14. Dezember 2009, 09:43 Uhr

Warum Abgeordnete gern teure Luxusfüller ordern

Bundestagsabgeordneter müsste man sein, dann gäbe es mit Weihnachtsgeschenken kein Problem. In den vergangenen Monaten bestellten Politiker besonders viele schicke Schreibgeräte. Kaum ist der Wirbel darum verklungen, wird munter weiterbestellt. Von Hans Peter Schütz

 
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Objekt der Abgeordnetenbegierde: teure Füller©

Ehre, wem Ehre gebührt. Etwa der FDP-Bundestagsabgeordneten Marina Schuster, seit 2005 als Volksvertreterin des mittelfränkischen Wahlkreises Roth im Parlament. Die 34-Jährige Diplomkauffrau schreibt mit einem edlen Füller der Marke Montblanc. Wir zollen hier auch der bayerischen CSU-Bundestagsabgeordneten Marlene Mortler Respekt, Vorsitzende des Tourismus-Auschusses des Bundestags. Es sind ihre Schreibgeräte, für die wir die beiden Politikerinnen loben. Denn Schuster schreibt mit einem Füller, den sie von ihrer Mutter fürs bestandene Examen bekommen hat. Und Mortler kritzelt mit einem Werbekugelschreiber vom Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. Das unterscheidet sie rühmlich von jenen 115 Abgeordneten, die sich allein in den zehn Monaten von Januar bis Oktober 2009 mit dreihundertsechsundneunzig (396!) Füllern der Edelmarke Montblanc eingedeckt haben. Das kostete uns Steuerzahler 68.800 Euro.

Wir vermuten, dass jeder, der einen Bundestagsabgeordneten gut kennt, vor allem einen, der nach der Bundestagswahl ausgeschieden ist, glänzende Aussichten besitzt, zu Weihnachten einen Goldfüller geschenkt zu bekommen. Denn von Januar bis Juli wurden "nur" 180 Füller geordert bei der Bundestagsverwaltung. Doch von August bis Oktober, in der wegen des Wahlkampfs weitgehend parlamentsfreien Zeit, wurden 216 luxuriöse Schreibgeräte geordert. Ein eindeutiges Verhalten: Schnell noch mal mitnehmen, was man abstauben kann. Kostet ja nichts.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) lässt die Abstauberei jetzt durch eine Kommission des Ältestenrats prüfen. Viel herauskommen wird nicht. Denn die Füllerei beruht auf fülliger Ausstattung der Abgeordneten mit Büromaterial. Pro Jahr und Kopf dürfen sie für 12.000 Euro Büromaterial beim Bundestag bestellen. Vor Weihnachten und zum Ende einer Legislatur schnellt die Zahl der Bestellungen stets dramatisch nach oben. Man braucht schließlich Geschenke. Und als "Büromaterial" gelten nicht nur Goldfüller, sondern auch Pilotenkoffer, Duftkerzen, Schulhefte. Was von den 12.000 Euro nicht verpulvert wird, geht in die Kasse der Steuerzahler zurück. Also heißt die Devise: Nix wie raus. Selbstbedienung? Wird natürlich strikt bestritten. Eben alles eine schöne Bescherung.

Wir wollen nicht bestreiten, dass die so begehrten Montblanc-Füller ein edles Gerät sind - es gibt sie zu Preisen bis zu 18.000 Euro (für den "Bohème - Je t' aime" aus Weißgold mit Rubin). Doch schreiben die Volksvertreter ihren Wählern tatsächlich so fleißig Briefe per Hand? Marina Schuster gibt das Geld jedenfalls für andere Dinge als Füller aus: Visitenkarten, Faxpapier, Toner. Marlene Mortler empfindet beim Blick auf die Füller-Sucht der Kollegen einen "blöden Beigeschmack. Das passt einfach nicht in die heutige Zeit". Der Bund der Steuerzahler schlägt eine Radikalreform vor: Weg mit dem Bürokostentopf für Abgeordnete, da sich "sonst weitere Abgeordnete auf Kosten der Steuerzahler schöne Weihnachtsgeschenke bestellen können". Doch das ist bereits im Gange. Der Bundestag teilte stern.de mit, dass auch in der neuen Wahlperiode bereits wieder von sechs Abgeordneten Montblanc-Füller für insgesamt 1000 Euro bestellt worden sind.

