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15. Februar 2009, 19:56 Uhr

CSU sperrt sich gegen Enteignung

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg fürchtet eine Enteignung der Immobilienbank Hypo Real Estate wie der Teufel das Weihwasser. "Ludwig Erhard würde sich im Grab umdrehen", meint der CSU-Mann. Nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel soll der Bund aber die Kontrolle über die Chaos-Bank übernehmen.

Hypo Real Estate, Kontrollmehrheit, Angela Merkel

Kein Freund von Enteignungen: Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)© Michael Kappeler/DDP

Der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will eine Enteignung verbliebener Aktionäre der schwer angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) wenn irgend möglich vermeiden. Guttenberg sagte der "Bild"-Zeitung: "Jede Lösung ist besser als eine sofortige Enteignung." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht eine Enteignung der HRE bestenfalls als "ultima ratio". Nach Ansicht der Regierungschefin sollte der Bund allerdings mit einer "Kontrollmehrheit" das Ruder bei dem Münchner Bankhaus übernehmen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält eine Enteignung der HRE, aber auch in anderen Fällen für "sehr schwer erträglich". Sie dürfe nur "das letzte, das allerletzte Mittel" sein, wenn keine andere Lösung mehr infrage komme, sagte Seehofer in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". "Es darf in Deutschland nicht einreißen, dass der Staat als Unternehmer oder Banker tätig wird."

Ludwig Erhard, der "Erfinder" der sozialen Marktwirtschaft, würde sich sonst im Grabe umdrehen, ergänzte Guttenberg. "Ich bin zuversichtlich, dass wir bei der HRE zu einer schnellen, plausiblen Entscheidung kommen. Alternative Modelle werden derzeit von meinem Haus geprüft", sagte Guttenberg.

Ausnahmesituation fordert besondere Maßnahmen

Kanzlerin Merkel hatte sich am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" geäußert. Obwohl sie eine Enteignung der Hypo Real Estate für den allerletzten Ausweg hält, betonte sie zugleich: "Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen." Eine Insolvenz der Bank sei hingegen keine Alternative: Deutschland habe wie andere Länder auf internationaler Ebene zugesagt, keine Bank pleitegehen zu lassen, die andere Institute mit sich reißen könnte.

Die Politiker scheuen in der Diskussion den historisch belasteten Begriff einer "Enteignung". Es gehe darum, die soziale Marktwirtschaft wieder zum Laufen zu bringen, sagte Merkel zu wachsenden Bedenken gegenüber einem zu starken Eingriff des Staates in die Gestaltungsfreiheit der Wirtschaft. "Der Staat kann nur Brücken bauen."

Die Bundesregierung will im Kabinett ein sogenanntes Rettungsübernahmegesetz auf den Weg bringen, das auch eine zwangsweise Verstaatlichung der HRE gegen Entschädigung der Aktionäre zulassen könnte. Damit soll das Münchner Institut gerettet werden - im Gegenzug kann der Bund künftig die Geschäftspolitik mitbestimmen. Die Details einer solchen Regelung sind aber noch unklar. Die HRE hat bisher bereits 102 Milliarden Euro an Kapitalhilfen und Garantien erhalten.

Das Bankenrettungspaket der Regierung sieht bisher nur einen Einstieg des Staates von bis zu einem Drittel vor, ohne dass Aktionäre eingebunden werden müssen. Eine Alternative zur einer Zwangsverstaatlichung ist ein sogenannter Kapitalschnitt, bei der der Staat als neuer Investor einsteigen würde. Im Fall der HRE hängt eine konkrete Regelung auch von der Kompromissbereitschaft des Großaktionärs Christopher Flowers ab. Aufgrund des Kurseinbruchs hat sich der Wert seiner Beteiligung an dem Institut drastisch verringert. Möglicherweise verlangt er nun eine Art Trostpflaster für einen Ausstieg.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 59)
 
