Die JU begreift sich als liberale Avantgarde in der Union: Im stern.de-Interview spricht JU-Chef Philipp Mißfelder über Lockerungen beim Kündigungsschutz, über Peter Müllers neue, grüne Freunde - und er preist die 68er.
Wir haben Reformkräfte in der Koalition und Beharrungskräfte. Wir als Junge Union sehen uns als Reformkräfte. Seit Jahren sind unsere Positionen bekannt: Wir wollen beispielsweise mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und Haushaltskonsolidierung. Und genau da unterscheiden wir uns von der FDP: Bei uns steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Steuererhöhungen um jeden Preis gibt es mit uns nicht. Ein weiterer Punkt ist die Arbeitsvermittlung. Sie muss umstrukturiert werden, denn sie soll nicht nur von Nürnberg aus organisiert werden. Der Bürokratieaufwand ist viel zu groß.
Ja, das kann ich sofort unterschrieben.
Ja, wir vertreten bürgerliche Positionen. Und zwar solche, die sich nicht in einer Jamaika-Koalition umsetzen ließen.
Ich war früher sehr positiv gegenüber den jungen, reformwilligen Grünen eingestellt, zum Beispiel Matthias Berninger, Oswald Metzger oder Anna Lührmann. Doch die haben alle die Berufspolitik verlassen, es hat mittlerweile einen deutlichen Linksruck bei den Grünen gegeben. Niemand kann sagen, dass die CDU etwa mit einer Politikerin wie Claudia Roth vernünftig zusammen arbeiten könnte. Ich bin da auch anderer Meinung als etwa Peter Müller im Saarland. CDU pur ist mit diesen ideologischen Grünen einfach nicht möglich: Sie verhindern zum Beispiel Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke und eine verantwortungsvolle Industriepolitik.
Wir dürfen uns nicht an dieser Frage festbeißen. So werden wir nicht weiter kommen. Wir werden es nur schaffen, Generationengerechtigkeit zu erhalten, wenn wir die Kerndiskussion führen: Wie soll die Krankenversicherung in Zukunft aussehen? Überlegenswert für die gesetzlichen Krankenkassen wäre beispielsweise eine Unterteilung in Pflicht- und Wahlleistungen, die dann aber auch mehr kosten.
Nicht, wenn wir nur den derzeitigen Stand der Behandlungsmöglichkeiten als Maßstab nehmen. Aber die Teilhabe am medizinischen Fortschritt wird etwas sein, wofür jeder auch jetzt schon vorsorgen sollte.
Es gab bei uns in der Jungen Union eine intensive Diskussion: Wie bekommen wir Wehrgerechtigkeit hin? Eine Dienstpflicht würde viele Möglichkeiten umfassen - also auch den Zivildienst, das THW und andere. Ich bin weiterhin überzeugt, dass ein Dienst an der Gesellschaft sinnvoll ist.
Nein, natürlich nicht, das ist eine Katastrophe für Brandenburg.
Es ist so, dass viele Leute das nicht mehr geglaubt haben, weil Teile der Partei lange versprochen haben, das nicht zu tun. Matthias Platzeck hat bisher immer einen sehr moderaten Eindruck gemacht, er hat sich in der Nachfolge von Willy Brandt und Gerhard Schröder gesehen. Und jetzt paktiert er mit den Kommunisten.
Sie wird trotzdem die Strippen ziehen. Die Frage ist doch: Wer will, dass Leute, die früher Funktionen in einem Unrechtsstaat inne hatten, heute wieder Funktionen übernehmen? Ich will das nicht. Darüber darf nicht der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Die DDR war ein Unrechtsstaat, und diese Leute haben daran mitgewirkt.
Das reicht natürlich nicht aus. Welche Konsequenz hat eine solche Entschuldigung? Da wird so getan, als wenn das ein Kavaliersdelikt gewesen wäre. Dabei steckt dort auch eine moralische Frage drin. Was haben solche Leute mit ihrem Wirken angerichtet? Vielleicht müssen sich diejenigen eben ein Leben lang fragen lassen, warum sie zu dieser Zeit in diesem Staat mitgemacht haben.
Genau mit diesem Argument sind die 68er auf die Straße gegangen und haben zu Recht angemahnt, die Taten von damals nicht tot zu schweigen. In meinen Augen ist das ein großes Verdienst der 68er Bewegung. Wir bräuchten jetzt auch ein 68er Erlebnis für die DDR-Vergangenheit. Oft wird eben so getan, als sei in der DDR nichts passiert. Der SED-Staat wird verharmlost.