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Auch an anderer Stelle sorgte die Füller-Frage für politische Aufregung. Recht rüde ist unlängst die "Bild"-Zeitung mit dem baden-württembergischen CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel umgesprungen. Sie markierte ihn auf der ersten Seite als "Verlierer" des Tages. Fuchtel habe in seinem neuen Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Arbeitsministerium in erster Amtshandlung "fünf noble Pelikan-Füllerfederhalter für 169 Euro pro Stück" sowie eine Siemens-Kaffeemaschine im Porsche-Design bestellt. Erlaubt habe das Ministerium jedoch nur zwei Edel-Füller. Für Fuchtel selbst, der, so "Bild", "das Sparen erst noch lernen müsse", ist diese Behauptung ein medialer Tiefschlag weit außerhalb der erlaubten Reichweite. Auf Anfrage von stern.de wies er die Attacke als "unbegründet strikt zurück". Alles sei völlig falsch. Keineswegs habe er fünf Edel-Füller für 169 Euro das Stück bestellt. Richtig sei, dass "ich für dienstliche Belange einen Füllfederhalter bestellen ließ, allenfalls einen zweiten als Reserve". Preisvorgaben habe er überhaupt nicht gemacht, schreibt er "Bild" hinter die Ohren, sondern bewusst auf die bekannte Nobelmarke verzichtet. Nachdem er erfahren habe, dass die von der Zentralverwaltung des Ministeriums dennoch beschafft worden waren, habe er das Geld sofort an die Bundesbank Leipzig zu Gunsten des Ministeriums zurück überweisen lassen. Die angebliche Luxus-Kaffeemaschine zur Bewirtung von Gästen in seinem Büro habe nur 170 gekostet. Fuchtel: "Mir muss das Sparen niemand beibringen." Klar doch, der Mann ist schließlich Schwabe. Die wissen, wie man spart.

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Dass der neue SPD-Chef Sigmar Gabriel kaum Reklame machen könnte für Schlankmacher, ist bekannt. Jetzt hat der Genosse, der aus einfachen Verhältnissen kommt, eine der Ursachen für seine chronischen Gewichtsnöte genannt. Zu Studienzeiten arbeitete er erst als Nachtportier in einem Hotel und danach als Bierfahrer. Für diesen Job erhielt er neben dem Lohn täglich sechs Flaschen Bier. Das hat bis heute Spätfolgen, sagt Gabriel: "Man sieht mir an, dass ich ein paar davon getrunken habe."

 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
jomimo (15.12.2009, 20:59 Uhr)
12.000 Euro ...
... für Büromaterial für jeden Abgeordneten per anno ist ein Wahnwitz und mit nichts zu rechtfertigen.
Mit dieser Summe kommt ein Mittelständischer Betrieb locker aus.
hosiannarunner (14.12.2009, 20:21 Uhr)
Falsches System
Den Vorwurf kann man nicht den Menschen (... so was ähnliches sind Politiker ja ...) machen, die dieses bescheuerte System ausnutzen. Sämtliche öffentlichen Haushalte sind ja so aufgebaut, dass bestimmten Bereichen Gelder zugewiesen werden, die - wenn sie nicht genutzt werden - quasi verfallen. Also wird das Geld natürlich auf den Kopp gehauen, auch wenn man eigentlich gar nichts braucht. Sparen wird also nicht belohnt, sondern eher bestraft. Ich wette, wenn man dem betreffenden Abgeordneten in Aussicht stellen würde, dass er 2.000 EUR Prämie bekommt, wenn er statt der 12.000 EUR höchstens 5.000 EUR verbrät, dann würde das bei den meisten klappen. Und wir alle hätten vermutlich jede Menge Füller gespart.
Oder alternativ dazu könnte man eine "schwarze" Liste mit den 100 verschwenderischsten Abgeordneten veröffentlichen. Dann würden vermutlich solche Ausgaben auch drastisch nach unten gehen. Aber so viel Phantasie kann man wohl vom Bundestagspräsidium nicht erwarten.
whismerh2 (14.12.2009, 18:42 Uhr)
tempelhofer
Wirst Du für die ewigen Beweiräucherung seitens unserer Regierung bezahlt,
Der Fall ist klar und offentsichtlich, und für seniore Tempelhofer ist das alles normal.
Schon mal aufgefallen das Du hier ziemlich auf verlorenem Posten stehst, vieleicht kaynn man auf CDU.de, seine Unwissenheit absondern.
Tempelhofer (14.12.2009, 17:13 Uhr)
@ whismer2
Das ist wirklich schon hart am Rande der Realsatire.