REINI2 (17.02.2009, 20:53 Uhr)
Der Fisch STINKT VOM KOPF !!!!
So ein Verkommenes Pack.... Banker und ihre Helfer, die politischen Speichellecker!!
Es ist doch offensichtlich wie der Hase läuft!
Bei der HRE haben anscheinend eine Menge Reicher ein Schneeballsystem zum Laufen gebracht! Geschäftsmodell: Langfristige Krediten, die mit Kurzfristigen Krediten finanziert wurden!
Jetzt ratet mal, was passiert, wenn die Banken keine Lust mehr haben diese „Kurzfristigen“ zu vergeben?!!
Dann ist dieses betrügerische System GESCHEITERT!!
Anstatt nun diese Betrüger und VERUNTREUER zur Verantwortung zu ziehen..... bekommen die vom STAAT ….. also VON UNS ALLEN....... 102 Milliarden.....102 000 Millionen EURO in den HINTERN GESCHOBEN!!!!
Dieses Geld ist weg! Nichts mehr da für Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime!!
Merkt ihr was abgeht??
Die Politiker hängen da mit drin und verarschen uns!!
Nicht die Linken.... „versehrtes“ neoliberales Publikum..... eure „Freunde“ haben uns das eingebrockt!!
DIE..... die von der Agenda und Hartz4, Dumpinglöhnen und 1€ Jobbern so begeistert sind!
Die ASOZIALEN in diesem Staat! Die in Regierung und Wirtschaft sitzen! Die 10 Nebenjobs haben und sich einen DRECK um das Volk scheren!
Es ist geradezu LÄCHERLICH vor den Linken zu warnen, denn cducsufdpspdgrüne....haben die WIRTSCHAFT AN DIE WAND GEFAHREN !!
Warum?? NA.... weil sie alle den HALS NICHT VOLL GENUG BEKOMMEN HABEN!
Wie hab ich angefangen....? Genau.... VERKOMMENES PACK!
n8g8 (16.02.2009, 22:21 Uhr)
@traldors
Herrlicher Kommentar!
Nur vom Geld-Ausgeben würde ich den derzeitig herrschenden Zeitfaktor nicht abhängig machen - man bedenke den Börsen-Verlauf, im doppelt deutlichen Sinne!
Wahrscheinlich ist Einmal-Luft-Holen der passendere und humanere Ansatz. :-)))
traldors (16.02.2009, 17:52 Uhr)
Das was wir gerade erleben (...)
ist aus dem Film: "Verlieren müssen immer die anderen".
Als Steuerzahler finanzieren wir die Kapitalgesellschaften eben komplett mit, wenn sich schon die "Nieten in Nadelstreifen ablegen" dann richtet es der Steuerzahler. Nur weiter so, die nächste "Umverteilung" wird chneller da sein, als die "Elite" das Geld ausgeben kann.
tagora-sagittara (16.02.2009, 17:30 Uhr)
Wenn die Bilderberger ein Konzept...
für den Niedergang des Systems erarbeitet haben,... ist es sch...egal welche aldelige Marionette Finanzpriester ist,... die Entscheidungen fallen eh an anderer Stelle!!
ssteffen (16.02.2009, 16:11 Uhr)
Neid, Missgunst, Gier ...
Dekadenz fängt hier an. Und endet im Desaster. Das das dann keinen Gewinner geben kann hat weder unsere Herrschaft in Wirtschaft und Politik begriffen noch die Vielzahl der Kommentierenden. Ich vermute mal, dass der größte Teil der hier Beteiligten Christ oder ein Gottgläubiger ist. Keiner darf den ersten Stein werfen...
Für mich ist Gott und Satan die gleiche Person. Der zieht sich zwischen den Auftritten nur um.
Wenn wir eine solche Krise nicht wieder haben wollen, dann müssen wir unsere Wertvorstellungen als erstes ändern und nicht immer erst nach einen Schuldigen suchen, den hinrichten und dann weiter machen wie gehabt.
Ich könnte jetzt viel Moralin in die Runde kippen, das Geld verteufeln und den Kommunismus ausrufen. Davon hat aber keiner was. Besser wäre es, wenn wir alle mal gemeinsam überlegen, was wir auf dieser Welt erreichen wollen. Ist das der massenhafte Besitz von bunten Papier (kurz Geld) oder Macht oder was ????
sedanon (16.02.2009, 15:59 Uhr)
Wie verstaatlicht man ein Unternehmen, das Pleite ist ?
Ist so, als wolle man einen toten Gaul reiten.
Wem schadet es eigentlich, wenn die HRE insolvent ist und bleibt ?
Richtig, den Investoren und Großaktionären.
Der Otto-Normalverbraucher ist durch Einlagensicherungsfonds einigermaßen geschützt. Aber bei Auszahlungen durch die Einlagensicherungsfonds würde das Geld der Banken flöten gehen und nicht das Geld der Bürger für marode Banken verbraten werden.
Und DAS ist der Kern dieser Charade -
Eine Vollkaskoversicherung der Megavermögen.
Alle sind gleich und mache gleicher.
ganzbaf (16.02.2009, 14:41 Uhr)
Artikel 14/15 GG

Enteignung, Verstaatlichung, Eigentumsverpflichtung etc pp.
Unser Grundegsetz ist nun mal rein freiheitlich-sozialistische.
Das müssen die Bauerntrampel von der CSU nur endlich mal checken... ;-DD
nightmare_online (16.02.2009, 13:41 Uhr)
@ziu1
Der Erhard wird schon gewusst haben, warum er nie in die CDU eingetreten ist. War halt ein kluger Mann.
sedanon (16.02.2009, 13:32 Uhr)
Substanzloser Lutscher.
Hat der Mann schon eine seiner Behauptungen und Prognosen mit Fakten unterfüttert ?
Gut, mit Fakten und der Wahrheit hat er es nicht so - Wie sein gefakter Lebenslauf beweist.
Aber wenn er sich schon für so clever hält, andere locker über den Tischen ziehen zu können, sollte dies mit mehr Finesse geschehen.
Platituden ohne Substanz kann sich meinetwegen ein Oppositionspolitiker erlauben. Bei einem Minister hingegen rollen sich mir dabei die Zehennägel auf.
Josh67 (16.02.2009, 13:28 Uhr)
was heist
hier Enteignung?
Wenn wir Bürger schon mit UNSEREM Steuergeld zahlen, dann sollten wir auch einen Besitz dafür bekommen, oder?
Warum sollten wir UNSER Geld einfach in die Banken pumpen, um nacher leer da zu stehen und von den zu erwarteten Gewinnen nix sehen?
Da haben wir uns ja wieder einen "Wirtschaftsminister" geleistet.
Diese Neo-liberale Pack ist doch schuld an der Misere.
Jahrelag alle Freiheiten für die Wirtschaft gepredigt und keinerlei Kontrolle.
Aber zahlen darf dann doch der Staat, der sich vorher raushalten sollte!
Es reicht!!!
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