer und Schüler sich duzen mussten. Und was ist daraus geworden? Die Pädagogik hat diese Moden längst wieder ins Archiv der Zeitgeschichte verbannt. Veränderung im Wege der Bilderstürmerei lehne ich ab. Ich ziehe den überlegten reformerischen Kurs vor.
Ich bin konservativ, ja unbedingt. Konservativ zu sein, ist für mich eine wichtige Verankerung. Aus dieser Stabilität heraus fühle ich mich den Stürmen der Zeit in München und Berlin rundum gewachsen. Und den Menschen bieten wir damit Stabilität und Selbstbewusstsein in einer Zeit oft Angst machender Dynamik.
Ihre Meinung
Was halten Sie von einem Konservatismus à la Huber?
Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (2)