Bei Stern.de ist das wie mit dem Gammelfleisch. So schlecht das Angebot auch ist, es finden sich immer noch dankbare Abnehmer.
poldi55 (14.12.2009, 16:08 Uhr)
mont blanc füller..
aus steuermitteln und dann als geschenk auf den weihnachtstisch, dass ist diebstahl. in jeder firma würde man entlassen. wer klopft den säcken mal einer auf die finger? übrigens,. wollen die wiedergewählt werden?
laketahoe (14.12.2009, 16:07 Uhr)
Tut mir leid.....
... und schwupps war der Kommentar wieder da......

Ich entschuldige mich für die Bezugnahme auf den nunmehr wieder sichtbaren Komemntar........ tut mir leid ... aber man sieht hier langsam weisse Mäuse...
laketahoe (14.12.2009, 16:05 Uhr)
Liebe Stern Online-Redaktiion,
was war so verwerflich an meinem Beitrag hier, dass sie diesen löschen mussten?

Ich hatte lediglich ausgerechnet, dass bei 12.000 EUR pro Angeordnetem und Jahr die Summe von 1.863.000 für Büromaterial herauskommt (im schlimmsten Falle) .. und, dass die Arbeit der Abgeordneten und Minister davon nicht zwangsläufig besser wird, dass die Tinte manchmal aus einem Montblanc Füller rinnt.

Jedenfalls würde jeder Mittelständler sich an den Kopf greifen, wenn das Geld für Montblancfüller und Büromaterial draufgeht.

Ich bin nicht der Typ beleidigte Leberwurst - aber langsam nimmt die direkte und indirekte Zensur hier Formen an, die sich so einfach nicht gehören.

Ist die Chefredaktion des Stern wirklich so zart besaitet, dass sie etwaige Kritik der Eigner nicht einstecken könnte.

Ich lese den Stern hauptsächlich als Magazin. Nicht so leidenschaftlich wie den Spiegel, aber eigentlich auch schon ewig und sehr gerne.

Führen sie ihre neue Kommerntarpolitik also ruhig weiter in dieser Art. Was sind schon ein paar Käufer und Leser weniger....
SpringbokCT (14.12.2009, 15:39 Uhr)
Weihnachtsmärchen
Bei den 115 Abgeordneten mit den 396 Füllern war keiner von den LINKEN dabei.
laketahoe (14.12.2009, 15:14 Uhr)
1.863.000 EUR für Büromaterial
Mal ganz davon abgesehen, dass das Geschriebene der Minister und Abgeordneten auch nicht klüger wird davon, dass die Tinte aus dem einen oder anderen Montblanc Füller fliesst, bin ich über die 12. EUR pro Nase und Jahr für Büromaterial entsetzt.

Wenn man das mal mit ganz normalen Firmen vergleicht, in denen etwas fleissiger und erfolgreicher gearbeitet wird, dann würde so mancher erfolgreiche Mittelständler in Deutschland über diese Summe für Büromaterial nur herzlich lachen können.

Man darf gar nicht dran denken, wie viele Minderleister aus dem Vollen schöpfen können,, die sich das ganze Jahr nicht zu Wort melden ... und dann, wenn sie es tun ... naja .. man kennt das ja ohnehin....

Meiner Schätzung nach müsste auch gut die Häfte der Summe reichen. Mit dem Rest könnte man gerade in Berlin, wo schon jedes dritte Kind in Armut lebt, etwas Sinnvolles für die Zukunft tun.

sportartmakler (14.12.2009, 15:04 Uhr)
ist der sprung erst in den bundestag geglückt
die finanzkrise scheint an den ausgeschiedenen abgeordneten sowie den neu gewählten spurlos vorbeigegangen zu sein. absolut kein gespür was richtig ist. oder mußten die etwa aus der not heraus die füller bestellen um ihr budget auszuschöpfen? wie haben die eigentlich ihren wahlkampf ohne schreibutensilien durchziehen können? der begriff volksvertreter kann mittlerweile ersatzlos gestrichen werden....
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